Villeroy & Boch, Grohe, Duravit: Das Badezimmer-Kartell muss zahlen

Villeroy & Boch, Grohe, Duravit: Das Badezimmer-Kartell muss zahlen

, aktualisiert 26. Januar 2017, 12:40 Uhr
von Maike FreundQuelle:Handelsblatt Online

Wasserhähne, Toiletten, Waschbecken: Jahrelang haben Verbraucher zu viel bezahlt, weil Unternehmen wie Villeroy & Boch und Dornbracht die Preise absprachen. Doch die Firmen bestritten das. Nun hat der EuGH entschieden.

Es klingt wie in einem Hollywood-Film: Vertreter von 17 Badezimmer-Ausstattern trafen sich heimlich in verschiedenen Konstellationen mehr als 250 Mal, über Jahre hinweg. Der Grund: Absprachen der Preise.

Preiserhöhungen, Mindestpreise und Rabatte wurden bei diesen Treffen festgesetzt und vertrauliche Informationen ausgetauscht. Mit bei den geheimen Treffen: die deutschen Unternehmen Villeroy & Boch, Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa und Kludi.

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Diese Treffen und Absprachen hat es tatsächlich gegeben – und zwar von Badezimmer-Ausstattern aus Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden zwischen 1992 und 2004. Zu diesem Schluss kamen die EU-Kommission und das EU-Gericht im Jahr 2013.

Gegen das Urteil und den Vorwurf wehrten sich mehrere Unternehmen. Eine Sprecherin von Villeroy & Boch erklärte damals, die Preisabsprachen habe es nie gegeben. Die Firmen reichten Widerspruch beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein. Doch der EuGH bestätigte am heutigen Donnerstag: Jahrelang haben Verbraucher in Europa viel zu viel für ihre Toiletten, Wasserhähne und Waschbecken bezahlt. Nach diesem Urteil müssen die Unternehmen nun die Bußgelder zahlen.

Die höchsten Kartellstrafen der EU-Kommission

  • 824 Millionen Euro

    Die EU-Kommission bestraft 2013 mehrere Finanzinstitute wegen der Manipulation von Zinssätzen wie dem Libor.

  • 832 Millionen Euro

    Die EU-Kommission bittet 2007 das „Fahrstuhl-Kartell“ zur Kasse. Führende Konzerne hatten sich zwischen 1995 und 2004 den Markt in Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden aufgeteilt und vereinbart, wer einen Auftrag bekommen soll.

  • 953 Millionen Euro

    Sechs Autozulieferer haben jahrelang die Preise für Wälzlager künstlich hochgehalten. Die Strafe wird 2014 verhängt.

  • 1,19 Milliarden Euro

    Europäische Autobauer haben jahrelang zu viel für Windschutzscheiben und andere Teile aus Glas gezahlt. 2008 bestraft die EU-Kommission vier internationale Autoglas-Hersteller wegen illegaler Preisabsprachen.

  • 1,4 Milliarden Euro

    Die EU-Kommission verhängt die bisher höchste Strafe 2012 gegen führende Hersteller von Fernseh- und Computerbildschirmen. Die Unternehmen hatten ein Bildröhren-Kartell gebildet.

2010 nannte der damalige EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia die Machenschaften schon ein „wohlorganisiertes Kartell“, die Kommission verhängte eine 622 Millionen Euro-Strafe. „Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet“, sagte Almunia damals – und empfahl den Geschädigten, die Firmen zu verklagen.

Aufgeflogen war das Kartell durch einen Hinweis der US-Firma Masco, die bis zu diesem Punkt bei den Machenschaften mitmischte. Diese habe „als erstes Unternehmen Informationen über das Kartell vorgelegt“, teilte die Kommission 2010 mit – und erließ den Amerikanern die komplette Strafe. Von den deutschen Unternehmen muss Villeroy & Boch mit 71,5 Millionen Euro die höchste Buße zahlen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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