Viceland: Warum Vice seinen eigenen Fernsehsender startet

Viceland: Warum Vice seinen eigenen Fernsehsender startet

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Journalist und Vice Media-Mitbegründer Shane Smith.

von Peter Steinkirchner

Früher ein kleines Punk-Magazin, heute ein Medien-Imperium: Vice Media aus New York modeln einen Historien-Kanal zum Lifestyle-Sender um.

Als Gerücht geisterte das Vorhaben schon länger durch die Landschaft, jetzt haben die Beteiligten offenbar Nägel mit Köpfen gemacht: Das junge Medienimperium Vice Media aus New York wird neben Online-Plattform, Print-Magazin, Musiklabel und Werbeagentur 2016 auch seinen eigenen Fernsehsender starten. US-Medien berichten, dass sich Vice mit A&E Networks darüber geeinigt habe, den bisherigen Kabelsender H2, einen Geschichtskanal, umzubauen und daraus „Viceland“ zu machen. A&E Networks gehört den US-Medienkonzernen Disney und Hearst.

Viceland soll das Erfolgsrezept des Konzerns, der sich aus einem kanadischen Punk-Magazin zu einem Medienunternehmen mit einer Milliardenbewertung und Hauptsitz in Brooklyn entwickelt hat, ins herkömmliche TV übertragen und sich vor allem auf Lifestyle- und Entertainment-Formate und damit auf Themen wie Musik, Reisen, Sport und Essen konzentrieren. In Deutschland ist Vice sowohl mit seinem Print-Magazin als auch mit zahlreichen Online-Ablegern seit Jahren aktiv; seit diesem Jahr strahlt der TV-Sender RTL2 auch ein Reportagemagazin von Vice aus.

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Ob auf dem neuen Sender Viceland, der womöglich  auch nach Europa kommen soll, auch die schrägen Reportagen aus Kriegs- und Krisengebieten laufen werden, mit denen sich Vice einen Namen gemacht und renommierte TV-Preise gewonnen hat, ist noch nicht bekannt. Als einer der wesentlichen Köpfe des neuen Senders wird Spike Jonze gehandelt; der Musikclip- und Filmregisseur (Drehbuch-Oscar für „Her“) ist Kreativ-Chef von Vice Media.

Erstaunlich ist der Schritt von Vice ins herkömmliche Fernsehen dennoch. Schließlich gilt die Zielgruppe des Unternehmens – vor allem männliche 20- bis 30-kährige Großstadt-Bewohner in aller Welt– nicht eben als typische TV-Klientel. Sie dürfte stattdessen das Gros derjenigen stellen, die Filme und Serien auf Streamingdiensten wie Netflix und Hulu anschauen statt auf Mamas und Papas hergebrachten Lieblingssendern. Vice-Chef und Mitgründer Shane Smith hatte zudem jahrelang das herkömmliche Fernsehen als zu langsam und unfähig kritisiert, junge Leute anzulocken.

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Offenbar trauen sich Smith und seine Truppe zu, den Trend zumindest für ihren geplanten Kanal zu brechen. Für Vice bietet sich damit die Chance, in rund 70 Millionen Haushalten in den USA neue Zuschauer zu erreichen – und damit seinen Werbekunden zusätzliche Reichweiten anzubieten, die das Unternehmen zusammen mit A&E Networks vermarkten will. Tatsächlich hängen die Erwartungen zunächst nicht sehr hoch – mit seinem bisherigen Zuschnitt erreicht H2 zur Primetime laut „New York Times“ im Schnitt gerade mal 354.000 Zuschauer. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 389.000.

Im Zuge des Deals, heißt es, werde A&E Networks seinen Anteil an Vice Media von 10 auf mehr als 15 Prozent erhöhen; Vice erwirbt im Gegenzug einen Anteil von fast 50 Prozent an H2. Unabhängig davon investiert der Medienriese Disney 200 Millionen Dollar in Vice Media. Bereits im Februar sagte A&E Television Networks-Chefin Nancy Dubuc: „Wir wollen von ihnen lernen, denn sie sprechen eine Generation an, von der wir uns schwertun, sie zu erreichen – und damit meine ich die gesamte TV-Industrie.“

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