
WirtschaftsWoche: Herr Joussen, was machen Sie eigentlich samstags um 18.30 Uhr?
Joussen: Ich spiele Fußball.
Während Millionen Fußballfans sich die „Sportschau“ ansehen?
Ich gebe zu: Ich sehe mir die „Sportschau“ nicht an, lieber spiele ich selbst Fußball.
Wann schauen Sie sich die Bundesliga-Spiele an?
Eher selten. Aber unter meinen Mitspielern gibt es Fans, die sich die Spiele vorher live anschauen. Deshalb treffen wir uns ja erst nach dem Abpfiff.
Vodafone ist eines der Unternehmen, das die Ausschreibungsunterlagen für die Versteigerung der Fußballbundesliga-Übertragungsrechte angefordert hat. Gehören Sie auch zu den verbliebenen 15 Unternehmen, die für die Rechte bieten?
Die Fußballrechte sind sicher etwas sehr Spannendes. Aber nach reiflicher Überlegung haben wir vorletzte Woche entschieden, nicht als strategischer Bieter aufzutreten. Das hätte unsere Leichtfüßigkeit und Flexibilität im TV-Geschäft völlig untergraben.
Bild: dpaDie Deutsche Telekom prüft einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge ab dem Geschäftsjahr 2013 eine Kürzung ihrer Dividende. Die Zahlung an die Aktionäre könnte bis zu einem Drittel geringer ausfallen. Für die vielfach leidgeprüften Telekom-Aktionäre wäre das ein neuer herber Rückschlag. Schließlich ist die vergleichsweise hohe Dividende ein der wenigen verbliebenen Argumente, das für die einstige Volksaktie spricht. Die traurige Geschichte der Telekom-Aktien begann nämlich schon kurz nach dem Börsengang des einstigen Staatskonzerns.
Bild: dpaDie Geschichte der Volksaktie Telekom
Ron Sommer, damaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, managte den Börsengang der Telekom. Die Aktie startete am 18. November 1996 im Frankfurter Börsenhandel. Zuvor war die „T-Aktie“ nach einer omnipräsenten Werbekampagne für 28,50 DM (14,57 €) vor allem Privatanlegern angeboten worden und erreichte breite Bevölkerungsschichten – was ihr den Beinamen „Volksaktie“ einbrachte. Durch den Börsengang erlöste die Telekom umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro. Später folgten noch eine zweite und dritte Tranche (28. Juni 1999, Stückpreis 39,50 €, Erlös 10,88 Mrd. € und 19. Juni 2000, Stückpreis 63,50 €, Erlös 15 Mrd. €). Insgesamt sammelte die Telekom durch die Aktienemissionen also mehr als 35 Milliarden Euro von Anlegern ein.
Bild: APDie Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein.
Bild: ReutersIm Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen.

Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
Die T-Aktie war natürlich sofort ein Schwergewicht im Dax. Aber nur in den ersten Monaten entwickelte sich die Volksaktie besser als der deutsche Aktienindex, der bis 2002 ebenfalls in Folge der Dotcom- und Börsenkrise massiv verlor.
Dax-Kursindex = reine Kursperformance des Dax, ohne Dividenden, logarithmische Darstellung, indexiert, Quelle: Bloomberg
Bild: APIm Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel.
Bild: dpaAnfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt.
Bild: ReutersRon Sommer trat am 16. Juli 2002 vom Amt des Vorstandsvorsitzenden zurück. Die Bundesregierung als Hauptaktionärin hatte den Schweizer nach massiven Verlusten der Volksaktie und wegen der hohen Konzernschulden aus dem Amt gedrängt. Nachfolger wurde Kai-Uwe Ricke. Unter seiner Ägide begann das schmerzhafte Sparen. Zehntausende Telekommitarbeiter wurden entlassen oder in Transfergesellschaften ausgegliedert.
Bild: dpaRicke machte Sommers Strategie der vier Säulen rückgängig und begann damit, die Konzerngeschäftsfelder wieder zusammen zu führen. Die Telekom wollte ihren Kunden wieder alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Eine teure Kehrtwende. Nach nicht einmal fünf Jahren kaufte die Telekom die T-Online-Aktien zurück und nahm die Tochter von der Börse.
Bild: APIm November 2005 teilte die Telekom mit, dass in den folgenden drei Jahren erneut 32.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollten. Der Bund verkaufte im April 2006 Teile seines Aktienpakets an den Finanzinvestor Blackstone. Im November 2006 erklärte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke seinen Rücktritt.
Die Deutsche Telekom prüft einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge ab dem Geschäftsjahr 2013 eine Kürzung ihrer Dividende. Die Zahlung an die Aktionäre könnte bis zu einem Drittel geringer ausfallen. Für die vielfach leidgeprüften Telekom-Aktionäre wäre das ein neuer herber Rückschlag. Schließlich ist die vergleichsweise hohe Dividende ein der wenigen verbliebenen Argumente, das für die einstige Volksaktie spricht. Die traurige Geschichte der Telekom-Aktien begann nämlich schon kurz nach dem Börsengang des einstigen Staatskonzerns.
Was heißt das?
Wir haben vor einem Jahr einen Neustart im Fernsehgeschäft begonnen und eine hybride TV-Plattform mit eigener Set-Top-Box entwickelt. Hybrid heißt, dass der Fernsehempfang über verschiedene Verbreitungswege, also Satellit, Kabel oder DSL-Anschluss, möglich ist. Die Box wurde bei uns in Deutschland entwickelt und hat sich deutlich besser verkauft, als wir erwarten konnten. 100.000 Vodafone-Kunden holen bereits hochauflösendes Fernsehen auf diesem Weg in ihr Wohnzimmer. Das ist extrem gut nach so kurzer Zeit.
Hätten Sie mit den Fußballrechten nicht das ideale Zugpferd, um viel schneller Kunden zu gewinnen?
Wir sind nicht vom Fußball abhängig, um auch im TV-Geschäft groß zu werden. Schauen Sie sich den Fußballmarkt genau an. Es gibt gerade einmal drei Millionen Kunden beim Bezahlsender Sky und eine Million Kunden bei Entertain von der Deutschen Telekom. Das macht unter dem Strich vier Millionen Kunden, die bereit sind, für Live-Fußball recht hohe Preise zu bezahlen. Es gibt dagegen weitere 36 Millionen Haushalte in Deutschland, für die Fußball gar nicht so entscheidend ist. Wir werden uns zuerst weiter auf diese Zielgruppe konzentrieren. Wir haben deshalb Verträge mit eigentlich allen großen Hollywood-Studios abgeschlossen.
Es muss ja nicht gleich das teure Live-Recht sein. Es gibt ja auch noch preiswertere Pakete, wie die Übertragung von Clips auf dem Smartphone?
Wir setzen in Deutschland mehr als neun Milliarden Euro um. Deshalb müssen auch neue Dienste großes Potenzial haben. Wir können und wollen keine Boutique betreiben. Nischen sind teuer, sie binden Mitarbeiter, Zeit und Geld. Ganz salopp: Wir sind nicht im Geschäft mit Schnipseln.
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