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kolumneWerbesprech: Das erbärmliche Rumgeschummle mit der Stiftung Warentest

Kolumne von Thomas Koch

Deutsche Unternehmen manipulieren die Tests der Stiftung Warentest. Sie haben nichts gelernt. Sie dürfen sich nicht wundern, dass ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in ihre Marken immer weiter sinken. Darauf kann es nur eine Antwort geben.

Verbrauchertests wie die der Stiftung Warentest sind für viele deutsche Verbraucher wichtige Entscheidungsträger in ihrem Kaufverhalten Quelle: dapd
Verbrauchertests wie die der Stiftung Warentest sind für viele deutsche Verbraucher wichtige Entscheidungsträger in ihrem Kaufverhalten Quelle: dapd

Kaum ein Volk ist so versessen auf Testurteile wie die Deutschen. Millionen deutscher Verbraucher kaufen nichts, bevor sie nicht wenigstens einen der unzähligen Verbrauchertests gecheckt haben. Zahlreiche Institute kümmern sich um die Qualität unseres Warensortiments: Fresenius, TÜV, BAM (Bundesanstalt für Materialforschung), ADAC, Öko-Test - und natürlich allen voran die Stiftung Warentest.

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Die Stiftung Warentest, das bekannteste Qualitätssiegel in Deutschland, wurde 1964 gegründet. Sie besitzt einen staatlichen Auftrag und wird mit Steuergeldern gefördert. Ihr Urteil entscheidet über Wohl und Wehe der nehr als 2.500 von ihr geprüften Waren, Marken und Dienstleistungen. Die Testurteile der Stiftung sind über jeden Zweifel erhaben. Klagen gegen ein Testergebnis sind praktisch zwecklos, denn noch nie wurde die Stiftung auf Schadenersetz verurteilt.

Betrug am Verbraucher

Doch mit einem Mal kommen die Berliner Warentester ins Gerede. Weniger jedoch die Tester selbst, als die Hersteller. Angeblich soll es Herstellern von Wasch- und Lebensmitteln gelungen sein, Untersuchungen der Stiftung zu manipulieren, indem die Zusammensetzung der getesteten Produkte verändert wurde. Das Handelsblatt spricht von „dreisten Tricksereien“.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich die Geschäftsleitungssitzung beim Safthersteller vorzustellen. Man hat über „Sachverständige“ erfahren, dass die Stiftung Warentest demnächst einen Saft-Test durchführt. Daraufhin wird beschlossen, die Qualität der eigenen Saft-Marken kurzfristig zu verbessern. Man erhöht einfach den Fruchtsaftanteil, wartet das Testergebnis ab und kehrt anschließend wieder zur ursprünglichen, minderwertigen Qualität zurück.

Das könnte man getrost Betrug nennen. Und er kommt offenbar nicht selten selten vor. Der Leiter der Untersuchungsabteilung, Holger Brackemann, bestätigt, dies sei eine fortlaufende Erfahrung der Stiftung. Die Verbraucherzentralen fordern daher häufig Folgetests, um diesen Schwindel aufzudecken. Sie sprechen davon, dass Unternehmen immer feinfühliger auf öffentliche Kritik reagieren.

Kalziumhaltige Zuckerbomben

Der Hersteller Ehrmann warb für seinen Kinderfrüchtequark "Monsterbacke" mit dem Slogan "So wichtig wie das tägliche Glas Milch!" Die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs hat sich die Werbung vorgeknöpft und für irreführend befunden: Zwar enthalte der speziell für Kinder angebotene Quark so viel Kalzium wie ein Glas Milch, allerdings deutlich mehr Zucker.

Nun hat auch der Bundesgerichtshof entschieden, dass der Slogan für einen Fruchtquark "als gesundheitsbezogene Angabe grundsätzlich nicht zulässig" ist. Das Verbot folge aus der europäischen Verordnung über „nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel“, so die Richter (Az. I ZR 36/11). Nach der Verordnung besteht allerdings die Möglichkeit, den Spruch EU-weit behördlich genehmigen zu lassen, wenn die Aussage in wissenschaftlichen Studien bestätigt wird. Die BGH-Richter legten den Fall noch dem Europäischen Gerichtshof vor, um klären zu lassen, ob die Genehmigungspflicht bereits im Jahr 2010 wirksam war. Eine Irreführung der Verbraucher sieht der BGH in der Aussage hingegen nicht. Den Käufern werde „deutlich gemacht, dass es sich um etwas anderes handelt als um Milch“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bornkamm.

Bild: Screenshot

Die Nerven liegen blank

Man würde wohl eher sagen: In der Industrie liegen die Nerven blank. Die Verbraucher fordern mehr Transparenz. Sie wollen wissen, was sie kaufen, woher die Zutaten stammen und welche Qualität sie für ihr Geld erwerben. Und die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter sorgen heutzutage dafür, dass jede Trickserei und jeder Fehltritt in Windeseile Millionen von Verbrauchern erreicht.

Bekannt ist dieser Qualitätsunterschied auch bei Warenproben. Jede Frau, die eine Warenprobe aus ihrer Zeitschrift testet und dann das Originalprodukt im Drogeriemarkt kauft, hat es schon einmal erlebt: Die Probe hat eine höhere Qualität, das Original enttäuscht. Die Hersteller begründen dies mit der geringen, zulässigen Menge, die eine Probe enthalten darf. Da müsse die Konsistenz verändert werden. Man könnte auch von einer den Abverkauf förderlichen Maßnahme sprechen.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.12.2012, 22:44 Uhrlenny_weber@hotmail.com

    Sehr schön geschrieben!

  • 05.12.2012, 22:39 UhrGerd

    Saftladen
    Die Stiftung Warentest ist nach meiner Erfahrung ein zuverlässiger Kontraindikator. Hauptsache, die Verpackung ist umweltfreundlich, das Produkt selbst ist unwichtig.
    Verschiedene Produkte, die ich erworben habe, wurden von der Stiftung Warentest sehr gut beurteilt, erwiesen sich in der Praxis aber als Schrott. Gleiches gilt für Dienstleistungen. Die Versandapotheke, die mit sehr gut bewertet wurde, war nach meiner Erfahrung die schlechteste von allen, mit denen ich zu tun hatte. Zudem werden in manchen Warengruppen viele Hersteller berücksichtigt, ausgerechnet der Marktführer aber nicht.
    Fazit: Wer eine zuverlässige Kontraindikation sucht, möge sich dort informieren.
    PS: Wenn die Stiftung Warentest interne Vorhaben nicht geheimhalten kann, darf sie sich über Manipulationen nicht beklagen. Dieses Vorgehen ist ausgesprochen dilettantisch, passt aber zu diesem Verein.

  • 05.12.2012, 11:14 Uhrsteuerhilfe.net

    Wenn wundert sowas noch, Manipulation und Korruption ist in der Bananenrepublik Deutschland nicht mehr aufzuhalten.

    Wir sind wie ein drittes Weltland & selbst da ist es manchmal besser.

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