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kolumne Werbesprech: Die neun Sargnägel der Werbung

Kolumne von Ralf Schwartz

Austauschbare, langweilige und stumpfsinnige Werbung ist der Tod jeder Marke. Was für nichts steht, bleibt auch nicht in den Köpfen der Menschen haften. Auch übergroße Brüste helfen für gute Werbung nicht weiter.

2009 starb Herr Kaiser den Markentod. Da wurde die Hamburg-Mannheimer von der Ergo-Versicherung übernommen. Vorher trat die fiktive Werbefigur von 1972 bis 2009 in den Werbespots der Versicherung auf. Laut Wikipedia kannten 2002 "Herrn Kaiser" 86 Prozent der Deutschen. Hamburg-Mannheimer nutzte die Marke auch, um Produkte wie beispielsweise die "Kaiser-Rente" auf den Markt zu bringen.

Bild: dpa

Werbung ist der letzte Strohhalm des generischen Produktes, doch noch ein Fünkchen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die Marke mit Persönlichkeit aufzuladen. Alle sprechen von 'Marken-Persönlichkeit'. Gerade in der Werbung aber scheint sie ein Tabu zu sein. Ohne Charakter versinkt die Werbung jedoch in der Bedeutungslosigkeit. 

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Wenn das Marketing schon nicht das Produkt mit Relevanz und Innovation aufladen darf, so sollte doch zumindest die Marke in der Werbung Individualität, Persönlichkeit und Charakter ausstrahlen.

Die 9 Sargnägel der Werbung

1. Fehlende Individualität

Individualität zusammen mit Relevanz ist der Kern des Ganzen. Klar. Warum aber bewerben dennoch fast alle eben nicht das eigene Produkt, sondern die komplette Branche, den Preis, oder eben trotzig gar nichts? "Wir leben Autos", "Das Auto"? "Geil ist geil"? "Wir lieben es"?

Die Individualität des Produktes gehört formuliert und in der Werbung ausgesprochen.

Dieter Bohlen gegen Lucky Strike

Da hört für den Pop-Titan und DSDS-Erfinder der Spaß auf: Die Zigarettenmarke Lucky Strike wirbt auf ihren Plakaten mit dem Spruch "Schau mal --------Dieter, so ----------schreibt man ------------Bücher". Die Zeile ist durch geschwärzte Wörter unterbrochen und spielt auf Bohlens Buch "Hinter den Kulissen" von 2003 an. Bohlen hatte nach Klagen einiger Prominenter Passagen des Buches schwärzen müssen. Nichtraucher Bohlen geht die Werbung zu weit. Er möchte nicht, ohne gefragt zu werden, mit seinem Namen für die Marke von Tabakgigant British American Tobacco. Dafür zieht Bohlen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der Bundesgerichtshof hält die Plakate nämlich für zulässig, weshalb Bohlen die nächste Instanz anrufen muss. Auch Prinz Ernst August fühlt sich von Lucky Strike missbraucht...

Bild: dpa

2. Fehlender Charakter

Erst Charakter gibt der Individualität Qualität.

a. Erkennbar Stellung beziehen: in drei Dimensionen eine Meinung, ein starkes Rückgrat und den Mut, erstere zu äußern, haben: I. in Gesellschaft, II. Politik (im Sinne alles, was dort draußen passiert, ist Politik) und III. last, but not least Wirtschaft.

b. Eine Meinung haben: eine differenzierte Meinung innerhalb des 'Broader Brand Team' aus Marketing, Management, Agentur zu bilden. Die Persönlichkeit der Marke muss (gerne auch kontrovers) diskutiert werden. "Wenn alle gleich denken, denkt keiner wirklich viel", wie Walter Lippmann sagte. Die Persönlichkeit einer Marke darf ruhig komplex sein - nicht jedoch kompliziert - umso faszinierender wird sie sein. Der Charakter besteht aus der Ehrlichkeit, Zustände zu kritisieren, Lösungen anzubieten, zu handeln. 

3. Fehlende Klarheit

Wer Charakter hat, spricht unbequeme Wahrheiten klar und offen aus. Nein, "Wir leben Autos" oder "Wir bewegen Menschen" ist das Gegenteil einer klaren Aussage.

Nur mit einem extrovertierten Charakter, der sagt, was er denkt, kann sich der Konsument identifizieren. Nur an Ecken und Kanten kann der Konsument hängenbleiben, Gefallen, Vorlieben und Bindung, Loyalität entwickeln.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.10.2012, 13:15 Uhrralfschwartz

    Das mit der Überfrachtung sehe und versteh ich nicht.

    in allen anderen Punkten danach gebe ich Ihnen uneingeschränkt recht. Besser hätte ich es auch nicht auf den Punkt bringen können.
    Und ich spreche ja genau von den Fällen, in denen das Marketing einfach nicht optimal läuft.
    Und ich spreche eben auch nicht - da wiederhole ich mich gerne - von Agenturen, sondern von der Führungsaufgabe des Marketings auch in werblich/kommunikativen Belangen.

  • 24.10.2012, 12:37 Uhrralfschwartz

    Liebe/r NichtDumm, dazu habe ich ad hoc überhaupt kein Bild im Kopf. Hast Du ein Beispiel?

  • 24.10.2012, 12:35 UhrHarry

    Herr Schwarz, haben Sie alle anderen Leser persönlich befragt?
    Sie überfrachten Werbeagenturen mit Aufgaben und Leistungen, die sie dem Namen nach nicht zu erfüllen haben. Werbeagenturen werben - Punkt. Dies können sie gut oder schlecht, ist aber nichts Neues. Eine Werbekampagne ist letztlich nur ein Baustein in einer Kette anderer notwendiger strategischer und operativer Marketingüberlegungen. Werbliche Maßnahmen werden jedoch oft genug überfrachtet und überfordert. Ich erinnere an die aktuellen Fälle Praktiker oder Penny (beides Marken), wo Werbung betrieben wurde, aber strategische Marketingüberlegungen vorrangiger, notwendiger und wichtiger gewesen wären. Dies wurde in beiden Fällen aber erst dann erkannt, als es den Unternehmen wirtschaftlich gesehen "an den Kragen ging".
    Vielleicht werden Sie mit mir gemeinsam feststellen können, dass dort, wo ein gutes Marketing gepflegt wird, auch und immer die Werbung gut funktioniert, auch wenn sie von Ihnen nicht als optimal bezeichnet werden. Da stützen das Image, das Produkt, die Distribution, die Preispolitik und auch die Strategie manchmal eine nicht optimale Werbung einfach souverän ab. Siehe VW.

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