Vorstandswechsel: Per Utnegaard wird Bilfinger-Chef

Vorstandswechsel: Per Utnegaard wird Bilfinger-Chef

Großinvestor Cevian bekommt seinen Willen: Per Utnegaard übernimmt den Chefposten bei Bilfinger. Der Norweger muss den Konzern aus der Krise führen – die Geschäftsziele für 2015 hat Bilfinger gerade kassiert.

Chefwechsel bei Bilfinger: Zum 1. Juni übernimmt der Norweger Per H. Utnegaard den Vorstandsvorsitz von Herbert Bodner, wie der Bau- und Dienstleistungskonzern am Donnerstag bekannt gab. Bodner, zuvor Aufsichtsratschef, hatte den Posten im August 2014 nach dem Rücktritt von Roland Koch übergangsweise übernommen. Der 55-jährige Utnegaard wechselt vom Schweizer Dienstleister Swissport nach Mannheim, wo er zuvor acht Jahre lang dem Vorstand vorsaß.

„Wir freuen uns sehr, dass wir Per Utnegaard als Vorstandsvorsitzenden gewinnen konnten“, wird Aufsichtsratschef Eckhard Cordes in der Mitteilung zitiert. „Per Utnegaard ist ein international äußerst erfahrener Manager, der seine Führungsstärke und seinen strategischen Weitblick schon vielfach unter Beweis gestellt hat. Ich bin davon überzeugt, dass er der Richtige ist, um Bilfinger in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“

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Bilfinger im Umbruch Die Agenda des Eckhard Cordes

Die Zahlen sind schlecht, der Börsenkurs eingebrochen und die Dividende fraglich. Eckhard Cordes, der neue starke Mann bei Bilfinger, muss fast den gesamten Vorstand neu besetzen. Gesucht: ein Mann wie Jürgen Klopp.

Bilfinger Aufsichtsratschef Eckhard Cordes Quelle: dpa/Montage

Utnegaard ist hierzulande unbekannt, beherrscht aber den Dienstleistungssektor. Der Flughafenservice – acht Jahre lang sein Thema bei Swissport, der weltgrößte Servicegesellschaft für Flughäfen und Fluggesellschaften – ähnelt jedoch keinem der wichtigen Bilfinger-Geschäftsfelder. Am ehesten gibt es Überschneidungen zum Facility Management. Aber genau da hat Bilfinger kaum Probleme. In Bilfingers Bereiche mit den großen Sorgen hingegen – also Kraftwerks- und Industrieservice – muss sich der Neue wie Roland Koch 2011 erst einmal einarbeiten.

Jahresprognose kassiert

Bereits im Februar war über die Personalie Utnegaard spekuliert worden. Der neue Vorstandschef soll bestellt werden, sobald sich der Kandidat mit seinem gegenwärtigen Arbeitgeber auf einen Zeitpunkt für sein Ausscheiden geeinigt hat, hieß es damals. Utnegaard ist die zweite Vorstands-Personalie bei Bilfinger innerhalb weniger Wochen. Erst Anfang April haben die Mannheimer einen neuen Finanzchef bekommen, den früheren ProSieben-Sat.1-Finanzchef Axel Salzmann.

Auf den neuen CEO und seinen Finanzchef kommen schwierige Aufgaben zu: Nur wenige Stunden vor der Ernennung Utnegaards hatte Bodner nach einem Verlust zum Jahresauftakt seine Prognosen für das laufende Jahr erneut kassiert. Bilfinger werde die für 2015 gesteckten Geschäftsziele für Ergebnis und Leistung nicht erreichen, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Es ist bereits die fünfte Prognosesenkung seit Juni. Um gegenzusteuern, will Bilfinger nun den Sparkurs weiter verschärfen. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel fast zehn Prozent.

Ex-Baukonzern in der Krise Cevian muss Bilfinger neu erfinden

Seit der Gewinnwarnung im Sommer ging es bei Bilfinger drunter und drüber. Die Krise des ehemaligen Baukonzerns ist nun auch die Krise des schwedischen Großaktionärs Cevian – der dringend gegensteuern muss.

Seit der Gewinnwarnung im August ist der Kurs der Bilfinger-Aktie eingebrochen. Quelle: dpa/Montage

Wegen der schlechten Entwicklung des Öl- und Gasgeschäfts in den USA sowie einer sinkenden Nachfrage in der Kraftwerksparte rechnet der Konzern nun mit „erheblichen Rückgängen“ beim operativen Gewinn (bereinigtes Ebita) gegenüber dem Vorjahreswert von 270 Millionen Euro. Bislang hatte Bilfinger einen Anstieg von bis zu fünf Prozent prognostiziert. Das Geschäft mit Projektierung, Bau und Wartung von Kraftwerken und Stromnetzen war im vergangenen Jahr der Hauptgrund für den ersten Konzernverlust seit 1998. Lediglich die Sparte Building & Facility entwickle sich entsprechend der Prognosen, teilte Bilfinger mit.

Im ersten Quartal rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen. Operativ stand ein Verlust von acht Millionen Euro zu Buche nach einem Gewinn von 47 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Leistung erreichte 1,76 Milliarden Euro nach 1,72 Milliarden Euro. In der Kraftwerksparte hätten sich einige Projekte schlechter entwickelt und es habe Unterauslastungen gegeben. Zudem seien deutlich weniger Aufträge im Geschäft mit Kraftwerken hereingekommen.

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Übergangschef Herbert Bodner setzt nun den Rotstift an. In der Kraftwerksparte werde es zu zusätzlichen Sparmaßnahmen und einer grundlegenden Neuausrichtung kommen. Weitere Abschreibungen seien zudem nicht auszuschließen.

Bodner, der seit dem Rücktritt von Roland Koch im August den Konzern übergangsweise führt, hatte bereits einen umfassenden Personalabbau angekündigt. Sobald ein neuer Vorstandschef gefunden sei, werde Bilfinger eine neue Prognose für 2015 herausgeben. Das dürfte dann Anfang Juni der Fall sein.

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