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kolumneWerbesprech: Endet der Hype um Social Media?

Kolumne von Thomas Koch

Ist mit Social Media alles schon wieder vorbei, bevor es so richtig begonnen hat? Werden wir in fünf Jahren überhaupt noch von Facebook sprechen? Die sozialen Medien werden sich ändern müssen.

Mark Zuckerberg und seine Kommilitonen Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin starten Facebook in ihren Zimmern im Studentenwohnheim der US-Eliteuni Harvard. Das Netzwerk nimmt zunächst nur Studenten auf  - das aber in einem rasenden Tempo: am Ende des Semesters hat Facebook bereits 10.000 Mitglieder in über 30 US-Universitäten.

Texte: Wilfried Eckl-Dorna, Michael Kroker

Foto: AP

Facebook hat bekanntlich über 900 Millionen aktive Nutzer weltweit, davon knapp 24 Millionen in Deutschland. Doch die Nutzung ist erstmals rückläufig, insbesondere im Ursprungsland USA. Verweilten US-Besucher 2010 noch 26 Minuten pro Session auf der Plattform, waren es Ende 2011 nur noch 18 Minuten, ein Drittel weniger. Inside Facebook kommentiert dazu: “In den Jahren, seitdem wir die demografischen Daten beobachten, haben wir noch nie einen solchen Abfall gesehen, daher glauben wir an eine grundlegende Ursache.”

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Nutzungsdauer nimmt überall ab

In Deutschland bringt es Facebook aktuell auf eine Nutzungsdauer von gerade einmal 13 Minuten am Tag. Verglichen mit der täglichen Nutzung des Fernsehens (229 Minuten), Radios (192 Minuten) oder selbst mit Zeitunglesen (23 Minuten), klingt das nicht berauschend. Twitter, Liebling der deutschen Nerds und Journalisten, erreichte zwar erstmals im März 2012 die Vier-Millionen-Besucher-Marke, stagniert jedoch seither auf diesem Niveau. Mit einem steilen Anstieg der Twitter-Nutzerzahlen rechnet indes niemand mehr. Die ehemaligen, deutschen Marktführer unter den sozialen Netzwerken, die VZ-Netzwerke MeinVZ, SchülerVZ und StudiVZ, die zu Hochzeiten fast 14 Millionen Nutzer besaßen, schrumpfen im Jahresvergleich massiv: Sie verlieren fast 80 Prozent ihrer Visits. Wettbewerber wie Wer-kennt-wen, Stayfriends und die ProSiebenSat.1-Tochter Die Lokalisten verlieren ebenfalls verheerende 50 Prozent ihrer Besucher. Das neue Google+, mit großen Vorschusslorbeeren erst im Sommer 2011 eingeführt, startete laut Todd Wasserman von Mashable mit einer Nutzungsdauer von fünf Minuten täglich - und ist inzwischen auf geradezu mikroskopische drei Minuten abgefallen.

User sind gelangweilt bis genervt

Was ist los mit den Social Networks? Platzt die Web 2.0-Blase, bevor sie je Flughöhe erreicht hat? Kehren die Menschen einfach gelangweilt zurück zum „Real Life“? War alles nur ein Sturm im Wasserglas? Es war zu erwarten, dass viele Nutzer von dieser Netzwerke, die nicht mehr als ihren Tagesablauf, ihren derzeitigen Aufenthaltsort, Fotos ihrer Mahlzeiten und süße Tier-Aufnahmen („Katzen-Content“) einstellten - und kaum anderes bei ihren „Freunden“ sahen - auf Dauer genervt die Segel streichen. Und dass diejenigen, die Freude am Austausch mit Menschen, Medien und Unternehmen finden, zwangsläufig irgendwann lernen, mit den für sie richtigen Netzwerken richtig umzugehen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2012, 08:57 UhrViergewinnt

    Ein weiterer Anstieg des passiven Medienkonsums insbesondere TV ist gesellschaftlich sicherlich ungünstiger, als das Lernen des richtigen Umgangs mit digitalen und sozialen Medien. Dauert halt etwas auf Anbieter- und Nachfragerseite.

  • 30.07.2012, 08:51 UhrViergewinnt

    Ist doch schön, wenn Menschen einsehen, daß sie nichts zu sagen haben. Wäre sicherlich wünschenswerter, wenn Sie durch die sozialen Medien einen Veränderungsbedarf erkennen würden, anstatt in Passivität zu verfallen und die Reichweiten von Bauer sucht Frau etc. zu erhöhen.

  • 23.06.2012, 00:48 Uhr@tschmidt773

    Ich glaube, wenn der Hype endet geht’s erst richtig los.
    Wer will auf Dauer schon lesen, wenn jemand nichts zu sagen hat und nur twittert oder postet, weil es cool ist. http://bit.ly/L12mWL

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