Werner knallhart: Liebe Deutsche Bahn - her mit dem kostenlosen Internet!

kolumneWerner knallhart: Liebe Deutsche Bahn - her mit dem kostenlosen Internet!

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Bis Ende 2014, so verspricht die Deutsche Bahn, soll das gesamte ICE-Kernnetz voll internettauglich sein.

Kolumne von Marcus Werner

Die Deutsche Bahn bastelt an einem Angebot von Online-Inhalten speziell für den ICE. Wozu der ganze altmodische Aufwand? Gebt uns in den Zügen einfach endlich freien Internetempfang!

Neulich besuchte mich ein Freund aus Saarbrücken in Berlin. Und er erzählte von seiner langen Fahrt auf der Autobahn: "Ich bin mitunter etwas gemütlicher gefahren und habe mich da hinter so einen neuen Fernbus gehängt."
"Ach, zum Sprit sparen im Windschatten, ne?"
"Nee, für WLAN. Das Netz aus dem Bus war echt gut."

Der Dialog ist nicht erfunden. Dank des kostenlosen Internets in den Reisebussen haben selbst findige Autofahrer Internet unterwegs. Solange der Mindestabstand stimmt, warum nicht?

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Und bei der Bahn? Da stimmt gar nichts. Vor einigen Wochen im Zug auf meiner abendlichen Rückreise von Köln nach Berlin: Ich sitze in einem der gerade erst kürzlich kernsanierten ICE der zweiten Generation. Es riecht nach Leder und neuem Teppich. Morgens hatte ich mir auf dem Hinweg einen Internet-Hotspot-Zugang gekauft, der 4,95 Euro kostet und 24 Stunden gültig ist. Dennoch hatte ich schon morgens zwischen Berlin und Hannover keinen Internetzugang. Denn zwar funktioniert das WLAN im Zug wunderbar. Nur hat der Zug auf seiner Reise über die grünen Wiesen keinen Kontakt zum Internet. Merke: Steht außen auf einem ICE "Hotspot", dann heißt das noch lange nicht "Internet".

Nun war ich also auf dem Rückweg und schaltete mein iPad an. Noch nicht einmal ein Hotspot! Ich ging zur Zugbegleiterin. Die hatte sich vor einer Horde laut und heiser singender Fußballfans in ihr Dienstabteil verkrochen.

"Entschuldigung. Ich kann den Hotspot hier an Bord nicht finden."
"Kein Wunder. Dieser ICE hat keinen."
"Aber auf der Hinfahrt hatte ich Internet. Und jetzt fahre ich doch einfach in die Gegenrichtung."
"Das mag sein. Aber es sind nicht in allen ICEs Hotspots verfügbar."
"Aber dieser ICE ist doch gerade erst renoviert worden."
"Ja, aber WLAN wurde dabei nicht überall mit eingebaut."
"Was?"
"Tja."
"Also habe ich fünf Euro zum Fenster rausgeschmissen?"
An dieser Stelle war es dann endlich Zeit für den Wahlspruch eines jeden Zugbegleiters: "Tut mir leid, ich kann's nicht ändern." Naja, sie hätte auch sagen können: "Wenn ich Ihnen aufzählen würde, was an diesen nagelneu renovierten ICEs alles nicht funktioniert, fange ich an zu heulen."  Aber sie war ja Vollprofi.

Bahn rüstet ICEs auf Tagesschau, Filme und Spiele im Zug

Die Deutsche Bahn will ihre ICE-Flotte ab 2015 mit einem Unterhaltungsprogramm ausrüsten. Wie im Flugzeug können Fahrgäste dann Filme schauen und weitere Angebote wie Podcasts und Spiele nutzen.

Im ICE soll zukünftig auch die Tagesschau gesendet werden Quelle: obs

Ist das nicht unfassbar? Die Strecke Köln-Berlin gilt laut Bahn als fertig ausgebaute Internet-Trasse. Trotzdem klappt es nicht. Reaktion: Schulterzucken. Man hat den Eindruck, Internet im Zug ist für die Bahn einfach nur lästig. Aber das will die Bahn nicht auf sich sitzen lassen. Und rackert sich an einer Lösung ab. Und wenn das am Ende alles so wird, wie es sich abzeichnet, dann werden noch viele Tränen fließen. Bei Kunden und Personal. Das sage ich Ihnen. Denn:

Das ICE-Portal kommt. Eine Pseudo-Internetwelt mit Information zur Reise, zum gastronomischen Angebot, mit Nachrichten, Spielen, Lesestoff und Podcasts. Alles auf dem eigenen Computer oder Telefon. Kunden dürfen es jetzt schon in ausgewählten Zügen testen. Um sich davon zu überzeugen, dass rein überhaupt nichts zeitgemäß funktioniert. Nichts! Nicht ein Inhalt ließ sich sauber und ohne Probleme aufrufen. Das meiste einfach gar nicht. Da wird für die Kunden ein Testsystem gestartet und der Frustfaktor liegt bei rund 100 Prozent. Soviel zur Einstimmung. Und ob es auch in Zukunft kostenlos sein wird, ist laut Bahn nicht entschieden.

Aber seien wir fair. Es ist ein Test. Und der darf dann auch kolossal scheitern. Das Traurige: Selbst voll funktionsfähig wäre das Angebot ein ziemlicher Flop. Denn das Ganze ist kein World Wide Web, sondern kommt vom zugeigenen Server. Intranet sozusagen.

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