Werbesprech: Wehmütige Werber-Weihnacht

kolumneWerbesprech: Wehmütige Werber-Weihnacht

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Ein werblicher Lichtblick zum Advent ist der #heimkommen-Werbespot des Einzelhandelsriesen Edeka.

Foto: Edeka/dpa

Kolumne von Thomas Koch

Pünktlich zu Weihnachten überschlagen sich die negativen Schlagzeilen in der Medien- und Werbebranche: Skandale, Stellenabbau, Streitereien und Defizite. Da sind gute Nachrichten willkommen. Besonders wenn ausgerechnet die Werber Gefühl zeigen und den Deutschen warm wird ums Herz. Eine Kolumne.

Die aktuellen Konsumdaten der GfK verheißen zu Weihnachten nichts Gutes. Nach einer Umfrage der Nürnberger Marktforscher werden die deutschen Verbraucher in diesem Jahr im Schnitt nur 274 Euro für Geschenke ausgeben. Das sind, im Widerspruch zu bislang positiveren Schätzungen, elf Euro weniger als noch im Vorjahr und bedeutet einen Rückgang um vier Prozent. Noch düsterer sieht es für den Handel aus: Hier ermittelte GfK einen Rückgang um fünf Prozent. Der erwartete Handelsumsatz beträgt demnach 14,3 Milliarden Euro, gegenüber dem Vorjahr werden also satte 750 Millionen in den Kassen fehlen.

Die Gründe dafür sind unklar. Es vermischen sich wachsende Sorgen um Konjunktur und Arbeitsplätze mit möglichen Reaktionen auf die Terroranschläge von Paris, die jedoch nach Aussage der GfK in der Erhebung nicht einmal Berücksichtigung fanden. Der GfK-Konsumklimaindex befindet sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Die Markforscher sprechen von einer „latenten Verunsicherung“. So klagten auch die zahlreichen Weihnachtsmärkte in den Innenstädten des Landes zur Eröffnung über einen unerwarteten Rückgang der Besucher.

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„#Heimkommen“-Spot Edeka und der vorgetäuschte Tod

Nach dem fröhlichen „Supergeil“-Tanz polarisiert Edeka nun mit einem Weihnachtsspot: Ein einsamer Mann täuscht seinen Tod vor, damit ihn seine Kinder besuchen. Werber feiern den Spot als „Emotionsbenchmark“.

Quelle: dpa

Das alles sind keine sonderlich guten Vorboten für die Werbeetats des kommenden Jahres. Denn die Unternehmen investieren ungern in Absatzförderung, wenn sie gleichzeitig zusehen müssen, wie ihre Umsätze sinken - zumal die Marketingbudgets meist und zwangsläufig aus dem verdienten Geld des Vorjahres bestritten werden.

Traurige Gesichter unterm Weihnachtbaum

Traurig dreinblicken werden auch die Abermillionen Haushalte, die vom VW-Abgasskandal betroffen sind. Nach Aussage von VW-Fahrern haben sie auch drei Monate nach Veröffentlichung der Betrugsserie keine Post aus Wolfsburg erhalten. Sie wissen nach wie vor nicht, ob sie die großen Verlierer sind, um wie viel Abgasemission und Spritverbrauch höher sind als angenommen, ob und für wen höhere Steuern anfallen und sie am Ende den sicheren Wertverlust ihres PKWs selbst tragen müssen.

Der Konzern bewirbt zwar seine Marken konstant weiter als wäre nichts geschehen, aber die deutlich wichtigere Kommunikation mit seinen loyalen Kunden blendet er offenbar komplett aus. Volkswagen lässt die eigenen Kunden vor Weihnachten sprichwörtlich im Regen stehen.

Millionen weitere Deutsche erwarten eine ebenso traurige Weihnacht. Die Zahl der Unternehmen, die ausgerechnet die Vorweihnachtszeit nutzen, um Stellenstreichungen anzukündigen, könnte länger nicht sein. Darunter befinden sich IBM, Deutsche Börse, Deutsche Bahn, HypoVereinsbank, Bosch, Hewlett-Packard, Deutsche Bank, Continental, Siemens, EnBW, Arewa, Karstadt, Sony, SMA, Talanx und  RWE, um nur einige der prominenten Beispiele zu nennen. Selbst die Bundesagentur für Arbeit kündigt einen Stellenabbau an. Und Volkswagen wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch zu dieser Liste hinzugesellen. Derzeit wird nebulös ein Abbau von Stellen „nicht ausdrücklich ausgeschlossen“.

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