
Wer erinnert sich nicht mit einem Schmunzeln an den Namen Karl Theodor "Xerox" zu Guttenberg? In Onlineforen hatten Internetnutzer den ehemaligen Verteidigungsminister so bezeichnet, weil er große Teile seine Doktorarbeit abgekupfert hat.
Xerox - der Name des berühmten Druckerkonzerns - gilt weltweit als Synonym fürs Kopieren.
Im Unternehmen fand man die scherzhafte Bezeichnung von zu Guttenberg weniger witzig. Nicht nur, weil Xerox plötzlich mit einem unrühmlichen Vorfall in Verbindung gebracht wurde; viel schlimmer wog die Tatsache, dass die Firma in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor vor allem fürs Drucken und Kopieren steht.
"Manche Leute glauben immer noch, Xerox sei ein US-amerikanischer Kopiergerätehersteller - mehr nicht", beklagt Armando Zagalo de Lima, verantwortlich für den weltweiten Vertrieb und Kundenservice bei Xerox. "Wir bieten heute aber ein viel umfassenderes Portfolio an Produkten und Dienstleistungen." Gerade mit diesen Lösungen will Xerox nun stärker in Europa expandieren.
So hat der Konzern im Jahr 2010 unter Führung von Vorstandschefin Ursula Burns das Unternehmen Affiliated Computer Services (ACS) übernommen. Kerngeschäft der US-Firma ist das Outsourcing von Geschäftsprozessen und Informationstechnologie. "Das Ausdrucken einer Rechnung oder einer Fahrkarte steht meist am Ende eines langen Prozesses", erklärt ACS-Vorstandschef Lynn Blodgett. "Wir von ACS bieten den Unternehmen an, das Management dieser vorgelagerten Prozesse zu übernehmen."
Das Unternehmen will kein reiner Serviceanbieter werden
Ein Beispiel: Bei einem Busunternehmen kümmert sich ACS um das Ausstellen der Tickets und die dazugehörige Infrastruktur. Das Unternehmen selbst kann sich somit auf sein Kerngeschäft konzentrieren, in dem Fall auf den Transport. ACS bietet diese Outsourcing-Services in den Bereichen Datenverarbeitung, Personalmanagement und Finanzwesen an. Das Geschäft läuft gut. Blodgett sagt: "Seit der Übernahme profitieren wir vom Markennamen, den Kundenbeziehungen und der Technologie von Xerox."
Vor allem in Europa ist der Name ACS aber bisher weitgehend unbekannt. Das soll sich ändern. "Momentan macht ACS 90 Prozent des Geschäfts in den USA", sagt Blodgett. "Unser Ziel ist es, zukünftig nur noch 40 Prozent des Umsatzes im Heimatmarkt zu erzielen. Mindestens 40 Prozent wollen wir in Europa erwirtschaften, den Rest in weiteren Ländern weltweit." Einen Zeitplan für die Pläne will Blodgett allerdings nicht nennen.
Gleichwohl ist Xerox-Manager Zagalo de Lima überzeugt, dass sich der Umsatz des Unternehmens signifikant steigern lässt, wenn ACS in Europa genauso erfolgreich wird wie in den USA. ACS hat im Jahr 2009, vor der Übernahme durch Xerox, Umsätze von 6,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Xerox-Konzern kam 2010 auf einen Umsatz von gut 22 Milliarden Dollar.
Ein reiner Serviceanbieter will das Unternehmen aber nicht werden. Produkte und Lösungen rund um das Drucken und Kopieren sollen ebenfalls ein wichtiges Standbein bleiben. "Im Gegensatz zum IT-Konzern HP, der sein klassisches PC-Geschäft abspalten will, werden wir unser Herz behalten", betont Zagalo de Lima. Bislang hat sich Xerox mit sogenannten Managed Printed Services (MPS), also der Überwachung und Steuerung von Druckprozessen, vor allem auf das Geschäft mit Großkonzernen konzentriert. Nun will das Unternehmen vermehrt mittelständische Kunden gewinnen - wie beispielsweise den Haushaltsgerätehersteller Leifheit.
























