Werner knallhart: Mit DHL per Express zum Magengeschwür

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kolumneWerner knallhart: Mit DHL per Express zum Magengeschwür

Kolumne von Marcus Werner

Fakt 1: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Fakt 2: Bei DHL arbeiten 285.000 Menschen. Noch Fragen? Ja, sagt unser Kolumnist Marcus Werner.

Ich gehöre zu den Kunden, die ihren winzigen Funken an Marktmacht gerne bis zum Exzess ausleben. Oberste Eskalationsstufe: "Dann kaufe ich halt bei der Konkurrenz." Aber wenn man das konsequent durchzieht, dann wird irgendwann das Eis sehr dünne.

Würden Sie auf immer und ewig mit der U-Bahn zum am zweitnächsten gelegenen Supermarkt fahren, nur weil die Kassiererin vom Supermarkt direkt um die Ecke jüngst zu Ihnen sagte: "Jeht 's noch? Ick stornier jar nüscht. Wenn Se hier anna Kasse normale Frosties von Frosties zuckerreduziert unterscheiden könn, denn hätten Se 's ooch schon am Regal jekonnt"?

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Aber am allerschlimmsten ist es ja mit dem Paketdienst. Den beauftragt der Versender, aber ausbaden muss es der Empfänger. Perfides System. Hier empfiehlt es sich, seine Rechte nicht gut zu kennen. Sonst verzweifelt man nur daran, dass man sie nicht gewährt bekommt.

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Paketzusteller können ihre Ware oft nicht zustellen, weil keiner zuhause ist. Quelle: dpa

Vor einiger Zeit erreichte mich eine SMS von DHL. Sinngemäß stand darin, dass DHL mich sehr ehre und dass ich eine Sendung an eine Packstation am Hauptbahnhof erhalten hätte. Für alle, die PIN und PUK für ein Comic-Heft halten oder Filme noch auf DVD gucken: Packstationen, das sind Postämter, die so klein sind, dass da aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen keine Beamten drin arbeiten dürfen. DHL will sich mit diesen Automaten-Filialen die Arbeit leichter machen, nennt es aber scherzhaft Kundenservice.

Also, die SMS. Ich war baff. Denn nun war offenbar der Augenblick gekommen, da ich mitten im Vorweihnachtszeit-Online-Bestell-Trubel endgültig den Überblick verloren hatte. Ich erwartete dieser Tage tatsächlich keine Post. Und nun diese SMS. Die Neugier zerriss mich fast in Fetzen.

An der Packstation angekommen wirbelte ich routiniert das Identifizierungs-Ritual mit Karte und Mobil-PIN herunter. Dann spielte ich wie immer mit mir selber das kleine Spiel namens "Türchen raten". Welche Klappe würde wohl gleich aufspringen? Ich tippte vergnügt auf eine mittelgroße direkt vor meinem rechten Knie, da knallte es links oben ganz am Rand und die Tür flog auf. Mist. Naja. Hihi!

Ich zog erregt das Päckchen hervor und begriff sofort: Schön war das alles nicht.

Nun kann ein hastiger DHL-Heißsporn ja mal ähnlich geschriebene Namen verwechseln. Marcus Werner/Markus Werner. Meine Güte. Wer wäre ich, mir anzumaßen zu behaupten, solch eine Unaufmerksamkeit könnte nicht auch mir einmal passieren - zum Beispiel bei 42 Grad Fieber oder nachdem ich gerade Opfer eines Raubüberfalls geworden war.

Der wahre Adressat auf dem Päckchen hieß aber irgendwie so etwas wie Pinocchio Waalkes oder Adolf-Maria Balboa. Also wirklich ganz anders als ich.

Aber nun war ich schon mal da. Ich öffnete das Päckchen vorsichtig an einer Lasche. Denn vielleicht war es ja doch für mich. Diese Überlegung war natürlich dumm. Und noch schlimmer: Sie kostete entscheidende Sekunden.

Im Päckchen erkannte ich einen PKW-Außenspiegel in metallic-grün. Ich war mir sicher, den hätte ich selbst im blinden Kaufrausch niemals bestellt. Ich habe kein Auto.

Ich stopfte das unheilvolle Paket zurück in das offene Fach und drückte die Klappe ins Schloss. Doch das Schloss schloss nicht. Auch beim zweiten bis fünfundzwanzigsten Versuch rastete es nicht ein.

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