Werbesprech: Piloten zerstören Lufthansa-Mythos

kolumneWerbesprech: Piloten zerstören Lufthansa-Mythos

Kolumne von Thomas Koch

Alle Mitarbeiter müssen ins Marketing eingebunden werden. Denn jeder von ihnen trägt Mitverantwortung für die Marke, ihren Wert und ihre Strahlkraft. Das gilt auch für die Piloten der Lufthansa. Stattdessen demontieren sie einen Marken-Mythos, der über Jahrzehnte aufgebaut wurde.

Eine Airline zu führen ist heutzutage gewiss kein leichter Job. Erst recht nicht, wenn man wie Lufthansa als Premium-Carrier positioniert ist. Die Geschäftskunden achten mehr denn je auf den Preis und wandern ab zu Air Berlin, obwohl die zweitgrößte deutsche Airline keinesfalls immer preiswerter fliegt. Selbst Ryanair buhlt inzwischen um deutsche Geschäftsflieger.

Im Kampf um Privatkunden, die Städtereisen und Verwandtenbesuche buchen, tobt ein Preiskampf, den die teure Lufthansa nur schwer gewinnen kann. Und auf der Langstrecke führt die Kranich-Linie ein aussichtsloses Gefecht gegen subventionierte Airlines aus den Golfstaaten, die unaufhörlich Marktanteile an sich reißen.

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Werbesprech Lufthansa - oder wie man seine Marke zerstört

Wer seine Marke hochwertig positioniert, unterscheidet sich wohltuend - und meist mit Erfolg - von der Übermacht der Billiganbieter. Hier braucht die Lufthansa offenbar dringend Nachhilfe.

Leere Lufthansa-Schalter Quelle: REUTERS

Doch Lufthansa gibt sich nicht geschlagen. Gegen Air Berlin erfand sie Germanwings - als nach wie vor kontrovers diskutierte Zweitmarke. Für die Langstrecke stellte sie jüngst ihr neues „Wings“-Konzept vor. Ob die Strategie der billigen Zweit- und Drittmarken von Erfolg gekrönt sein wird, ist fraglich und kann nur die Zukunft zeigen. Immerhin kann man dem Lufthansa-Management nicht vorwerfen tatenlos zuzusehen, wie sich ihr Kranich langsam aber sicher dem Boden nähert.

Viele Mitarbeiter beobachten diese Entwicklung mit Argusaugen. Aber, so sollte man denken, auch sehr emotional. Schließlich geht es dabei um die Zukunft der eigenen Arbeitsplätze. Ihre Antwort ist jedoch keinesfalls Solidarität und Unterstützung - sondern Streik. In einer der schwierigsten Phasen, die ihr Arbeitgeber bewältigen muss, greifen ausgerechnet die Piloten zum äußersten Rechtsmittel, das ihnen der Gesetzgeber an die Hand gab: Arbeitsniederlegung.

Nun kann es hier nicht angehen, das Streikrecht in Frage zu stellen. Auch nicht zu diskutieren, ob die Bedingungen, unter denen Lufthansa-Piloten arbeiten, als großzügig oder asozial einzustufen sind. Ebenso wenig, ob die mit hohen Bezügen ausgestatteten Lufthansa-Rentner anschließend für Airlines mit höherem Rentenalter weiter fliegen dürften.

Es geht vielmehr um die Frage, ob die Piloten begreifen, wie sehr sie ihren Arbeitgeber - und damit sich selbst und künftigen Kollegen schädigen. Sie sägen am Ast, auf dem sie sitzen.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Den Medien ist der mittlerweile zehnte Piloten-Streik in diesem Jahr kaum mehr als eine nebensächliche Meldung wert. Der Streik ist inzwischen so zur Normalität geworden, dass es eher Nachrichtenwert hätte, wenn Lufthansa über mehrere Tage hinweg ihre Flüge planmäßig durchführen könnte.

Derweil machen sich die Kunden auf und davon. Sie greifen kurzfristig zu allen Alternativen, die sich ihnen bieten: Air Berlin, Deutsche Bahn und Pkw. Selbst treue und höchst profitable Langstreckenflieger buchen bereits vorsorglich ausländische Airlines, weil ihnen die Lufthansa-Verbindungen zu unsicher geworden sind. Die Zuverlässigkeit, seit jeher das Markenzeichen des Marktführers, gerät in ernsthafte Gefahr.

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