
Cannes: Tummelplatz der Reichen an der Côte d’Azur, berühmt für seine Filmfestspiele - und alljährlich Austragungsort der Cannes Lions, des wichtigsten Werbe-Festivals der Welt. Einen Award für kreative Werbung verliehen zu bekommen, ist der Traum eines jeden Kreativen. Einen Lion in Cannes zu erhalten, ist sein Olymp.
Sieben Tage lang sichteten die Juroren 34.000 Einsendungen aus aller Welt und vergaben bis zum vergangenen Wochenende hunderte Cannes Lions in 15 Kategorien. 9000 „Delegierte“, wie die Besucher aus 90 Ländern der Welt genannt werden, feierten sich und die Löwen-Gewinner in den Luxushotels, Bars und Stränden der Croisette, die eine Juni-Woche lang zum Mekka der Kreativen aufsteigt. Wenn gar Bill Clinton dem Festival die Ehre erweist, dann weiß man, dass man einmal hier gewesen sein muss.
Die deutschen Werber sind mit ihrer Ausbeute in diesem Jahr mehr als zufrieden. Sie erbeuteten 85 der begehrten Löwen, mehr als je zuvor. Lange Zeit galt die deutsche Werbung als dröge, lust- und einfallslos. Inzwischen zählt sie zur kreativen Welt-Elite. Und es sind ausgerechnet die inhabergeführten, deutschen Agenturen Serviceplan und Jung von Matt, die den großen internationalen Namen DDB, Ogilvy und BBDO den Rang ablaufen.
Bild: dpaH&M und die Hautkrebsgefahr
Knackig braun gebrannt räkelt sich Model Isabeli Fontana im Mai 2012 auf dem Plakat des Bekleidungsherstellers H&M. Neidvoll erblasste Kundinnen sollten so zum Bikini-Kauf animiert werden. Für die Kampagne mit der unnatürlich braunen erscheinenden Haut gab es Ärger von Gesundheitsschützern: Sie kritisierten die Werbung als "tödliches Schönheitsideal". Das Unternehmen entschuldigte sich: "Es war nicht unsere Absicht, für ein bestimmtes Ideal zu werben oder zu gefährlichem Handeln anzuregen."
Bild: dpaKnutschen für den Weltfrieden
Mit der Kampagne "Unhate" handelte sich das italienische Modelabel Benetton Ende 2011 Ärger ein. Auf den Plakaten waren nicht nur knutschende Größen aus der Politik zu sehen, wie hier US-Präsident Barack Obama, der seine Lippen auf die von Venezuelas Präsident Hugo Chavez presst. Eines der Plakate zeigte Papst Benedikt XVI. mit dem Imam von Kairo in einen innigen Kuss vertieft. Der Vatikan fand das allerdings nicht witzig. Nach scharfem Protest aus Rom zog Benetton das Bild zurück.
Bild: dpaDie Kanzlerin kann auch sexy
Von wegen Hosenanzug: Im Mai 2009 macht der Unterwäschekonzern Bruno Banani auf sich aufmerksam, indem er Angela Merkel und weitere Spitzenpolitiker wie Guido Westerwelle oder Gregor Gysi in Dessous abbildete. Das Unternehmen warb damals mit der Aktion "Wir geben alles, um die Nachfrage anzukurbeln" um eine Abwrackprämie für Unterwäsche. Merkel und Co. zeigten allerdings wahre Größe und nahmen die kleine Frechheit gelassen hin.
Bild: dpaMagersüchtige schockt Italien
Riesige Werbebanner mit der nackten, magersüchtigen Isabelle Caro schockieren 2007 die Italiener. Star-Fotograf Oliviero Toscani schoss das Bild für eine Anti-Magersucht-Kampagne des Modelables "Nolita". Hilfsgruppen für Magersüchtige reagierten allerdings skeptisch auf die Schock-Aktion. ABA, die italienische Gemeinschaft gegen Anorexie, Bulimie und Fettsucht, äußerte die Befürchtung, dass das Bild Nachahmer auf der Suche nach öffentlicher Aufmerksamkeit finden könnte. Die italienische Werbeaufsicht lässt die Bilder verbieten.
Bild: APSchöner föhnen mit Sixt
Und noch einmal Angela Merkel: Im Mai 2001 wird die CDU-Politikerin auf einem Werbeplakat veräppelt, diesmal durch den Autovermieter Sixt. Bereits damals zeigte Merkel sich lässig: "Ein interessanter Vorschlag für mein Haar-Styling!", kommentierte sie.
Bild: APVivas verpatzter Börsengang
Unglücklich lief die Kampagne, mit der der Musiksender Viva für seinen Börsengang im Juli 2000 warb. Eine junge Frau sitzt aufreizend und gelangweilt mit gespreizten Beinen vor dem Fernseher, der Slogan "Kauf mich" steht fett darüber gedruckt. Das Plakat rief den Deutschen Werberat und die Katholische Kirche auf den Plan. Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und der Beanstandung als "ehrverletzend" durch den Werberat zog Viva das Plakat zurück. Die Aktie lag am Ende des ersten Handelstages unter ihrem Ausgabepreis von 17,14 Euro.
Bild: REUTERSHysterie um Tyra Banks
Im Mai 1996 rollen Helfer in Brüssel H&M-Werbeplakate mit Topmodel Tyra Banks in sexy Posen auf, um sie zu verschenken. Das Unternehmen war dazu verdonnert worden, die Poster zu verschenken, nachdem hysterische Fans damit anfingen, die Glaskästen an Bushaltestellen, in denen die Werbung ausgestellt wurde, in Scherben zu schlagen um an die Bilder heranzukommen.
Bild: REUTERSDas Nipplegate von Perrier
Zoff mit der European Women's Lobby (EWL) handelte sich der französische Mineralwasser-Hersteller Perrier 1996 ein. Stein des Anstoßes: Dieses Plakat von Pin-Up-Mädchen mit Perrier-Flaschenverschlüssen auf den Brüsten. Die EWL drohte mit einem weitreichenden Boykott von Perrier-Produkten, sollte das Unternehmen die "sexistische"Kampagne nicht zurückziehen. Perrier beugte sich dem Protest und ließ die Plakate einstampfen.
Bild: APHIV-Schocker von Benetton
Für einen der bekanntesten Werbeskandale sorgte das Textilunternehmen Benetton. Die Poster eines nackten Gesäßes mit dem Stempel "H.I.V. positive", die 1994 veröffentlicht wurden, wurden in mehreren deutschen Gerichtsurteilen verboten und wieder erlaubt. 1996 versuchte zudem ein Benetton-Händler vor dem Oberlandesgericht Kassel Schadenersatzzahlungen zu erwirken. Der Händler begründete seine Klage damit, die Schockwirkung der Kampagne habe ihm erhebliche Gewinneinbussen bereitet. Das Gericht wies die Forderung aber zurück.
H&M und die Hautkrebsgefahr
Knackig braun gebrannt räkelt sich Model Isabeli Fontana im Mai 2012 auf dem Plakat des Bekleidungsherstellers H&M. Neidvoll erblasste Kundinnen sollten so zum Bikini-Kauf animiert werden. Für die Kampagne mit der unnatürlich braunen erscheinenden Haut gab es Ärger von Gesundheitsschützern: Sie kritisierten die Werbung als "tödliches Schönheitsideal". Das Unternehmen entschuldigte sich: "Es war nicht unsere Absicht, für ein bestimmtes Ideal zu werben oder zu gefährlichem Handeln anzuregen."
Wer einen Cannes Lion mit nach Hause trägt, zählt zur kreativen Weltspitze. Hier werden Trends gemacht. Hier kann das Marketing lernen, wie Marken erfolgreich beworben und Verbraucher im Zeitalter digitaler Medien für Marken begeistert werden. Ein Blick auf einige der herausragenden Gewinner liefert also wertvolle Erkenntnisse für die Praxis.
Hierzu zählt ohne Zweifel der Grand Prix, die allerhöchste Auszeichnung, die in der Kategorie Cyber Lions für Online-Kreativität an die „Curators of Sweden“ vergeben wurde. Schweden hatte als erstes Land seinen offiziellen Twitter-Account @sweden an seine Bevölkerung übergeben und einzelnen Bürgern je eine Woche lang Gelegenheit gegeben, sein Land der Weltöffentlichkeit vorzustellen.
Spektakulär ist der Grand Prix, den Mercedes in der Kategorie Outdoor für sein unsichtbares Auto („Invisible Drive“) gewann. Die Agentur Jung von Matt montierte LEDs und Kameras an einen serienreifen, Hydrogen-angetriebenen B-Klasse „F-CELL“ und ließ das Auto so für die Passanten unsichtbar werden. So unsichtbar, wie es für die Umwelt nicht zu existieren scheint.
Einen Gold Lion holte Mercedes in der Kategorie Print für die Typografie seiner Van-Anzeigen, in denen die Agentur Lukas Lindemann Rosinski die Anordnung der Sitzreihen zu Buchstaben formierte, die dann Worte wie „Family“ oder „Business“ buchstabierten. Die Idee zeigt eindrucksvoll, dass Print als Werbeträger lebt. Nach wie vor behauptet interessanterweise - und allen Unkenrufen zum Trotz - die Print-Kategorie die Spitze der Einsendungen, weit vor Film und Cyber Lions.
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