Wettbewerbs-Ökonom Haucap: "ProSieben-Springer-Fusion ist heute möglich"

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InterviewWettbewerbs-Ökonom Haucap: "ProSieben-Springer-Fusion ist heute möglich"

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Satellitenschüsseln von ProSiebenSat.1: Der Fernsehkonzern hat Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert.

von Sebastian Schaal

Vor zehn Jahren hat das Kartellamt die Fusion von ProSiebenSat.1 und Axel Springer noch verboten. Im Interview erklärt Wettbewerbs-Ökonom Justus Haucap, warum die Voraussetzungen für eine Fusion heute anders sind.

Herr Haucap, vor zehn Jahren hat das Bundeskartellamt einen Zusammenschluss von Axel Springer und ProSiebenSat.1 untersagt, heute unterhalten sich beide Unternehmen wieder über eine Fusion. Ist die Zustimmung für einen Zusammenschluss jetzt wahrscheinlicher?
Justus Haucap: Die Digitalisierung hat die Medienbranche in den vergangenen zehn Jahren erheblich verändert. Das gilt für Printmedien noch stärker als im TV-Geschäft, aber auch hier sind mit Amazon, Netflix oder Youtube neue Konkurrenten hinzugekommen.

Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Quelle: PR

Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Bild: PR

Entscheidend ist aber, dass der Werbemarkt heute ein anderer ist als vor zehn Jahren. Damals hat Online-Werbung keine entscheidende Rolle gespielt, inzwischen ist Google dank Online-Werbung ein großer Player geworden. Bereits 2006 wurde das Verbot in Fachkreisen kritisch gesehen. Da die Ausgangslage inzwischen eine andere ist, müsste eine mögliche Fusion neu geprüft und bewertet werden. Die Entscheidung könnte durchaus anders ausfallen.

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Zur Person

  • Justus Haucap

    Der promovierte Volkswirt leitet seit 2009 Das Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE). Von 2006 bis 2014 war er Mitglied der Monopolkommission, seit 2015 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Arbeitskreises für Regulierungsfragen (WAR) bei der Bundesnetzagentur.

Beide Unternehmen haben stark in die digitalen Geschäfte investiert, Axel Springer ist mit N24 auch im TV-Bereich aktiv. Was wären die Baustellen bei einer Fusion?
Die Frage ist, wie der Werbemarkt beurteilt wird: Sind Online- und Offline-Werbung Substitute oder nicht? Vor zehn Jahren hat das Kartellamt zudem TV- und Print-Werbung in überregionalen Medien gleichrangig bewertet. Es ist entscheidend, welche Meinung das Kartellamt heute vertritt.

Medienbranche Springer und ProSieben sprechen über Fusion

Die deutschen Medienkonzerne Axel Springer und Prosiebensat.1 verhandeln über eine Fusion. Käme ein solcher Deal zustande, würde ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 14 Milliarden Euro entstehen.

Quelle: dpa

Die Digital-Projekte halte ich für kein Hindernis. Die Marktmacht von ProSiebenSat.1 reicht bei Online-Medien nicht aus, um einen entscheidenden Einfluss auf die ganze Branche oder den Werbemarkt zu haben.

Braucht Deutschland einen zweiten Medien-Großkonzern in der Größenordnung von Bertelsmann?
Die Aktionäre der Unternehmen haben sicher ein größeres Interesse an dem Zusammenschluss als die Gesellschaft. Für die deutsche Medienlandschaft wäre eine Fusion verkraftbar. Ich erwarte keine Verwerfungen auf dem Medienmarkt in einer Größenordnung, die ein Verbot rechtfertigen würden.

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