Werner knallhart: Nach Hitze-Unwetter: Die Ruhe der Verzweiflung im ICE

kolumneWerner knallhart: Nach Hitze-Unwetter: Die Ruhe der Verzweiflung im ICE

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Vielfahrer haben gelernt, ihre Ansprüche dem Niveau des DB-Krisenmanagements anzupassen.

Kolumne von Marcus Werner

Im ICE von Berlin nach Köln zeigt sich: Vielfahrer haben gelernt, ihre Ansprüche dem Niveau des DB-Krisenmanagements anzupassen. Nur Anfänger verlieren bei Verspätungen und kaputten Klimaanlagen noch die Nerven.

7 Uhr 30 - Berlin Ostbahnhof. Woran merkt man, dass es nachts Unwetter gab in Deutschland? Die Bahn kommt so verspätet wie immer, aber die ICE sehen so frisch gewaschen aus.

In fünf Minuten soll der ICE nach Köln abfahren. Der Bahnsteig ist voller Passagiere. Denn, so erzählt mir einer, die zwei Fernzüge vorher sind ausgefallen. Im Internet lese ich, dass über das Wochenende wieder etliche ICE und Intercitys ausgefallen sind, weil die Klimaanlagen ausgefallen sind. Zwar wurden die nach dem Hitze-ICE von Bielefeld vor einigen Jahren  aufgerüstet. Aber offenbar nur von nordschwedischen auf dänische Klimabedingungen. Weil es in Deutschland ja niemals über 35 Grad heiß sein kann. Die Bahn verweist darauf, dass die allermeisten Züge gut gekühlt umher fuhren. Halbgut scheint denen auszureichen.

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7 Uhr 42: Weit und breit kein ICE. Einige Menschen blicken routiniert zwischen ihren Armbanduhren und den Anzeigetafeln hin und her. Denn plötzlich wird der ICE nicht mehr auf den elektronischen Tafeln angezeigt. Stattdessen ein RegionalExpress. Weit und breit keine Information zum ICE. Aber warum auch? Kommt der Zug später, hat er Verspätung. Was soll man das extra noch durchsagen? Wir sind hier doch nicht am Flughafen.

7 Uhr 44: Eine Durchsage. Der ICE hat circa 15 Minuten Verspätung. Außerdem entfällt der Halt im Wolfsburg wegen eines Unwetterschadens. Keine Reaktion unter den Fahrgästen. Das wird offensichtlich ein Vielfahrerzug. Kühe gucken auf der Weide auch nicht mehr auf, wenn das zehntausendste Auto vorbei rauscht.

7 Uhr 45: Der RegionalExpress fährt ein. Die aussteigenden Fahrgäste bekommen von der automatischen Ansage die Anschlüsse eingetrichtert. Unter anderem den zum ICE. Der habe heute allerdings etwa 25 Minuten Verspätung. Ach guck.

8 Uhr 05: Ich suche mir einen Platz im noch geschlossenen Bordrestaurant. Der Zug fährt ab. Schräg gegenüber telefoniert ein Mann und erzählt seinem Kollegen verzweifelt, dass er wegen der ganzen ausgefallenen Züge viel zu spät nach Hannover kommen wird. Da kommt ein Zugbegleiter durch und unterbricht den Fahrgast: "Sie dürfen im Bordrestaurant nicht telefonieren." Der Fahrgast nickt kurz freundlich und telefoniert weiter.

Eine Durchsage macht klar: Der Zug wird wegen des Unwetterschadens vor Wolfsburg so derartig weit umgeleitet, dass die Verspätung in Hannover 90 Minuten betragen wird. Davon war drei Minuten vorher im Ostbahnhof nicht die Rede. Überraschung! Erste Passagiere steigen darauf hin bereits in Berlin Hauptbahnhof stumm wieder aus.

Werner knallhart Die Deutsche Bahn ist doch schon jetzt fantastisch

"Die Bundesbahn ist ja gar nicht so schlecht." Wer der Bahn ab und zu eine Chance gibt, der merkt: Zugfahren in Deutschland ist echte Lebensqualität. Einfach mal ein fröhlicher Blick auf die Sonnenseiten der Bahnreise.

Ein ICE der Deutschen Bahn Quelle: dpa

8 Uhr 15: Am Hauptbahnhof wird das Restaurant gerammelt voll. Das ist selten. Aber besser ein teurer Kaffee als in der zweiten Klasse zu stehen. Der ICE befördert jetzt die Passagiere dreier Fernzüge. Die Kellnerin geht durch und entschuldigt sich aufrichtig an jedem Tisch: "Ick bin heute ganz alleine. Das kann etwas dauern." Das tut es auch. Aber man kann ihr nicht böse sein. Erstaunlicherweise ist offenbar das gesamte Frühstückssortiment verfügbar. Crazy!

Kurz darauf spricht ein Fahrgast einen anderen Zugbegleiter vor der ersten Klasse an. Er sei seit 18 Uhr 36 unterwegs, also seit knapp 14 Stunden. Sein Abendzug sei gestern wegen des Unwetters plötzlich wieder nach Berlin zurückgefahren. Nun aber sei die zweite Klasse völlig überfüllt. Ob er nicht ausnahmsweise in der ersten Klasse Platz nehmen könne. Der Schaffner sagt: "Nein, tut mir leid, denn wer weiß, ob überhaupt alle Erste-Klasse-Passagiere Platz finden werden".

Der Passagier klagt daraufhin am Telefon: "Der Mann kennt keine Gnade." So fassungslos klingen nur noch Wenigfahrer. Hier an Bord gelten Regeln!

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