WM-Korruptionsvorwürfe: "Zwanziger muss Farbe bekennen"

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InterviewWM-Korruptionsvorwürfe: "Zwanziger muss Farbe bekennen"

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Was weiß der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger?

von Jürgen Salz

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger muss endlich für Aufklärung bei der umstrittenen WM-Vergabe sorgen, fordert die Korruptions-Expertin Sylvia Schenk von Transparency International.

Frau Schenk, wie sieht die Anti-Korruptions-Organisation Transparency die dubiosen Vorgänge um die Vergabe der WM 2006?
Sylvia Schenk: Bereits seit 2003 ist klar, dass Deutschland die WM 2006 nicht nur aufgrund des Charmes von Franz Beckenbauer bekommen hat. Es gab ja auch Freundschaftsspiele des FC Bayern von geringem sportlichem Wert – in Ländern, deren Funktionäre über die Vergabe der WM 2006 zu entscheiden hatten.
Würden Sie im aktuellen Fall von Korruption sprechen?
Ich will nicht über Schmiergeld spekulieren, das ist alles noch nicht wirklich schlüssig.

Was muss denn passieren, damit mehr Licht ins Dunkel kommt?

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Vor allem muss der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger Farbe bekennen. Zwanziger war laut Spiegel 2005 bei dem Gespräch mit Ex-Adidas-Chef Dreyfus dabei, der damals die Rückzahlung seines Darlehens über 6,7 Millionen Euro verlangt hat – das hat Zwanziger nicht bestritten. Er hat demnach dann auch die Überweisung mit unterschrieben.

Die frühere Leichtathletin Sylvia Schenk leitet bei Transparency International die Arbeitsgruppe Sport. Quelle: dpa

Die frühere Leichtathletin Sylvia Schenk leitet bei Transparency International die Arbeitsgruppe Sport.

Bild: dpa

Zwanziger ist Jurist. Er hat die Kollegien vom Bewerbungskomitee bestimmt gefragt, wofür das Geld verwendet worden ist. Falls er dabei erfahren hat, dass das Geld zum Stimmenkauf verwendet wurde, hätte Zwanziger das damals öffentlich machen müssen. Und falls er damals eine harmlose Antwort bekommen hat, wäre Zwanziger jetzt in der Pflicht, das offenzulegen.

Herr Zwanziger ist bislang zurückhaltend und erklärt, er könne die Dinge nur aus dem Gedächtnis zusammenfassen, weil er keinen Aktenzugriff mehr hat. Ist das glaubwürdig?

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ihm die Antwort auf eine so wichtige Frage entfallen ist.
Reichen denn die bisherigen Maßnahmen zur Aufklärung?

Der Spiegel schreibt, dass sich neben der Geldüberweisung eine Notiz in der Handschrift von Wolfgang Niersbach findet, der seinerzeit im Bewerbungskomitee saß und heute den DFB führt. Die Formulierung ‚in der Handschrift Niersbachs‘ ist ja sehr vorsichtig. Der Spiegel sollte das Dokument zur Verfügung stellen. Im Zweifel muss dann ein Graphologe klären, von wem die Notiz stammt.

DFB-Skandal Staatsanwaltschaft Frankfurt prüft Ermittlungen

In der Affäre um mögliche Korruption bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 prüft die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach Informationen der WirtschaftsWoche die Einleitung von Ermittlungen.

WM 2006: DFB räumt Ungereimtheiten um Zahlung an FIFA ein Quelle: dpa

Heißt das, der Spiegel ist über das Ziel hinausgeschossen?

Er hätte womöglich noch weiterrecherchieren und mit der Veröffentlichung noch warten sollen.

Ist es überhaupt denkbar, dass ein Land den Zuschlag für eine WM erhält, ohne dass Schmiergelder gezahlt werden? Die künftigen Turniere in Russland und Katar stehen ebenso unter Korruptionsverdacht wie die Weltmeisterschaften in Frankreich 1998 und in Südafrika 2010.

Zur WM in Brasilien gab es meines Wissens bislang keine Korruptionsvorwürfe. Grundsätzlich ist zumindest nicht auszuschließen, dass es eine WM ohne Stimmenkauf gibt.

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Und warum kommen die Vorwürfe gerade jetzt hoch?

Das hängt natürlich mit dem Zerfall der Fifa zusammen. Da werden jetzt alte Rechnungen beglichen. Es ist Wahlkampf um das Präsidentenamt – da geht es einigen Herren darum, einen deutschen oder einen europäischen Kandidaten zu verhindern. Oder auch nur die deutsche Position zu schwächen.

Sie meinen, dass Sepp Blatter Niersbach an der Spitze des europäischen Fußballverbandes Uefa oder in der Fifa verhindern will?

Ich habe keine Namen genannt. Und Blatter hat derzeit andere Sorgen.

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