Von Willie "The Slasher" Walsh lernen: Fünf Lektionen für den Umgang mit Pilotenstreiks

ThemaLuftfahrt

Von Willie "The Slasher" Walsh lernen: Fünf Lektionen für den Umgang mit Pilotenstreiks

, aktualisiert 30. Oktober 2014, 11:37 Uhr
von Rüdiger Kiani-Kreß

Seit Wochen bereiten streikende Piloten europäischen Fluglinien Probleme. Fünf Lektionen für den Arbeitskampf vom britischen Manager Willie Walsh, der Piloten schon mehrmals in die Knie zwang.

Mit den Chefs seiner europäischen Konkurrenten hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr in diesem Jahr vor allem eine Sache gemeinsam: Pilotenstreiks. Ob Air France, Tap aus Portugal, Alitalia oder die isländische Icelandair: Bei ihnen allen haben die Flugzeugführer die Arbeit niedergelegt oder dies zumindest angekündigt, als die Unternehmensführung Gehälter, Pensionen und Freizeit kürzen wollte, um im Wettbewerb mit Billigfliegern oder Fluglinien vom Golf nicht unterzugehen.

Nur eine wirkt in alledem wie ein Hort des Arbeitsfriedens: British Airways. Bei der britischen Fluggesellschaft, deren Abkürzung BA unter Vielfliegern wegen der vielen Arbeitsniederlegungen lange Jahre für „Buche anderswo“ stand, gibt es seit gut vier Jahren keine Arbeitskämpfe mehr.

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Manche nennen ihn "The Slasher", die Fleischeraxt: British-Airways-Übervater Willi Walsh. Quelle: REUTERS

Manche nennen ihn "The Slasher", die Fleischeraxt: British-Airways-Übervater Willi Walsh.

Bild: REUTERS

Das ist das Werk von Willie Walsh, dem Chef des IAG-Konzerns, zu dem neben British Airways auch Iberia und Vueling aus Spanien gehören. Der gebürtige Ire, der am letzten Samstag dieses Monats seinen 53. Geburtstag feierte, hat seit 2001 zunächst als Chef der irischen Aer Lingus, dann von BA und zuletzt als Aufsichtsratschef von Iberia gleich bei drei Fluglinien den Piloten Konzessionen abgerungen und sie bislang von weiteren Streiks abgehalten.

Dabei hat ihm vor allem seine Härte Spitznamen wie „The Slasher“ (zu Deutsch: die Fleischeraxt) eingetragen. Weil BA heute Europas profitabelste Traditionslinie ist, hat Walsh gleichermaßen den Neid anderer Airline-Chefs sowie wie den Respekt seiner Belegschaft geerntet.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Doch so sehr der Manager mit dem billigen Aussehen – und oft dem Auftreten – eines Rugbyspielers in der Öffentlichkeit auch für Härte steht. Der Charme des Metzgers ist nicht das einzige Mittel, mit dem Walsh die Piloten auf Linie brachte. „Willies Vorgehen ist deutlich subtiler, als viele wahrhaben wollen“, sagt John Strickland, sagt John Strickland, einst hochrangiger Manager bei Tochterlinien von BA sowie KLM und heute als selbstständiger Unternehmensberater in London tätig. In Wirklichkeit enthalte Walshs Methode fünf Lektionen, die sich für seine streikgeplagten Konkurrenten zu beherzigen lohnten.

1. Kenne deinen Gegner

Zwar rühmen sich viele Airline-Chefs bester Kontakte zu ihrer Belegschaft. Doch keiner kennt die besondere Psyche der Piloten besser als Walsh. Bevor er nach seinem Master of Business and Administration (MBA) am renommierten Dubliner Trinity College bei Aer Lingus ins Management aufstieg, war er nicht nur Pilot und Gewerkschafter.

Walsh war bereits mit 24 Jahren sogar Verhandlungsführer – „und unser wohl gerissenster und härtester“, erinnert sich respektvoll sein Ex-Kollege Evan Cullen, heute Präsident der irischen Pilotengewerkschaft IALPA. In dieser Zeit sog Walsh auf, wie die Flugzeugführer ticken. Und er lernte, wie Unternehmen besser nicht mit ihren Arbeitnehmervertretern verhandeln: nämlich unehrlich und wankelmütig.

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