Zuverlässig und sicher: Unbekannte Tourismusgroßmacht Deutschland

Zuverlässig und sicher: Unbekannte Tourismusgroßmacht Deutschland

von Rüdiger Kiani-Kreß

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Bundesrepublik gehört nicht nur in Sachen Maschinenbau oder Autos zu den Weltbesten, sondern auch in der Ferienbranche.

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Deutschland hat zwar nicht das reizvollste Klima, macht sich bei Touristen aber wegen der guten Verkehrsanbindung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten beliebt.

Wirtschaftsfachleute wundern sich gelegentlich, warum seit Dienstag der wichtigste Termin der weltweiten Tourismusbranche in Form der ITB wie seit Jahrzehnten in Berlin steigt. Schließlich gibt es -  auch wenn die deutsche Hauptstadt dieser Tage ungewohnt sonnig ist - zum Winterende sicher eine Menge anderer Orte, die ein reizvolleres Wetter bieten und mehr Lust auf Urlaub. Dazu spielt die Reiseindustrie hierzulande eher eine Nischenrolle hinter Exportbranchen wie Maschinenbau oder Auto.

Die Antwort gibt unter anderem eine aktuelle Studie des World Economic Forum (WEF) zusammen mit der internationalen Unternehmensberatung Booz & Company. Laut dem Tourismus-Ranking, dass die Partner gerade eben zum fünften Mal vorgestellt haben, hat Deutschland zwar nicht das reizvollste Klima, aber den nach der Schweiz besten und wettbewerbsfähigsten Reisesektor.

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Gute Infrastruktur, angemessene Preise

Dabei zählen – zum Glück für die Reiseunternehmen zwischen Flensburg und Garmisch nicht beeindruckende Landschaft, Traumstrände oder gar Sonnensicherheit, sondern wirtschaftliche Rahmenbedingungen wie Sicherheit, gute Infrastruktur, angemessene Preise und Umweltschutz für eine intakte Natur. Dazu achteten die Forscher in diesem Jahr besonders darauf, wie gut sich die Hotels und andere Betriebe auf Veränderungen durch Krisen oder langfristige Trends wie mehr Nachhaltigkeit einstellen können. „Das wird für Tourismusziele immer wichtiger“, begründet dies Jürgen Ringbeck, Senior Partner bei Booz und Hauptautor der Studie.

 Land

Rang im Jahr...

 Veränderungen

2013

2011

2009

2008

2008-2013

Schweiz

1

1

1

1

0

Deutschland

2

2

3

3

1

Österreich

3

4

4

10

7

Spanien

4

8

2

2

-2

Großbritannien

5

7

7

8

3

USA

6

6

8

7

1

Frankreich

7

3

11

6

-1

Kanada

8

9

6

5

-3

Schweden

9

5

5

9

0

Singapur

10

10

10

16

6

Den Spitzenrang verdankt Deutschlands Reisebranche laut der Studie - neben dem reichen kulturellen Angebot und den günstigen Preisen im Einzelhandel für Städtetouristen - den gleichen Tugenden wie den Exportvorreitern Auto und Maschinenbau: Zuverlässigkeit und Sicherheit. So sind etwa Flughäfen und Sehenswürdigkeiten zuverlässig zu erreichen und die Kriminalität ist niedrig. 

Die Rolle des Tourismus ist dabei für kleine Länder besonders wichtig, gerade wenn sie wirtschaftliche Probleme haben. „Ein stabiler Tourismussektor kann der entscheidende Faktor sein, wirtschaftliche Krisen zu überwinden, sagt Studienautor Ringbeck. Für das beste Beispiel hält er Spanien.

In den Zeiten des Booms sorgte sich das Land kaum um die Reisebranche, weil die Wirtschaft vor allem dank des Immobilienbooms auch so lief. Darum fiel Spanien in der Rangliste von 2008 bis 2011 vom zweiten auf achten Rang zurück. Als aber seit Beginn des Jahrzehnts die Reisenden aus dem Ausland wegblieben, weil ihnen Spanien zu teurer geworden war und in der Krise Reisende aus dem Inland vermehrt zu Hause blieben, passte sich die Branche an. Nun ist sie aus Sicht der Studie immerhin wieder Rang auf Rang vier. 

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Das tragische Gegenteil ist Ägypten. Nachdem das Image bereits zuvor unter Terroranschlägen gelitten hatte, litt die Branche im Land der Pyramiden nun unter den Unruhen des Arabischen Frühlings. Die Wettbewerbsfähigkeit sackte in der Studie erneut um zehn Plätze auf Rang 75.

Der gute Rang Deutschlands ist freilich kein Grund zum Ausruhen, glaubt Experte Ringbeck. „Der Wettbewerb wird zu nehmen.“ So ist Abstand zwischen den Medaillen-Rängen der Studie und den hinteren Plätzen geschrumpft. Denn viele Staaten wie die Vereinigten Arabische Emirate und Qatar stecken Milliarden in Flughäfen, Hotels und Verkehrswege, wogegen Deutschland Straßen und Bahnstrecken weniger stark ausbaut als es der Bedarf erfordert.

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