Werner knallhart: Lufthansa-Piloten haben Komplexe

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kolumneWerner knallhart: Lufthansa-Piloten haben Komplexe

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Viel Geld und Ansehen. Früher konnten sich Piloten sicher sein, das zu bekommen und zu bedienen. Heutzutage sind sie die Lokomotivführer der Lüfte

Kolumne von Marcus Werner

Früher galten Lufthansa-Piloten als Könige der Lüfte, heute sprechen sie Streiks mit der Lokführer-Gewerkschaft ab. Der Ruf des Piloten ist verblasst - zurecht.

Man muss sich das mal vorstellen: Die Lufthansa will das Mindestalter für die Frührente ihrer Piloten steigern. Schrittweise. Von 55 auf 60. Im Durchschnitt sollen die Piloten mit 61 Jahren aufhören. Derzeit liegt der Schnitt bei gerade einmal bei knapp 59 Jahren. Arbeiten bis über 60? Das können aus Sicht der Lufthansa-Piloten ja gerne die Weicheier anderer Branchen machen: Krankenpfleger und Kindergärtnerinnen zum Beispiel. Die sind ja bei der Arbeit keiner tödlichen Strahlung aus dem Weltall ausgesetzt.

Dauernd mit Streik zu drohen, kann also nichts schaden. Nicht, dass noch die traumhaften Regelungen aus den goldenen Zeiten der Fliegerei aus der Mitte des verstrichenen Jahrhunderts verschwinden.

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Kaum Ansprüche an Piloten

Ist es ihr überdurchschnittlicher Intellekt, weshalb man den Piloten die Welt zu Füßen legen sollte? Die Lufthansa wirbt im Internet wie folgt um den Pilotennachwuchs:

"Es ist leichter als Sie vermuten! Sie haben Spaß an Mathe, Englisch, Physik auf dem Level der achten bis elften Klasse? Prima. Wir erwarten nicht, dass Sie in diesen Fächern Leistungskurse belegt haben. Ganz gleich, ob es um Raumorientierung, Merkfähigkeit, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeitskapazität, Psychomotorik oder Mehrfacharbeit geht. Sie müssen in allen Bereichen auf einem gut durchschnittlichen Level fit sein." Immerhin: Die Lufthansa setzt auf eine "ausgeprägte emotionale Stabilität".

Mit anderen Worten: Wer weiß, dass "Mayday, Mayday" kein Jauchzer über einen herrlichen Frühlingstag ist, wer sich noch erinnert, dass eine negative Zahl nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeutet, wer sich merken kann, dass man besser keinen Kontakt zum Fußboden haben sollte, wenn man eine Stricknadel in die Steckdose steckt, wer nicht gleich einen Tobsuchtsanfall bekommt, wenn der Kollege beim Zuprosten über dem Atlantik keinen Augenkontakt hält, der kann gerne Pilot werden. Mit einem satten Gehalt. 

Schon ein Ko-Pilot verdient in den ersten Berufsjahren 8500 Euro brutto pro Monat. Ein Lokführer kommt nach 25 Berufsjahren auf rund 3000 Euro Monat plus Zuschlägen.

Eine Friseurlehre dauert drei Jahre - und am Ende winkt der Mindestlohn. Die Pilotenausbildung dauert gut zweieinhalb Jahre. Und da geht vermutlich die meiste Zeit damit drauf, mit sonorer Dandy-Stimme nuschelnde Ansagen zur Wettervorhersage am Ankunftsort zu üben.

Langeweile über den Wolken

Dein Pilot, der gut durchschnittliche Normalo ohne Psychotick und mit extra viel Sitzfleisch, möchte gerne schon mit 55 aufs Altenteil. Liegt es womöglich an der ungewöhnlichen Arbeitsbelastung?

Ein 31-jähriger Ko-Pilot gestand jüngst gegenüber "Spiegel Online" anonym seinen Arbeitsalltag: "Nach dem Start schalten wir in den Vollautomatikmodus und damit, bei gutem Wetter und ruhiger Luft, in die Langeweile. Und wenn wir über dem Atlantik sind, senden wir einmal pro Stunde eine Nachricht. Das war's." Ein durchschnittlicher Teenager sendet heute pro Minute schätzungsweise vier Nachrichten.

Das soll sich bei der Lufthansa verändern

  • Umbau gegen Angriff auf zwei Fronten

    Mit einem ganzen Bündel an Vorhaben will sich die Lufthansa zukunftsfähig machen und sich vor allem gegen die Konkurrenz der europäischen Billigflieger und der mit Staatsgeld gepolsterten Golf-Airlines stemmen. Nach noch nicht einmal drei Monaten im Amt stellte der neue Konzernchef Carsten Spohr am 10. Juli seine Pläne vor. Er setzt demnach auf mehr Billig-Angebote, mehr Luxus und eine effizientere Organisation. Die Pläne im Einzelnen.

  • Mehr Billigflieger (1)

    Die Lufthansa-Tochter Germanwings hat das Konzept mit den günstigen Flügen vorgegeben, nun sollen weitere folgen: Der Konzern plant eine ganze „Wings-Familie“ mit Billig-Marken zu initiieren, wie Vorstandschef Carsten Spohr beschrieb. Für den Europa-Verkehr soll die Tochter-Gesellschaft Eurowings ab kommenden Frühjahr als zweiter konzerneigener Low-Cost-Anbieter neben Germanwings in Aktion treten. Germanwings bietet schon heute außerhalb der Drehkreuze Frankfurt am Main und München günstige europäische Direktflüge an. Die dafür genutzte Flotte soll bis Frühjahr 2015 auf 60 Flugzeuge angewachsen sein. Eurowings soll dann seine Strecken mit bis zu 27 Flugzeugen bedienen.

  • Mehr Billigflieger (2)

    Erstmals will der Konzern außerdem auch auf der Langstrecke mit einer Billig-Marke Passagiere locken. Unklar ist Konzernangaben zufolge noch, ob die Lufthansa diese Plattform alleine oder mit einem Partner-Unternehmen aufbaut. Ab Ende 2015 könnten dann schrittweise bis zu sieben Flugzeuge zu Einsatz kommen. Sie sollen Passagiere zu günstigen Preisen in Städte fliegen, die für die Lufthansa-Marke weniger interessant sind, sowie zu beliebten Touristenorte in Übersee, sogenannten „Warmwasserzielen“, wie Spohr sich ausdrückte.

  • Mehr Luxus

    Der Lufthansa-Marke verordnete die Konzernführung ein größeres Maß an Luxus. Lufthansa wolle die erste Fünf-Sterne-Airline der westlichen Hemisphäre werden, versprach Spohr. Vorgesehen seien dazu unter anderem ein besseres Catering in der Business-Klasse, ein verbesserter Premium-Check-In an den großen Flughäfen in Frankfurt am Main und München und ein persönlicher Service an Bord. Insgesamt plane der Konzern eine groß angelegte Qualitätsoffensive.

  • Mehr Innovationen

    In technischen Angelegenheiten und im Bereich der Digitalisierung will die Lufthansa ganz vorne dabei sein. Deshalb kündigte Spohr an, sich auf Vorstandsebene persönlich um das Thema Innovationen zu kümmern. Bis 2020 sollen insgesamt 500 Millionen Euro in die Zukunftsarbeit fließen. In Berlin will der Konzern außerdem eine „Innovation Hub“-GmbH gründen, „um näher an die Welt der Start-ups und an die digitale Technologieszene heranzurücken“, wie Spohr erklärte. Daneben solle es seinen „Innovationsfonds“ geben, um gute Ideen schneller voranzubringen.

  • Mehr Effizienz

    Was 2012 im Umbauprogramm „Score“ begonnen wurde, soll künftig Alltagsgeschäft bei der Lufthansa werden: Die Idee, kontinuierlich die Profitabilität des Unternehmens zu verbessern, solle über das Ende von „Score“ hinaus „in einen Dauerprozess überführt“ werden, sagte der Lufthansa-Chef. Effizienter soll das Unternehmen den Plänen zufolge auch bei der Entscheidungsfindung werden. „Ich möchte mindestens eine Hierarchieebene herausnehmen“, kündigte Spohr Veränderungen im internen Konzernaufbau an. Ziel sei eine dynamischere und schlankere Organisation der Kranich-Airline.

Während sich in anderen Berufen die Menschen ihre Rücken krumm rackern, scheint das Problem bei den Piloten vor allem der Kampf gegen die Müdigkeit zu sein: "Irgendwann hat man alle Zeitschriften an Bord durch oder ist zu müde zum Weiterlesen. Klar haben wir auf dem Flug Ruhepausen. Aber richtig schlafen kann ich dann nicht, es ist laut, die Luft ist mies." 

Ist das nicht die gleiche Luft und der gleiche Lärm, der den zahlenden Passagieren zugemutet wird? Und zwar bei Lufthansa meist mehr als bei anderen Fluggesellschaften. Und was sollen da erst die Flugbegleiter sagen, die zwischen im Schlaf pupsenden Kunden leergesoffene Bierdosen einsammeln müssen?

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22 Kommentare zu Werner knallhart: Lufthansa-Piloten haben Komplexe

  • Hihi, da hat der Herr Werner aber ganz schöne (Neid)Komplexe gegenüber den Piloten... aber im Ernst: ein bisschen einseitig ist die Kolumne schon. Die Arbeitszeiten-, Abstinenz- und Abwesenheitsproblematik wird vollkommen ausgeblendet, und schließlich: wenn der Pilotenjob so toll ist, dürfte sich die LH vor Bewerbern nicht retten können bzw. müsste es soviele Piloten geben, dass sich ein Streik von vornherein verbietet. Das ist aber wohl nicht so.

  • Das ist kein Journalismus mehr, sondern Hetze gegen einen ganzen Berufsstand.

    Wie können Sie als Journalist die Arbeitsbelastungen im Cockpit beurteilen?
    Wieso erwähnen Sie in Ihrem vollkommen absurden Absatz NICHT, dass sich jedes Jahr tausende von jungen Menschen im besten Alter mit Abitur bei Lufthansa bewerben, anschliessend aber ca. 95 % durch die Einstellungstests fallen? Bei diesen Quoten und dem Potential an jungen Menschen, die wissen, dass man Bodenkontakt haben sollte, wenn man eine Stecknadel in die Steckdose schiebt, kann es dann scheinbar doch nicht so einfach sein?

    So wie Sie hier Ihren Hass präsentieren sollten Sie sich ernsthaft fragen, wo Sie Ihre Verantwortung für die Berichterstattung als Journalist gelassen haben. Jemand der nicht fliegt, wird die Belastungen niemals nachvollziehen können, geschweige denn sich ein Urteil erlauben können über alle Arbeiten, die im Cockpit anfallen. Selbst zur Autopilotenbedienung im Reiseflug gehört mehr, als nur das Drücken einiger Knöpfe.

    Schämen Sie sich, Herr Werner!

  • Ich muss ganz ehrlich zugeben: So langsam gehen mir diese Artikel ziemlich auf den Geist!
    Nach dem Artikel ueber den Doktor-Titel im Personalausweis folgt nun auch noch das grosse Gehetze gegen die Piloten.
    Viele Gedanken scheint sich der Autor dieses Artikels allerdings nicht gemacht zu haben, wenn ich mir diese einseitige Darstellung dieses Berufsstandes so ansehe. Nunja, viel wichtiger war es wohl auch den persoenlichen Neid gegenueber beider Berufsgruppen zum Ausdruck zu bringen.
    Dass Pilot zu sein mehr bedeutet als nur ein paar Knoepfe zu druecken und Zeitschriften zu lesen, sollte eigentlich jedem Bewusst sein und dass es nicht so einfach ist, eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa zu starten, wie es in diesem Artikel dargestellt wird, ist wohl ebenfalls landlaeufig bekannt. Neben Fehlinformationen werden dem, die dem gesamten Thema eine ganz andere Perspektive verleihen koennen.

    Erstklassiger Journalismus!

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