WDR: Weißer Rauch über der Domstadt – Habemus Tom

KommentarWDR: Weißer Rauch über der Domstadt – Habemus Tom

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Tom Buhrow ist neuer WDR-Intendant, aber was wissen wir eigentlich über ihn?

von Peter Steinkirchner

Der „Tagesthemen“-Mann Tom Buhrow ist neuer WDR-Intendant. Er muss nicht nur das Profil der Anstalt schärfen und was für die Stimmung tun, vielmehr muss er sich im Kampf ums Digitale etwas trauen.

Eigentlich schade – da wählt der Rundfunkrat des WDR in einer fast sieben Stunden währenden Prozedur einen neuen Intendanten und schon bevor er seine Wahl überhaupt bekannt gibt, herrscht ein gelindes Gefühl der Enttäuschung. Ob Tom Buhrow, Jan Metzger oder Stefan Kürten – keiner der drei Kandidaten, die es in die Endrunde geschafft hatten, brachte spontan die Massen in Wallung. Ein Nachrichtenmann, der Chef von Radio Bremen und ein Manager der hierzulande  weitgehend unbekannten EBU? So what? Mehr haben die nicht zu bieten? Nun ist es also Tom Buhrow geworden, mit gewaltigem Vorsprung vor den beiden übrigen Kandidaten und mancher im WDR hat jetzt die Hoffnung, dass der „Tagesthemen“-Mann und frühere USA-Korrespondent im Haus zunächst auch etwas für die Stimmung tut. Die, so ist zu hören, soll unter seiner bereits Ende April ausgeschiedenen Vorgängerin Monika Piel wahrlich nicht gut gewesen sein. Also muss er stark nach innen wirken, und dafür sorgen, dass die Riesen-Anstalt mit ihren 4500 festen und gut 15000 freien Mitarbeitern neues Selbstbewusstsein und Zusammenhalt gewinnt.

Neue Fernsehwelt

  • Programmdirektor Google

    Gemeinsam im Kreis der Familie um 20 Uhr die „Tagesschau“ angucken – die Fernsehsender verlieren ihr Privileg, mit einem festen Programmschema den Alltag der Zuschauer zu bestimmen. Der Zuschauer wählt künftig selbst je nach Stimmungslage und Zeitbudget eine geeignete Sendung aus und vertraut darauf, dass Suchmaschinen wie Google ihm aus einer kaum noch überblickenden Zahl von Programmen das Gewünschte herauspicken.

  • Entmachtete Netzbetreiber

    Bisher entschieden die Deutsche Telekom oder Kabel Deutschland, welche TV-Programme sie in ihre Netze einspeisen. Mit der Verbreitung von superschnellen Verbindungen im Festnetz und Mobilfunk lässt sich Fernsehen auch direkt über das Internet übertragen. IT-Dienstleister sorgen mit riesigen Rechnerparks dafür, dass auch große Datenpakete wie Live-Bilder von der Fußball-Bundesliga ohne Ruckeln auf Computer- oder Fernsehschirmen ankommen.

  • Gerätehersteller in Zugzwang

    Bisher zappen die Zuschauer mit der Fernbedienung durch die Programme. Künftig übernehmen Betriebssysteme wie Googles Android und Apples iOS auch das Kommando über den Fernseher. Die auf den Smartphones so populären Apps tauchen auch auf dem Bildschirm auf und führen die bisher strikt getrennten Computer- und TV-Welten zusammen. Statt mit der Fernbedienung steuert der Zuschauer Programme mit seiner Stimme oder durch Körperbewegungen an.

Zugleich muss er dringend daran arbeiten, dem WDR wieder mehr Profil zu geben. Denn wofür steht das öffentlich-rechtliche Riesenunternehmen eigentlich? Was ist das besondere Profil der Anstalt, die nun einmal aus dem und über das wohl heterogenste(n) aller Bundesländer berichtet? Was sind die besonderen Highlights made in Köln etwa im Programm der ARD, abgesehen jetzt mal von den im Übrigen mittlerweile arg inflationär über die Republik verstreuten „Tatorten“ aus Köln, Münster und Dortmund? Ist es eine Sendung wie „Hart aber fair“? Schon nicht schlecht. Aber viel mehr fällt dem Zuschauer kaum auf. Buhrow wird sich aber um noch mehr kümmern müssen als die interne Stimmung und das Programm-Profil. Vieles ist liegengeblieben unter Piel. So steht im Streit um die Tagesschau-App noch immer eine Einigung mit Zeitungsverlegern aus. Was Buhrow darüber denkt? Zwar bewarb er sich um ein öffentliches Amt. Doch in Wahrheit weiß die Öffentlichkeit doch eigentlich von keinem der Kandidaten wirklich, wie er sich zu vielen der Konfliktthemen positioniert, die sein neues Amt in petto hält. Das hätte man schon ganz gern vorher gewusst, es wäre interessant gewesen. Zugute halten muss man dem Rundfunkrat, der nun die Wahl durchzog, immerhin, dass parteipolitischer Einfluss diesmal eher gedämpft daherkam. Wie überhaupt der ganze Prozess schon kurz vor der Langeweile stand.

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Das wäre womöglich anders gelaufen mit Kandidaten, die stärker polarisiert hätten. Öffentlich genannt worden waren Kandidaten wie der ZDF-Chefredakteur Peter Frey – das hätte spannend werden können, gilt der doch als fähiger Manager und Journalist, der sich auch anzuecken traut. Ein ZDF-Mann an der Spitze des größten ARD-Senders? Hätte interessant sein können. Lustig hätte auch ein echtes Experiment werden können – was wäre denn passiert, hätte ein Journalist wie Mathias Müller von Blumencron auf der Liste der möglichen Intendanten gestanden, ein Mann, der weiß, wie Medienwelten heute funktionieren und dem mancher durchaus zugetraut hätte, den WDR aufzumischen.

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