Verlorenes Gepäck: AirBerlin verscherzt es sich mit Metalbands

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Verlorenes Gepäck: AirBerlin verscherzt es sich mit Metalbands

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Bei der schwedischen Metalband "Sabaton" steht Equipment im Wert von rund 40.000 Euro auf der Bühne.

Quelle: Creative Commons/York Klinkhart

von Kerstin Dämon

Ein verlorener Koffer im Urlaub ist ärgerlich. Air Berlin hat gleich von mehreren Bands, die in Berlin aus- und umgestiegen sind, Instrumente im Wert von mehreren Zehntausend Euro verloren. Entschädigungen gab es keine.

Zwischen Mai und August ist nicht nur Urlaubs-, sondern auch Konzert- und Festivalzeit in Europa. Bands und Fans fliegen und fahren mit mehr oder weniger großem logistischen Aufwand zu zahlreichen kleinen und großen Festivals rund um den Planeten. Dabei muss an den Knotenpunkten - also Bahnhöfen und Flughäfen - alles glatt gehen. Das gilt besonders für die Künstler, die mit Instrumenten im Wert von mehreren Zehntausend Euro unterwegs sind. Nur: Landeten die am Flughafen Berlin Tegel oder stiegen dort um, ging in den letzten Wochen - also in der Haupt-Festivalsaison - alles schief.

Am Donnerstag, den 15. August, machte sich die schwedische Metalband "Sabaton" auf den Weg vom Flughafen Stockholm-Arlanda nach Stuttgart via Berlin Tegel. Ziel war das Summer Breeze-Festival im mittelfränkischen Dinkelsbühl, auf dem die Band um 22.25 Uhr ein Konzert geben sollte. Bereits gegen Mittag ging ein Gerücht um bei den Fans, dass das Konzert der Schweden auf der Kippe stehe: Sämtliche Instrumente seien weg. "Als wir Donnerstagmorgen in Stuttgart gelandet sind, haben wir festgestellt, dass das gesamte Gepäck beim Umsteigen in Berlin verloren gegangen ist", sagt Pär Sundström, Bassist der Band, gegenüber WirtschaftsWoche-Online. Insgesamt fehlte Equipment im Wert von rund 40.000 Euro, wie Sundström schätzt.

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Diese Rechte haben Fluggäste

  • Schadensersatz

    Laut EG-Verordnung 261/2004 hat jeder Fluggast Anrecht auf Entschädigung, wenn sich ein Flug mehr als drei Stunden verspätet. Je nach Entfernung des Reiseziels und Umfang der Verspätung beläuft sich der Schadensersatz auf 250, 400 oder 600 Euro. Alle EU-Airlines sind zu diesen Zahlungen verpflichtet.

  • Ausnahmeregeln

    Ausgenommen vom Schadensersatz sind Flugverspätungen aufgrund „außergewöhnlicher Umstände“. Das können Streiks, Terroranschläge oder Naturkatastrophen sei – nicht aber technische Schwierigkeiten, es sei denn, es handelt sich um Herstellerfehler.

  • Klagewellen

    Viele Airlines lassen sich lieber verklagen, als von vornherein Entschädigungen zu zahlen. Besonders gegen Condor und Air Berlin stapeln sich die Eingaben bei den Gerichten. Oft gleichen sich die Gründe für Verspätungen – und meist erhält der Fluggast recht.

  • Dienstleister

    Viele Verbraucher scheuen den Gang vor Gericht, zumal wenn sie keine Rechtschutzversicherung abgeschlossen haben. Wer das Risiko auf null senken will, kann sich an Rechtsdienstleister wie Flightright wenden, die Gerichtskosten sogar bei verlorenen Verfahren tragen. Meist gewinnen sie aber und berechnen dem Kunden stattliche 25 Prozent der Entschädigung.

In einem Facebook-Post bat die Band Fans aus Berlin um Hilfe. "All our equipment is lost at Berlin, Tegel airport and we need someone who lives in Berlin to go there and pick it up and drive it to Summer Breeze festival directly", hieß es da. Hilfe von AirBerlin habe man keine bekommen, geschweige denn eine Entschädigung, so Sundström. Letztlich habe man dafür bezahlen müssen, das Gepäck pünktlich - nämlich eine halbe Stunde vor Konzertbeginn - wieder zu bekommen. "Wir haben jeden angerufen, den wir kannten. Letztlich haben wir jemanden gefunden, der nach Berlin gefahren ist, sich am Flughafen um unsere Ausrüstung gekümmert hat, einen Van angemietet hat und die 750 Kilometer nach Dinkelsbühl gefahren ist", sagt Sundström. Anders hätte man die Ausrüstung nicht pünktlich zurückbekommen.

Die Airline selbst konnte sich zum konkreten Fall nicht äußern, jedes verlorene Gepäckstück sei ein individueller Bearbeitungsfall, sagte eine Sprecherin.

In der Regel haben Passagiere die Möglichkeit, sich im Fall eines Gepäckverlustes am Ankunftsflughafen beim Lost & Found zu melden und eine Gepäcksuche in Auftrag zu geben. Normalerweise tauchen die verschollenen Gepäckstücke binnen fünf Tagen wieder auf. Im Falle der finnischen Metalband Ensiferum, die ebenfalls am 15. August über Berlin nach Stuttgart geflogen war, um nachmittags auf dem Summer Breeze aufzutreten, ging es etwas schneller: Rund acht Stunden nach der Landung am Stuttgarter Flughafen wurde das Gepäck gefunden und den Musikern gebracht - direkt nach dem Konzert, das die Band mit geliehenen Instrumenten anderer Bands spielten.

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