Weltmeisterschaft 2006: Der Wirbel um die "gekaufte WM" im Überblick

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Weltmeisterschaft 2006: Der Wirbel um die "gekaufte WM" im Überblick

, aktualisiert 18. Oktober 2015, 09:31 Uhr
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Die WM 2006 - ein gekauftes Sommermärchen?

War das Sommermärchen erkauft? Für den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll nach einem unbestätigten Medienbericht Geld aus einer schwarzen Kasse des Bewerbungskomitees geflossen sein.

FIFA-Chef Joseph Blatter hatte 2012 bereits Andeutungen gemacht, dass es bei der Vergabe für die WM 2006 in Deutschland Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Nun sorgt ein „Spiegel“-Bericht über eine schwarze Kasse für neuen Wirbel. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dies weitreichende Folgen vor allem für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach haben. Doch der DFB nennt die Anschuldigungen „haltlos“.

Wie lauten die Anschuldigungen gegen das deutsche Organisationskomitee?

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Konkret geht es um 6,7 Millionen Euro. Diese Summe soll nach unbestätigten Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ der frühere Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus aus seinem Privatvermögen dem Bewerbungskomitee zur Verfügung gestellt haben. Das Geld könnte laut „Spiegel“ eingesetzt worden sein, um die Stimmen von vier asiatischen FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder zu gewinnen. Eineinhalb Jahre vor der WM soll Dreyfus das Geld zurückgefordert und über ein FIFA-Konto auch erhalten haben. Der DFB räumte Ungereimtheiten bei einer Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro ein, bestritt aber, dass es zum Stimmenkauf gekommen sei.

Wofür war das Geld offiziell bestimmt?

Das Geld sollte laut Unterlagen für das Kulturprogramm, insbesondere der Eröffnungsgala, genutzt werden. Die Gala von André Heller fand wegen der Rasenproblematik im Berliner Olympiastadion aber nie statt.

Wie plausibel sind die Anschuldigungen?

Schon 2012 hatte FIFA-Präsident Joseph Blatter Andeutungen über Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe 2012 gemacht. „Gekaufte WM... Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ“, hatte Blatter der Schweizer Boulevardzeitung „SonntagsBlick“ gesagt. Die Empörung in Deutschland war entsprechend groß. Man habe sauber gearbeitet, betonte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Wer waren die entscheidenden Leute im deutschen Organisationskomitee?

Chef und Gesicht der Bewerbung war Franz Beckenbauer, der auf vielen Weltreisen charmant für Deutschland als WM-Gastgeber warb. Als Strippenzieher fungierte hinter den Kulissen der umtriebige Berater Fedor Radmann, der auch eine Zeit lang als Vizepräsident im Organisationskomitee fungierte. Ebenfalls als Vize sowie in der Rolle des Mediendirektors prägte Niersbach das Bild der Bewerbung. Dazu kam Horst R. Schmidt, der als rechte Hand Beckenbauers und als Hirn der deutschen Weltmeisterschaft galt. Nach Radmanns Ausstieg übernahm der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger dessen Posten im Organisationskomitee.

Welche Auswirkungen könnten die Vorwürfe auf die zentralen Personen haben?

Beckenbauer, Zwanziger und Schmidt bekleiden keine wichtigen Sportämter mehr, auch Radmann tritt nicht mehr groß in der Öffentlichkeit auf. So könnte die Angelegenheit insbesondere für Niersbach unangenehme Folgen haben. Der DFB-Boss galt als Kandidat für die wichtigen Ämter bei FIFA und UEFA. Gut möglich, dass die FIFA-Ethikkommission tätig wird. Das Gremium hatte gerade erst Joseph Blatter und UEFA-Chef Michel Platini für 90 Tage suspendiert. Sollten sich die Vorwürfe des „Spiegel“ bestätigen, dürfte es für Niersbach auch beim DFB eng werden.

Was sagen die Verantwortlichen?

Der DFB hat den „Spiegel“-Bericht als haltlos zurückgewiesen, räumt aber Ungereimtheiten bei der Zahlung an die FIFA ein. Die FIFA spricht von „ernsten Anschuldigungen“ und hat den Fall an die Audit- und Compliance-Kommission weitergeleitet.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland energisch bestritten. „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine Schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat“, sagte Niersbach. Es habe auch keinen Stimmenkauf gegeben, versicherte Niersbach in einem Interview auf der Verbandsseite und betonte: „Nochmal: die WM war nicht gekauft.“

FIFA Blatter legt Einspruch gegen Sperre ein

Joseph Blatter gibt nicht auf. Der FIFA-Präsident geht gegen seine 90-Tage-Sperre vor. Seine Anwälte bemängeln das Verfahren der Ethikkommission. Mit Spannung werden auch die nächsten Schritte der UEFA erwartet.

Sepp Blatter geht nun doch gegen die 90-tägige Sperre vor. Quelle: dpa

Auch der damalige Bundesinnenminister Otto Schily wies die Vorwürfe zurück. „Als Mitglied des Organisationskomitees für die Fußball-WM habe ich zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten, die den Verdacht ,schwarzer Kassen' begründen“, sagte der SPD-Politiker, der im Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees saß, der „Bild am Sonntag“. Er habe keine Zweifel an der Erklärung des Präsidiums des Deutschen Fußball-Bundes, das einen mutmaßlichen Kauf entscheidender Stimmen bei der Wahl des WM-Gastgebers heftig bestritten hatte. „Alle Zahlungen des DFB einschließlich der gesamten Buchhaltung wurden seinerzeit von dem damaligen Schatzmeister des DFB, Dr. Theo Zwanziger, sorgfältig geprüft“, sagte Schily. Das gesamte Zahlenwerk sei auch nach WM-Ende nochmals überprüft worden. Sollte es Unklarheiten bei einer Zahlung des DFB an die FIFA geben, liege die Verantwortung dafür bei der FIFA, befand Schily.
Das Management von Beckenbauer war auf dpa-Anfrage zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Wird der Fall juristische Konsequenzen haben?

Damit ist zu rechnen. Der DFB hat Ungereimtheiten bei der Zahlung von 6,7 Millionen Euro eingeräumt. Wird Geld zweckentfremdet, dürfte dies sicher auch die Staatsanwaltschaft interessieren.

Korruptionsvorwürfe FIFA stellt Blatter und Platini ins Abseits

Die gute Nachricht: Der Weltfußballverband ist mal selber aktiv geworden. Die Ethikkommission der FIFA suspendierte heute ihren Präsidenten Sepp Blatter sowie Michel Platini, Chef des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Quelle: AP

Gibt es einen Zusammenhang mit dem FIFA-Korruptionsskandal?

Viele Gerüchte gehen in die Richtung, dass ranghohe Funktionäre kurz vor ihrem eigenen Sturz noch andere mit in den Abgrund reißen. Die vielen Enthüllungen deuten daraufhin. So war auch die Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken von Blatter an UEFA-Chef Michel Platini passend zum Rennen um die FIFA-Präsidentschaft publik geworden.

Hat der drohende Skandal Auswirkungen auf die deutsche EM-Bewerbung 2024?

Bislang galt als sicher, dass Deutschland den EM-Zuschlag 2024 erhält. Dafür hat England im Gegenzug das Finale und die beiden Halbfinals der europaweiten EURO 2020 erhalten. Die EM-Vergabe erfolgt 2017. Die Vorwürfe werfen kein gutes Licht auf die deutsche Bewerbung und könnten, so sie denn bestätigt werden und womöglich weitere Erkenntnisse bringen, für ein Umdenken innerhalb der UEFA-Spitze sorgen.

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