Wettbewerb im Fernverkehr: Es ist Zeit für eine Bus-Maut

KommentarWettbewerb im Fernverkehr: Es ist Zeit für eine Bus-Maut

von Christian Schlesiger

Die Liberalisierung des Fernbus-Marktes fordert ihre ersten Opfer – sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene. Es ist Zeit für die Einführung einer Maut für Fernbusse.

City2City trifft es als erstes. Mitte Oktober stellt die Fernbustochter des britischen Verkehrskonzerns National Express ihren Betrieb ein. Geht es nach City2City, werden bald weitere Opfer folgen: "Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird", hieß es in einer Stellungnahme. Grund für das überraschende Ende: City2City schrieb wegen des Preiskampfes im Fernbusmarkt Millionenverluste.

Anderthalb Jahre nach der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes setzt damit in der Branche die Marktkonsolidierung ein – deutlich früher als erwartet. Doch nicht nur dort - auch auf der Schiene gibt es erste Opfer. Die Fernverkehrszüge des französischen Verkehrskonzerns Transdev, die zwischen Rostock, Berlin und Leipzig unter der Marke Interconnex fahren, könnten bald ebenfalls ganz eingestellt werden.

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Die zuständige Deutschland-Tochter Veolia Verkehr prüft derzeit alle Möglichkeiten. Auch der Hamburg-Köln-Express (HKX) leidet. Die Privatbahn pendelt seit 2012 zwischen Köln und Hamburg. Das Unternehmen will seine Züge künftig als „Nahverkehr“ klassifizieren. Dadurch werden die HKX-Züge auch auf bahn.de gelistet. Lupenreiner Fernverkehr ist HKX damit nicht mehr.

City2City Erster Fernbus-Anbieter gibt auf

Der erste Fernbus-Anbieter gibt auf: Das Frankfurter Unternehmen City2City wird seinen Betrieb in wenigen Wochen einstellen. Wer bereits ein Ticket für eine spätere Fahrt gekauft hat, bekommt es erstattet.

Der erste Fernbusanbieter gibt in einem hartumkämpften Markt auf. Das Frankfurter Unternehmen "City2City" wird seinen Betrieb bereits zum 14.10 einstellen. Quelle: dpa

Das ungestüme Wachstum im Fernbusmarkt fordert damit auch erste, unbedachte Kollateralschäden. Die Eisenbahn-Unternehmen können dem knallharten Preiskampf der Fernbusse wie Meinfernbus, Flixbus, Deinbus und ADAC Postbus kaum etwas entgegen setzen. Die Betriebskosten auf der Schiene sind deutlich höher als auf der Straße. Veolia Verkehr denkt deshalb über die Einstellung des Interconnex nach, weil die Fernbusse zwischen Leipzig und Berlin 16 Mal am Tag fahren – und das teils schon für sieben Euro pro Fahrt. Der Durchschnittspreis eines Interconnex-Tickets lag 2013 bei 16 Euro. Die Zahl der Passagiere sank im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 335.000. Profitabel fuhr der Zug nie.

Die Schonfrist ist vorbei

Es ist daher Zeit für eine Neubewertung des Fernverkehrs. Es war gut, den Fernbussen am Anfang größtmöglichen Freiraum zu gewähren, in dem sie sich austoben können. Und dazu gehörte eben auch, sie von unnötigen Abgaben frei zu halten. Keiner wusste, wie sich der Markt entwickeln würde. Zu hohe Belastungen hätten der jungen Branche von Anfang an jeden Schwung genommen. Fernbusse haben sich dadurch ihre Daseinsberechtigung erarbeitet. Ihre preisgünstigen Tickets haben Familien, Rentner und Studenten, die wenig Geld in der Tasche haben, die Möglichkeit gegeben, durch Deutschland zu reisen

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Doch die Schonfrist ist vorbei. Die Verkehrspolitik behandelt die Wettbewerber im Fernverkehr ungleich. Während Züge Gebühren für die Nutzung der Schienen und Bahnhöfe bezahlen, fahren Fernbusse umsonst über deutsche Autobahnen. So zahlt allein der HKX auf der Strecke von Köln nach Hamburg rund 1400 Euro Schienen-Maut pro Zug. Wenn man davon ausgeht, dass ein Ticket im Schnitt 20 Euro kostet, braucht das Unternehmen allein 70 Leute, damit die Schienen-Maut finanziert ist. Hinzu kommen zusätzliche Ausgaben für Personal, Wartung und Vertrieb.

Es ist daher Zeit für die Einführung einer Bus-Maut. Auch Fernbusse sollten ihren Beitrag leisten, die Kosten für die Abnutzung der Autobahnen anteilig zu übernehmen. Mit den Einnahmen könnte der Bund die Kommunen unterstützen, damit sie vernünftige Busbahnhöfe bauen. Damit wären gleich zwei wichtige Ziele erreicht: faire Wettbewerbsbedingungen und eine bessere Infrastruktur.

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