ThemaFacebook

kolumneWerbesprech: Endet der Hype um Social Media?

20. Juni 2012
Kolumne von Thomas Koch

Ist mit Social Media alles schon wieder vorbei, bevor es so richtig begonnen hat? Werden wir in fünf Jahren überhaupt noch von Facebook sprechen? Die sozialen Medien werden sich ändern müssen.

Facebook hat bekanntlich über 900 Millionen aktive Nutzer weltweit, davon knapp 24 Millionen in Deutschland. Doch die Nutzung ist erstmals rückläufig, insbesondere im Ursprungsland USA. Verweilten US-Besucher 2010 noch 26 Minuten pro Session auf der Plattform, waren es Ende 2011 nur noch 18 Minuten, ein Drittel weniger. Inside Facebook kommentiert dazu: “In den Jahren, seitdem wir die demografischen Daten beobachten, haben wir noch nie einen solchen Abfall gesehen, daher glauben wir an eine grundlegende Ursache.”

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Nutzungsdauer nimmt überall ab

In Deutschland bringt es Facebook aktuell auf eine Nutzungsdauer von gerade einmal 13 Minuten am Tag. Verglichen mit der täglichen Nutzung des Fernsehens (229 Minuten), Radios (192 Minuten) oder selbst mit Zeitunglesen (23 Minuten), klingt das nicht berauschend. Twitter, Liebling der deutschen Nerds und Journalisten, erreichte zwar erstmals im März 2012 die Vier-Millionen-Besucher-Marke, stagniert jedoch seither auf diesem Niveau. Mit einem steilen Anstieg der Twitter-Nutzerzahlen rechnet indes niemand mehr. Die ehemaligen, deutschen Marktführer unter den sozialen Netzwerken, die VZ-Netzwerke MeinVZ, SchülerVZ und StudiVZ, die zu Hochzeiten fast 14 Millionen Nutzer besaßen, schrumpfen im Jahresvergleich massiv: Sie verlieren fast 80 Prozent ihrer Visits. Wettbewerber wie Wer-kennt-wen, Stayfriends und die ProSiebenSat.1-Tochter Die Lokalisten verlieren ebenfalls verheerende 50 Prozent ihrer Besucher. Das neue Google+, mit großen Vorschusslorbeeren erst im Sommer 2011 eingeführt, startete laut Todd Wasserman von Mashable mit einer Nutzungsdauer von fünf Minuten täglich - und ist inzwischen auf geradezu mikroskopische drei Minuten abgefallen.

User sind gelangweilt bis genervt

Was ist los mit den Social Networks? Platzt die Web 2.0-Blase, bevor sie je Flughöhe erreicht hat? Kehren die Menschen einfach gelangweilt zurück zum „Real Life“? War alles nur ein Sturm im Wasserglas? Es war zu erwarten, dass viele Nutzer von dieser Netzwerke, die nicht mehr als ihren Tagesablauf, ihren derzeitigen Aufenthaltsort, Fotos ihrer Mahlzeiten und süße Tier-Aufnahmen („Katzen-Content“) einstellten - und kaum anderes bei ihren „Freunden“ sahen - auf Dauer genervt die Segel streichen. Und dass diejenigen, die Freude am Austausch mit Menschen, Medien und Unternehmen finden, zwangsläufig irgendwann lernen, mit den für sie richtigen Netzwerken richtig umzugehen.

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Kommentare | 6Alle Kommentare
  • 20.06.2012, 09:15 UhrSkyjellyfetty

    Mich wundert,dass ein wichtiger Grund für die wachsende Zurückhaltung in dem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird,und zwar,dass viele Menschen diesen Plattformen immer mehr mißtrauen.Viele machen sich Gedanken darüber,dass ihre Daten von jemandem gesammelt werden,der so gut wie unkontrollierbar ist und von z.B. Regierungen sehr leicht mißbraucht werden kann.

  • 20.06.2012, 10:08 Uhrdwippern

    Für mich sind verschiedene Faktoren relevant:
    - Konsolidierung - Die Nutzer überlegen, wo sie aktiv sein können und wie lange.
    - Fragmentierung der Nutzung - Smartphones, Tabletts, Notebook, sonstige Rechner - Diese "Multiclient"-Nutzung fragmentierung die Nutzung und macht Analysen der Nutzungsdaten schwerer und ungenauer.
    - Datenschutz - das Dauerfeuer der Datenschützer (zumindest in Deutschland) in Verbindung mit entsprechenden Horrorszenarien, verunsichern die Nutzer.

    Ich bin aber letztlich auch der Meinung des Autors, dass die Art zu kommunizieren und in den Dialog mit Organisationen und Unternehmen zu treten nicht mehr verschwinden wird. Ob es mit FB oder anderen Tools passiert ist dabei zweitrangig.

  • 20.06.2012, 10:28 UhrWahrheit29

    Ich stimme dem Autor 100% zu, Facebook und Co haben ihren Zenith bereits überschritten. Ich bin mal gespannt wie die Aktie sich längerfristig entwickeln wird und wer die Zeche am Ende zahlt.

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