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kolumne Werbesprech: Die drei dümmsten Reklamefehler

Kolumne von Ralf Schwartz

Fehler machen wir alle. Doch wer diese drei Reklamefehler begeht, erstickt jede Markenpersönlichkeit.

Platz 20: Deutsche Telekom

Der Markenwert des ehemaligen deutschen Staatskonzerns hat im zurückliegenden Jahr um 26,8 Milliarden Dollar eingebüßt und ist um einen Platz nach hinten gefallen. Trotzdem handelt es sich noch immer um die wertvollste deutsche Marke.

Das Marktforschungsunternehmen Millward Brown veröffentlichte erstmals 2006 das Markenranking BrandZ. Die Marktforscher weisen den weltweit wertvollsten 100 Marken monetäre Werte zu. Dabei stützen sie sich auf öffentlich zugängliche Finanzdaten sowie auf Befragungen von Konsumenten. Ihre Datenbank umfasst mehr als zwei Millionen Verbraucher.

Bild: ap

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Missachtet man in der Kommunikation einen einzelnen der folgenden Punkte, mag das noch glimpflich für die Marke ausgehen. Die wahre Brisanz liegt in ihrer Kumulation.

1. Content und Qualität voller Weisheit und Gegenseitigkeit

A. Früher erzählte man in 30 Sekunden eine komplette Kurzgeschichte. Egal, ob es um Tchibos Kaffeeplantagen, 'Isch 'abe gar kein Autoe' oder Claudias Piemont-Kirsche ging. Heute passen in 30 Sekunden nur noch ein 'Neu', eine per Photoshop optisch-optimierte Schauspielerin, die nächste Woche beim nächsten Wettbewerber auftaucht, und ein ebenso digital optimiertes Produktfoto.

B. Früher wollte man bei ARD/ZDF, nicht aber den Privaten werben, weil das Umfeld bei letzteren zu schlecht sei. Heute kreiert man bei Facebook aktiv und freiwillig genau dieses Umfeld und ist auch noch stolz darauf. Heute müssen viele Produkte ohne Werbung auskommen, weil die nun - aus 'Effizienz-Gesichtspunkten' - mitten in der Nacht, versteckt zwischen Sex-Hotlines und C-Movies läuft.

C. Früher kämpfte man monatelang, um ARD/ZDF zu einer hochwertigen Doku über das eigene Unternehmen, die eigene Marke zu bewegen. Heute hat jeder bei YouTube die Möglichkeit, seine eigene Dokumentation über den handwerklich und qualitativ anspruchsvollen Herstellungsprozess des eigenen Produktes auszustrahlen - warum nutzen nur so wenige diesen Kanal?

Gute Kommunikation und spannende Geschichten würden wieder gute Platzierungen verdienen. Über gute Werbung würden die Menschen wieder sprechen und damit zu den Botschaftern ihrer Marke werden. Gute Werbung würde Win-Win-Situationen kreieren. Wie begeistert die Konsumenten wären, nach all den Jahren wieder herausragende Werbung zu sehen. Allein das würde der Marke Einzigartigkeit, Aufmerksamkeit und wertvolle PR bescheren. Was für eine Chance.

2. Storys und Helden voller Selbstbewusstsein und Stolz

A. Früher schuf man Werbe-Ikonen, die berühmter waren als das Produkt selbst. Herr Kaiser, Frau Antje, Tilly, Dr. Best, Klementine, das HB-Männchen. Persönlichkeiten, die Marke und Produkt jahrelang begleiteten. Wo sind sie geblieben? Ihre Reputation verkaufte sogar das Produkt der Zukunft ohne Mühe. Diese Werbehelden waren roter Faden, Anker, Emotion der Marke und ihrer Kommunikation. Man war stolz auf diese Ikonen und ließ sie selbstbewusst vorangehen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.08.2012, 14:00 Uhrralfschwartz

    @AndiDD:
    Im Zweifel verdienen die Fernsehwerber ihr Geld damit, deshalb stellen sie sie nicht infrage. Deshalb kommt das Digitale hier auch nicht so richtig vom Fleck.
    Agenturstrukturen sind auf TV und ein bisschen Print ausgerichtet - aber auf keinen Fall darauf, das Beste für die Marke zu tun.

    Im Extrem müsste man sagen: Werbung ist der Preis, den das Unternehmen für sein suboptimales Produkt zahlen muss.
    Und der Preis ist mittlerweile so hoch, dass ich mich immer wieder wundere, wie akzeptiert diese immense Verschwendung von Geld, Zeit und Human Resources immer noch ist.

  • 01.08.2012, 11:30 UhrAndiDD

    Ich weiß nicht, ob das nicht Rückblicks-Nostalgie ist. Sicher sind Tilly und das HB-Männchen irgendwie kultig. Aber nachdem er zum Tausendsten Mal mit dem gleichen Spot belästigt wurde, hat sich auch der damalige Zuschauer genervt abgewendet.
    Und an besonderes "Markenbewusstsein" beispielsweise in dem Siebzigern kann ich mich beim besten Willen auch nicht erinnern.
    Ich denke, das Problem ist ein Anderes: Wir werden heute im Minutentakt von Werbemist überflutet, so dass der Werbeterror schlicht und einfach beginnt, sich gegen die Verursacher zu richten. Zu glauben, Werbung müsste einfach nur origineller (oder noch penetranter) werden, und es fehle einfach nur der richtige Kick oder Kniff, halte ich für zu kurz gedacht.
    Beispiel Apple: Ein Unternehmen, das nur Mist produziert, den keiner wirklich braucht - und trotzdem (man höre und staune) ohne Werbung auskommt. Jedenfalls habe ich noch keine gesehen.
    Stellt sich die Frage: Wozu ist Werbung überhaupt gut? Genau diese Frage können die Fernsehwerber offensichtlich auch nicht beantworten.

  • 01.08.2012, 09:27 Uhrralfschwartz

    Das ist ja fast schon zynisch, Sillmann.
    Gefällt mir.
    Aber das sind eben die einfachen, heute überall durchkommenden Reflexe.
    Genau diese Teufelskreise sind wieder zu durchbrechen!

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