Versandhändler Amazon: Verdi verschärft die Gangart im Tarifkonflikt

Versandhändler Amazon: Verdi verschärft die Gangart im Tarifkonflikt

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Streikende Amazon-Mitarbeiter lassen sich auch nicht vom strömenden Regen am Freitag abschrecken und halten die Stellung vor dem Eingang zum Logistikzentrum FRA1 des Online-Versandhändlers Amazon in Bad Hersfeld (Hessen).

Verdi kündigte an, dass die Amazon-Streiks nicht nur an vier von acht Standorten bundesweit bis Heiligabend verlängert werden. Die Gewerkschaft klagt dazu auch noch an zwei Verwaltungsgerichten gegen Sonntagsarbeit.

Verdi hat an mehreren deutschen Amazon-Standorten zu verlängerten Streiks bis Heiligabend aufgerufen. Zugleich klagt die Gewerkschaft vor den Verwaltungsgerichten Kassel und Leipzig gegen die von den Behörden für die Standorte Bad Hersfeld und Leipzig bewilligte Sonntagsarbeit am 21. Dezember. Die am Freitag eingereichte Klage sorge umgehend dafür, dass der Online-Versandhändler an beiden Standorten bis auf weiteres keine Sonntagsarbeit leisten dürfe, teilte Verdi mit. Amazon machte dazu keine Angaben.

Neben der juristischen Offensive intensiviert Verdi auch die Streiks: Neben Graben (Bayern) wird der Ausstand über diesen Samstag hinaus in Bad Hersfeld, Leipzig und Rheinberg (NRW) verlängert. An vier von acht Standorten in Deutschland solle bis zum 24. Dezember (15.00 Uhr) die Arbeit niedergelegt werden, erklärte die Gewerkschaft.

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Die Paketzustellung der Zukunft

  • Paketzustellung innerhalb eines Wunschzeitraumes

    Bei der Auslieferung der Paketsendungen legen die Kunden vor allem Wert darauf, dass sie zu ihren Alltagsgewohnheiten passt: 37 Prozent der Befragten haben bereits Erfahrungen, ihre Pakete zum Wunschtermin (auch nach Feierabend) nach Hause liefern zu lassen, weitere 40 Prozent würden diese Option gerne nutzen. Die Lieferung zum Wunschtermin ist damit aktuell die erste Wahl der Verbraucher. Viele Versandhändler haben sich diesem Bedürfnis bereits angepasst.


    Quelle: PricewaterhouseCoopers AG (PwC): Die Paketzustellung der Zukunft, November 2014

  • Abholung bei Paketstationen

    Laut PwC nutzt jeder vierte Deutsche heute gelegentlich bis häufig Paketstationen oder Paket-Shops verschiedener Logistikdienstleister als Zustellmöglichkeit. Rund die Hälfte der Deutschen steht dieser Lösung jedoch noch kritisch gegenüber und hat sie bisher nicht genutzt.
    Als wichtigste Eigenschaften einer Paketstation gab eine klare Mehrheit der der Befragten (87 Prozent) an, dass eine Paketstation möglichst einfach und selbsterklärend zu bedienen sein muss. Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Erreichbarkeit: 72 Prozent legen Wert darauf, dass die Station mit dem Auto gut erreichbar ist, 67 Prozent zu Fuß. Außerdem sollen Pakete in allen Größen und von verschiedenen Paketdienstleistern dort gelagert werden können (83 bzw. 80 Prozent der Befragten).

  • Lieferung an den Arbeitsplatz

    Die Lieferung an den Arbeitsplatz ist für viele Arbeitnehmer eine attraktive, da zeitsparende und praktische Option, sasgt die Studie: Knapp jeder zweite Berufstätige (49 Prozent) würde diesen Service gerne nutzen. Bislang lässt sich nur eine kleine Minderheit der Berufstätigen (5 Prozent) Pakete direkt ins Büro liefern. Einen Aufpreis für diesen Service würden aber nur 7 Prozent in Kauf nehmen.

  • Taggleiche Lieferung

    Rund ein Drittel der Deutschen wäre unter bestimmten Voraussetzungen bereit, für eine Lieferung am gleichen Tag (Same Day Delivery) einen Aufpreis von bis zu 12 Euro zu zahlen. Die taggleiche Lieferung kommt für die meisten jedoch nur für bestimmte Anlässe und in Ausnahmefällen in Frage, beispielsweise für Weihnachts- und Geburtstaggeschenke in letzter Minute. Rund zwei Drittel geben an, den Service der Lieferung am selben Tag generell nicht nutzen zu wollen; entweder aus grundsätzlichen Überlegungen oder weil sie eine Gebühr von rund 12 Euro als zu hoch empfinden.

Mit der Klage an den Verwaltungsgerichten schlägt Verdi ein neues Kapitel im Tarifkonflikt mit dem Branchen-Riesen aus den USA auf. „Sonntagsarbeit, das hat erst kürzlich das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, ist allgemein nur in sehr streng geregelten Ausnahmefällen gerechtfertigt, die im Fall Amazon aus unserer Sicht nach dem Arbeitszeitgesetz nicht vorliegen“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Im aktuellen Fall sei die Genehmigung besonders fragwürdig, weil die Politik riskiere, das Neutralitätsgebot zu verletzen. „Staatliche Behörden dürfen nicht einseitig und zugunsten von Amazon in einen Arbeitskampf eingreifen“, sagte Nutzenberger. Durch die Bewilligungen hätten die Länder Hessen und Sachsen für Amazon die Möglichkeit eröffnet, die streikbedingten Verzögerungen bei der Bearbeitung von Bestellungen teilweise wettzumachen.

Verdi Amazon-Mitarbeiter verlängern Streiks

Verdi lässt nicht locker: Der Streik beim Versandriesen Amazon geht auch am Freitag weiter. Und es könnte weitere Proteste geben.

Streikende vor dem Logistikzentrum von Amazon in Koblenz. Quelle: dpa

In Werne (NRW) endet der Streik hingegen nach der Spätschicht am Samstag. Zunächst war geplant gewesen, die Streiks am Samstag an fast allen Standorten vorläufig zu beenden. Für Graben war dagegen bereits bekannt, dass der Ausstand bis Heiligabend dauert. Die jüngste Streikwelle hatte am Montag begonnen. Zusammen mit dem Standort Koblenz waren zeitweise sechs von acht Standorten betroffen.

Am Freitag beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben 2400 Beschäftigte bundesweit an den Streiks, laut Amazon waren es knapp 2000. Verdi-Chef Frank Bsirske sprach den Streikenden am Freitag in Bad Hersfeld seine Unterstützung aus und ermutigte sie: „Mit den Streiks werdet ihr Tarifverträge durchsetzen.“ Amazon, weltweit größter Versandhändler, lehnt diese Tarifgespräche ab.

Die verlängerten Streiks dürften für Amazon nicht überraschend kommen. Eine Verdi-Sprecherin hatte in Berlin gesagt: „Amazon kann sich nie sicher sein, wann und wie lange wir streiken.“ Verdi-Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht forderte am Freitagmorgen in Rheinberg (NRW): „Wir müssen den Druck auf Amazon erhöhen.“ „Die Mitarbeiter sind erbost, dass Amazon den Streik kleinredet. Schon deshalb werden wir nicht nachlassen“, sagte Verdi-Sprecher Thomas Schneider in Leipzig.

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Amazon bekräftigte, dass der Streik auf den reibungslosen Versand der Bestellungen keinen Einfluss habe. Das Unternehmen beschäftigt in der Weihnachtszeit neben knapp 10 000 Mitarbeitern noch mal mehr als 10 000 Aushilfskräfte. Die Gewerkschaft sieht hingegen Hinweise auf gestörte Betriebsabläufe bei Amazon. „Kunden berichten uns von Lieferverzögerungen. Und unsere Leute sehen ja, was an Lieferungen an den Standorten liegenbleibt.“

Die Gewerkschaft will bei Amazon einen Tarifvertrag zu den Konditionen des Einzelhandels durchsetzen. Amazon lehnt das strikt ab. Der US-Konzern sieht sich selbst als Logistiker. Die Bezahlung der Mitarbeiter in den deutschen Versandlagern liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik-Branche üblich sei. Eine Einigung ist nicht in Sicht - Verdi ruft seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf.

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