Werbesprech: Die irrsinnigen Blüten des Datingwahns

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kolumneWerbesprech: Die irrsinnigen Blüten des Datingwahns

Kolumne von Thomas Koch

Online-Dating ist zum neuen deutschen Volkssport aufgestiegen. Dating-Portale und Partner-Börsen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Das Überangebot führt zu einem Marketing-Krieg ungeahnten Ausmaßes und absurd hohen Werbeausgaben. Derweil treibt der lukrative Markt mit der Liebe per Mausklick bizarre Blüten.

Die größten Sorgen bereiten den Deutschen keinesfalls der Euro, die Renten oder gar drohende Arbeitslosigkeit. Es ist der nächste Date. Es hat den Anschein, als sei Internet-Dating das neue Freizeithobby der Deutschen. Der Markt ist riesig: Inzwischen buhlen mehr als 2.000 Online-Dating-Anbieter um die Gunst der Singles.

In den Karteien der Online-Partnervermittlungen, Singlebörsen und Adult-Dating-Portalen finden sich derzeit fast 80 Millionen "Mitgliedschaften", rein rechnerisch also jeder Einwohner der Republik. Tatsächlich aktiv sind immerhin mehr als sieben Millionen Singles monatlich. Das entspricht der Einwohnerzahl der Bundesländer Bremen, Saarland, MeckPomm, Hamburg und Thüringen zusammen.

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Frau mit Netbook Quelle: Peter Atkins - Fotolia.com

Online-Dating entwickelt sich zum Volkssport

Jeder der großen Portale eDarling, Elite-Partner, Friendscout24, Parship, neu.de, flirt-fever und iLove brüstet sich damit, etwa fünf Millionen Mitglieder zu haben und verspricht entweder die große Liebe oder zumindest den perfekten Seitensprung. Inzwischen, so behaupten die Anbieter, entstehen 30 Prozent aller Beziehungen in Europa online. Und die Deutschen, denen man nicht gerade Leidenschaft nachsagt, sind europaweit längst die Spitzenreiter. Internet-Dating bezeichnet der Branchenverband Bitkom sogar als Volkssport. Angeblich hat bereits jeder Zweite der unter 30-Jährigen im vergangenen Jahr ein Dating-Portal genutzt.

Die Ursache für den Boom ist ausgemacht: Seit zwanzig Jahren nimmt die Zahl der Single-Haushalte in Deutschland zu. Den größten Anstieg verzeichnet die Statistik dabei keinesfalls bei den 14- bis29-Jährigen, sondern bei der Altersgruppe der 30- nbis 59-Jährigen. Inzwischen lebt jeder fünfte Deutsche allein, in den Großstädten sogar fast jeder dritte. Der unrühmliche Spitzenreiter unter den Partnerschafts-Verächtern ist, wie sollte es anders sein: die Stadt Hannover.

Da ist es nur logisch, dass sich immer mehr Partnerbörsen um das Leid der liebeshungrigen Singles bemühen. Denn die Liebe per Mausklick ist ein lukratives Geschäft. Der Branchenumsatz hat sich in nur acht Jahren verachtfacht und liegt derzeit bei über 200 Millionen Euro jährlich. Der Preis für eine dreimonatige Mitgliedschaft bei Parship, partnersuche.de oder Elite-Partner liegt immerhin bei der stolzen Summe von 180 Euro.

Wie lukrativ dieses Geschäft wirklich ist, lässt sich erahnen, wenn man den in der Presse seit Wochen kursierenden Gerüchten folgt, wonach die Deutsche Telekom ihre Scout24-Gruppe, zu der auch Friendscout24 gehört, offenbar abstoßen will. Der Verkauf würde angeblich 1,5 Milliarden Euro in die Kassen des Konzerns spülen.

Da sich immer mehr Menschen die Partnersuche oder nur den nächsten Seitensprung viel Geld kosten lassen, hat sich selbst die ehrwürdige Stiftung Warentest des halbseidenen Marktes angenommen und vierzehn Partnervermittlungen und Singlebörsen einem Test unterzogen. Unter der doppeldeutigen Rubrik "Freizeit + Verkehr" vergab sie nur ein einziges Mal ein "gut" an Parship, jedoch an Flirtcafe wegen des laxen Umgangs mit Nutzerdaten auch einmal ein "mangelhaft". Drum prüfe, wer sich ewig bindet...

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