Willy Brandt Airport: Willkommen bei Europas Pannenflughäfen

Willy Brandt Airport: Willkommen bei Europas Pannenflughäfen

von Rüdiger Kiani-Kreß und Max Haerder

Zahlreiche Desaster haben die Flughafenprojekte der vergangenen Jahren heimgesucht wie biblische Plagen. Auch in Berlin ist das milliardenteure Prestigeprojekt zur Spottnummer geworden - weil das Management die sieben Todsünden beim Bau eines Airports begangen hat.

Der Rahmen war zwar ungemütlich und zugig, doch die Stimmung gut, als Rainer Schwarz am vergangenen Montagnachmittag Hartmut Mehdorn auf der Baustelle des neuen Berliner Flughafens Willy Brandt traf. Als Chef der Berliner Flughäfen überreichte Schwarz dem Air-Berlin-Vorstandschef symbolisch den Schlüssel für den Hangar, in dem Deutschlands zweitgrößte Fluglinie in der Hauptstadt künftig ihre Flugzeuge warten will.

Die Laune kippte jedoch bald. Denn der Airport-Boss eilte vom Hangar direkt in eine Krisensitzung, wo er sich von seinen Bauleitern anhören musste, dass es wegen Pannen beim Brandschutz keine Chance gebe, den gut 2,5 Milliarden Euro teuren Hauptstadt-Airport wie geplant am 3. Juni zu eröffnen. So entschied der 55-Jährige resigniert: „Dann schieben wir eben auf.“ Damit blamierte der Flughafen nicht nur die für Pannen bekannte deutsche Hauptstadt, sondern ganz Deutschland „Wir belehren alle in der Welt, wie es richtig ist, und dann kriegen wir es nicht mal hin, dass der Feuerlöscher an der richtigen Stelle ist“, urteilte FDP-Politiker Rainer Brüderle.

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Europas Pannenflughäfen

Damit reiht sich Berlin ein in eine ganze Reihe der Desaster, die Flughafenprojekte in den vergangenen Jahren heimsuchten wie biblische Plagen: 2008 war es das neue Terminal 5 am Londoner Flughafen Heathrow, das wochenlang am Rande des Kollaps rangierte – mit Tausenden gestrandeten Passagieren und Zigtausend verlorenen Koffern. Nicht anders erging es 1995 dem neuen Flughafen im amerikanischen Denver, 1998 den frisch eingeweihten Airports in Kuala Lumpur und Hongkong, 2004 in Athen oder 2008 in Bangkok.

Aus der Nähe hat jedes Eröffnungschaos eigene Ursachen: in Denver die Gepäcksortieranlage, in Bangkok Pfusch am Bau, in Athen und Hongkong die fehlerhafte IT, in Heathrow die falsche Personalplanung und jetzt, in Berlin, der Brandschutz. Doch mit etwas Distanz ist allen Projekten eines gemeinsam: Beinahe unheimlich lassen sich die Pleiten auf die immer gleichen sieben Todsünden zurückführen, die schon das Alte Testament auflistete.

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