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kolumneWerbesprech: Ein Lob auf tumbe Reklame

Kolumne von Ralf Schwartz

Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn Produkt und Marketing, Medium und Rezipient es nicht mehr sind? Das kann und darf nicht ihre Aufgabe sein.


Nacktshopping

Zwei Kundinnen kaufen im Juni in Süderlügum im Kreis Nordfriesland direkt an der Grenze zu Dänemark Nackt ein. Zur Eröffnung seines neuen Grenz-Supermarktes hatte der Geschäftsinhaber freien Einkauf bis 2.000 DKK (rund 270 Euro) für die ersten 100 Kunden versprochen - allerdings nur, wenn diese nackt einkaufen.

Bild: dpa

Werbung ist tumb - und das hat seinen Grund: Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn Marketing und Produkt einfältig sind? Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn der Rezipient naiv ist? Warum sollte Werbung intelligent sein, wenn das Medium sich töricht zu immer neuen intellektuellen Tiefen herablässt?

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Tumb? Ja, Werbung ist tumb. Wissen.de listet diese Definition:
 

tumb〈Adj.töricht, naiv, einfältig ... und u.a. diese Synonyme:

1. naiv, kindlich, arglos, harmlos, treuherzig, kritiklos, unkritisch, urteilslos, undifferenziert, bieder, schlicht, beschränkt, .., simpel, einfach

2. töricht, tölpelhaft, unklug, .., ungeschickt, schwerfällig;ugs: unbedarft, stieselig, blöde, doof, einfach/schlicht gestrickt

Aber ist das so verkehrt? Ist das nicht ihre hervorragende Aufgabe? Die Trends um sie herum zu assimilieren? Sich chamäleonartig zu wandeln ohne aufzuregen, aufzufallen und zu polarisieren? Die ideale Reflektion ihres gesellschaftlichen Kontextes zu sein? Schlussstein des Brückenbogens zu sein, gespannt vom real-existierenden Produkt zum wahrhaften Konsumenten?

Tumbe Reklame ist nicht mehr und nicht weniger als der vorläufige Höhepunkt kommunikativer Evolution:

Junior Art Director

Werbeagenturen bewegen und verdienen viel Geld, aber auch in der bunten Werbewelt fängt beim Gehalt jeder klein an. Ein 27 Jahre alter Junior Art Director hat ein durchschnittliches Jahresgehalt von 28.967 Euro. Da in der Branche oft nach Leistung gezahlt wird, steigt das Gehalt mit den Dienstjahren. Das ist das Ergebnis einer Erhebung vom Onlineportal www.gehalt.de Ausgewertet wurden über 5.000 Datensätze.

Bild: Fotolia

1. Tumbe Reklame konzentriert sich auf das Wesentliche.

Tumbe Reklame ist nicht blöd (!). Sie trägt immer noch die Intuition kluger Werbung in sich. Kreativ ist, was verkauft; das hat man ihr oft genug gesagt. Nun glaubt sie es selbst. Und was verkauft sich in diesen Zeiten ubiquitären Ramsches besser als der Ramsch?

2. Tumbe Reklame ist wahrhaftig und klar.

Tumbe Reklame kommt ohne Umschweife zum Punkt: Zielgruppe. Produkt. Preis. Packshot. Da wird nicht lange drumherumgeredet. Effizient. Effektiv. Geschichten kann man sich beim Bäcker erzählen. Die Umarmung. Der Kuss. Und Schluss. Das beste Persil aller Zeiten.

3. Tumbe Reklame stellt den Menschen nicht in Frage.

Tumbe Reklame geht dem Konsumvolke nicht mehr inspirierend voran, sondern bestätigt es dort, wo es sich träge hinter dem Ofen lümmelt. In seiner Comfort Zone. Warum auch nicht?

Warum jemanden verunsichern, sein Leben infrage stellen, wenn man ihm doch etwas verkaufen möchte? Ihm muss man schmeicheln, sie muss man umgarnen. Dann klappt es auch mit dem Nachbarn.

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