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KommentarVerkauf von Abendblatt, Hörzu und Co.: Springer wird radikal digital

25. Juli 2013
Springer macht Schluss mit Print: Traditionsblätter wie Hörzu, Funk Uhr, Bild der Frau, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost werden an die WAZ-Gruppe verkauft. Quelle: dpaBild vergrößern
Springer macht Schluss mit Print: Traditionsblätter wie Hörzu, Funk Uhr, Bild der Frau, Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost werden an die WAZ-Gruppe verkauft. Quelle: dpa
von Franziska Bluhm

Der Verkauf der Traditionsblätter von Hörzu über Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost zeigt, wie konsequent Axel Springer an seiner Zukunft arbeitet.

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Als Axel Springer mit 33 Jahren im Jahr 1946 den Antrag stellte, eine Programmzeitschrift herauszugeben, konnte er weder ahnen, dass aus der Gründung einmal eines der größten Medienunternehmen Deutschlands entstehen würde. Und logischerweise auch nicht, dass die Traditionszeitschrift - in Spitzenzeiten hatte die Hörzu eine Auflage von mehr als vier Millionen Heften - im Jahr 2013 den Besitzer wechseln würde. Seit fast 50 Jahren verleiht die Hörzu zudem mit der „Goldenen Kamera“ einen der großen deutschen Medienpreise. Daran wird sich wohl nichts ändern, doch Hörzu steht nicht mehr für Axel Springer.

Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, TV neu, Bild der Frau, Frau von heute, aber eben auch die letzten beiden Regionalzeitungen im Springerportfolio, Berliner Morgenpost und  Hamburger Abendblatt, werden an die WAZ-Gruppe verkauft. Der Preis: 920 Millionen Euro für Segmente, die im Geschäftsjahr 2012 immerhin 94,8 Millionen Euro zum operativen Gewinn beigetragen haben. Neben dem Verkauf vereinbarten Springer und die Funke Mediengruppe – vormals WAZ Mediengruppe  -  ein Gemeinschaftsunternehmen für Vertrieb und Vermarktung von gedruckten und digitalen Medienangeboten zu gründen. Dies sei für Springer ein weiterer bedeutender Schritt bei der Umsetzung der Strategie, das führende digitale Medienunternehmen zu werden, hieß es in der Mitteilung.

Der Verkauf der Titel ist vor allem eins: konsequent. Er zeigt, wie ernst es der Konzern, der sich bereits in den vergangenen Jahren von einem klassischen Verlag zu einem Medienhaus gewandelt hat, mit der Digitalisierung meint. Ende Juni erklärte Mathias Döpfner gegenüber der Süddeutschen Zeitung, der „digitalste Medienkonzern werden“ zu wollen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Seit der Jahrtausendwende haben Verlage in Deutschland Milliarden Euro im Anzeigengeschäft verloren. Stellen-, Immobilien- und Autoanzeigen wanderten ins Internet ab. Parallel schrumpfen die Auflagen und schmälerten so die Vertriebserlöse.

Wie digital Springer werden will, das zeigt sich auch an diesen Deal. Bereits in den vergangenen fünf Jahren hat Springer mehrere Hundert Millionen Euro ins Digitalgeschäft investiert. Unternehmen wie Stepstone, Immonet, Kaufda wurden übernommen, jede Menge IT eingekauft, allein die Plattform für die Bezahlschranken bei Welt und Bild kostete einen siebenstelligen Betrag. Die Technik ermöglicht es nun, umfassende Daten über die Kunden zu erheben und so Werbung und anderweitige Produkte perfekter auf die Kunden zuzuschneiden. So wie es amerikanische Konzerne seit Jahren tun.

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Springer hat erkannt, dass es ohne diese Investitionen nicht geht. Wo früher Souvenirs der roten Bild-Gruppe verkauft wurden, sind jetzt Büros eingerichtet, in denen Journalisten gemeinsam mit Technikern sich neue Geschäftsfelder ausdenken. Konzernweit sucht Springer derzeit nach 150 IT-Spezialisten. In Anzeigen macht Bild Jagd auf „Visionäre, Macher und Medien-Revolutionäre“, die mehr Ideen als Apple-Designikone Jony Ive und die Start-up-Millionäre Samwers haben. Die Vision von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann: flachere Hierarchien und mehr Techniker in der Redaktion. Ende Mai kündigte Döpfner an, direkt neben dem Hochhaus einen „Campus“ errichten zu wollen. Schwammig erklärte er, dass dieser Campus eine „Schlüsselrolle für die digitale Transformation unseres Unternehmens“ haben werde.

Diese Wandlung ist im vollen Gange. Springer arbeitet mit Volldampf an seiner Zukunft. Auch wenn der Verkauf der Flaggschiffe Mediennostalgiker traurig stimmen mag.

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Kommentare | 5Alle Kommentare
  • 25.07.2013, 15:50 UhrWeiterMittelalter

    Das ganze nutzt gar nichts. Ob gedruckt oder digital – das Ziel ist das alte, und damit ist alles zum Scheitern verurteilt.

    Überhaupt nicht verstanden wird dabei, daß ein Leser im Informationszeitalter heute alle Möglichkeiten der Information hat, niemals auf eine einzige Onlinezeitung angewiesen ist und schon lange nicht mehr als unmündiges, zu beschulendes Objekt geringer Bildung betrachtet werden darf. Ganz im Gegenteil: Gerade der Journalist steht bei Umfragen am untersten Ende der Ansehensskala und auch der Bildungsskala. Er muß daher im Informationszeitalter höchste Demut zeigen, um überhaupt noch gelesen und nicht sofort abgeklickt zu werden. Leser schauen heute auf die Überschrift und klicken dann die Leserbriefe an, selten aber die Einzelmeinung eines vom Verlag abhängigen Mainstream-Journalisten. Der Journalist kann heute bestenfalls ein Diskussionsthema stellen. Dann aber kommen die Leser, die untereinander auf hohem Niveau diskutieren. Der Journalist muß dabei nicht selten erheblichen Tadel einstecken. Geld verdient ein Verlag in diesem neuen Miteinander dann allein durch Anzeigen, garantiert nicht durch Abos. Die Vorstellung ist derartig abwegig, daß sie direkt aus einem infantilen Germanistikseminar stammen könnte.

    All das hat man überhaupt nicht verstanden. Es wird einfach das Mittelalter im Internet fortgeschrieben. Der Journalist (früher Mönch) belehrt, mahnt und mimt den Gebildeten. Der dumme Leser soll alles glauben, soll dafür bezahlen und bekommt seine Leserbriefe auch noch knallhart zensiert, wenn er dem Verlag mißfällt. Exakt so ist es heute in der Springer-WELT.

    Wer verdeckt oder offen beschimpft (angesichts unserer Vergangenheit ..), zusätzlich zensiert und dafür auch noch Geld erwartet, hat absolut nichts verstanden und lebt im Mittelalter, so ähnlich wie die Kaufhäuser, die ihre Kleidung heute auch immer noch so verkaufen, wie es verrückte Designer wollen, wobei die Kundenwünsche egal sind. Folge: Boom im Internethandel..

  • 25.07.2013, 16:21 Uhrhdh

    @WeiterMittelalter
    "... daß sie direkt aus einem infantilen Germanistikseminar stammen könnte."

    Aus dieser Ecke kommt die Entscheidung nicht. Sie stammt aus der Ecke der BWLer.

  • 25.07.2013, 18:28 UhrWeiterMittelalter

    @hdh
    das ist sicherlich richtig.

    Die Oberspinner in den Medien kommen m.E. dennoch primär aus den Geisterwissenschaften. Sie sind nie echte Leistungsträger, wie wir sie in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen haben und die in letzter Konsequenz das Fundament eines führenden Industriestaates bilden.

    Dennoch, danke für Ihren Hinweis.

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