Wechsel zu Roche: Warum Franz die Lufthansa in Krisenzeiten verlässt

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Wechsel zu Roche: Warum Franz die Lufthansa in Krisenzeiten verlässt

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Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz verlässt die Fluggesellschaft zum Ende seines Vertrages und verbessert sein Leben damit in allen Teilen auf einen Schlag

von Rüdiger Kiani-Kreß

Mehr Geld, weniger Stress und näher an Zuhause: Warum Lufthansa-Chef Christoph Franz statt Europas größter Fluglinie lieber den Schweizer Pharmakonzern Roche führt.

In seiner Karriere hat sich der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz oft an Vorbildern orientiert. Vom früheren Lufthansa-Konzernchef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber lernte er die Begeisterung für das Fluggeschäft sowie den bescheidenen Auftritt und von Webers Nachfolger Wolfgang Mayrhuber Wichtiges beim Umgang mit Mitarbeitern oder Begeisterung für die Details im Alltagesgeschäft.

Nun hat sich Franz erstmals an einem Manager von außerhalb der Transportbranche orientiert. Wie Jörg Reinhardt tauscht Franz den Chefsessel eines deutschen Vorzeigeunternehmens mit dem Führungsposten eines Schweizer Pharmariesen. Reinhardt wechselte jüngst von der Leitung der Pharmasparte bei Bayer auf den Job des Verwaltungsratspräsidenten des Pharma-Konzerns Novartis. Und Franz wird spätestens im kommenden Juni in gleicher Funktion bei dessen heimischen Erzrivalen Roche loslegen.

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Potenzielle Nachfolger auf dem Lufthansa-Chefposten

  • Carsten Spohr

    Die meisten Chancen rechnen Beobachter Carsten Spohr aus. Der 46-Jährige gelernte Verkehrspilot hat eine steile Karriere im Lufthansa-Konzern hinter sich: Der frühere Assistent von Lufthansa-Legende Jürgen Weber arbeitete sich über verschiedene Funktionen zur Koordination der Regionaltöchter und dem Airline-Bündnis Star Alliance in die Spitze der Kerngesellschaft Lufthansa Passage empor, die er ab 2004 als Bereichsvorstand führte.
    Bei der Frachttochter Lufthansa Cargo AG lieferte der in Wanne-Eickel geborene Spohr bis zur Finanzkrise blendende Ergebnisse und zog schließlich 2011 gemeinsam mit Franz in den Konzernvorstand ein. Gemeinsam setzten sie das harte Sparprogramm „Score“ durch. Anders als Franz wird dem verbindlicheren Spohr intern stets zugutegehalten, ein „echter“ Lufthanseat zu sein.
    Auch wenn seine Beliebtheit in der Belegschaft während der Sanierung abgenommen haben dürfte, gilt der begeisterte Flieger Spohr als charismatischer Gegenpol zu Franz. Während dessen kühle, analytische Art viele Lufthanseaten verprellte, kann der verheiratete Familienvater Spohr an Bord schon mal schwärmerische Begeisterungsstürme der Flugbegleiterinnen für sich verbuchen.

  • Harry Hohmeister

    Der 49-jährige Niedersachse gilt als enger Vertrauter Franz' und hat Aufsichtsratskreisen zufolge gute Karten für die Nachfolge. Er begann vor fast 30 Jahren seine Karriere bei der Kranich-Fluglinie - mit einer Zwischenstation bei Thomas Cook Airlines. Schon sein Vater hat für die Lufthansa als Mechaniker in Bremen gearbeitet. Derzeit ist Hohmeister Chef der profitablen Tochter Swiss - hier folgte er Franz vor vier Jahren schon einmal nach. Bei Swiss wird ihm bescheinigt, die Gesellschaft gut durch die Krise gebracht zu haben. Sie erwirtschaftete im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel des Konzerngewinns. Im Lufthansa-Vorstand ist der diplomierte Luftverkehrskaufmann daneben noch für Austrian Airlines und Brussels Airline zuständig. Der Vater eines Sohnes fliegt selbst Kleinflugzeuge. Im Juli hat er dem Schweizer Magazin "Bilanz" gesagt, dass er gerne noch mindestens drei Jahre im Amt bleiben wolle. "Wir haben viele Großbaustellen aufgerissen, wir setzen ein Investitionsprogramm um. Wenn sich dann der Chef einfach verabschieden würde, wäre das auch symbolisch gesehen nicht gut."

  • Karl Ulrich Garnadt

    Der Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo wird gerne unterschätzt. Er gilt als ruhiger, zurückhaltender Typ, doch seine Erfahrungen im Konzern sind umfangreich. Der 56-Jährige hat schon in fast allen Bereich gearbeitet: Controlling, Netzwerkmanagement im Fracht- und Passagiergeschäft, Leitung von Drehkreuzen. Garnadt folgte 2011 Spohr an der Spitze von Lufthansa Cargo nach. Der Vater eines Sohnes ist ein Lufthansa-Veteran, der seine Karriere vor 34 Jahren mit einer Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann bei der Fluggesellschaft begonnen hat.

Mit seiner Entscheidung hat Franz zwar seine Kollegen und die ganze Flugbranche überrascht. Denn der gebürtige Frankfurter gilt zu Recht als extrem pflichtbewusster Manager, der keine halben Sachen macht. Schon gar nicht, wenn ein Unternehmen wie seine Lufthansa mitten in einer Grundrenovierung steckt, die quasi die letzte Chance ist, dem wachsenden Druck effizienterer Wettbewerber wie Billigfliegern und Fluglinien vom persischen Golf zu trotzen und der Kranichlinie einen Platz unter den Branchenführern zu sichern.

Zudem ist das aktuelle Effizienzprogramm unter dem Namen Score Franz‘ eigenes Werk, das er mehr als jeder andere selbst gegen massive Widerstände im Unternehmen und auch bei den Kunden erdacht und vorangetrieben hat. Dazu besetzte Franz in den vergangenen anderthalb Jahren den Konzernvorstand in einem steten Ringen mit Aufsichtsrat und dem Rest der Lufthansa-Führung mit Vertrauten wie Personalchefin Bettina Volkens, Finanzchefin Simone Menne und seinem Nachfolger auf dem Chefsessel der Swiss Harry Hohmeister.

Seit am Wochenende wegen der Nachricht über Franz' Wechsel „viele im Unternehmen und der Branche furchtbar vom Stuhl gefallen sind“, wie ein Vertrauter anmerkt, sprießen die Spekulationen. Warum gab Franz trotzdem dem „Wildern des Pharmariesen“ (Financial Times) nach?

Was in jedem Fall keine Rolle spielte, war laut Unternehmenskennern der immer wieder berichtete interne Machtkampf mit seinem Vize Carsten Spohr. Mit dem Leiter des Fluggeschäfts hatte Franz zwar lange und intensive Diskussionen. „Doch beide waren am Ende in der Richtung einig und auf Vorstands- sowie Aufsichtsratssitzungen oder internen Veranstaltungen gab es über Frotzelein hinaus keine Anzeichen für ein Zerwürfnis oder gar eine offene Intrige“, sagt ein hochrangiger Lufthansa-Manager.

Warum der Pflichtmensch Franz dann doch quasi fahnenflüchtig wurde, lag vor allem an der allzu verlockenden Offerte des in Basel ansässigen Unternehmens. „Das Angebot erfüllte praktisch alle Wünsche, die ein Manager wie Franz haben kann“, heißt es im Umfeld der Unternehmen.

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