Dienstleistungen: Das Geschäft mit Abstellflächen boomt

Dienstleistungen: Das Geschäft mit Abstellflächen boomt

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Lager

Das Geschäft mit der Vermietung von Abstellflächen boomt – wichtigster Kunde ist der total flexible Mensch.

Für Frank Voßen ist es Routine. Der Chef des Bonner Reisebüros Wildberry Tours verkauft Trips in die Mongolei, aber auch Jurten-Zelte, die er importiert. Deshalb steht Voßen heute wieder vor einer elektrischen Schiebetür und tippt einen achtstelligen Zugangskode in ein Terminal ein. Die Tür öffnet sich, Voßen fährt mit seinem Lieferwagen vor eine Box, in der die Zelte liegen, die er heute an seine Kunden ausliefern muss.

27 Quadratmeter misst das Minilager in der Bonner Nordstadt, das Voßen angemietet hat. Das Gebäude gehört dem US-Unternehmen Shurgard. Das bietet Privatleuten und Unternehmen Lagerflächen, die sie nach Bedarf mieten können und dafür einen entsprechenden Betrag entrichten müssen. „Je rascher meine Zelte an die Kunden gehen, desto schneller kann ich die angemietete Fläche reduzieren“, sagt Voßen.

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Dienstleister wie Shurgard sind eine Art Saubermänner. Statt schmuddeliges Ambiente in düsteren Gewerbegebieten bieten sie Lagerräume vom Feinsten: videoüberwacht, fast rund um die Uhr geöffnet, klimatisiert, in heller Atmosphäre. Der Kunde mietet, so viel er braucht, von einem bis 50 Quadratmeter — meist in zentralen Einzelhandelslagen. Dafür bezahlt er etwa bei Secur bei Hamburg 33 Euro pro Quadratmeter für vier Wochen. 20 Quadratmeter kosten für den gleichen Zeitraum 299 Euro plus Mehrwertsteuer.

Das Geschäft mit dem Abstellraum, im Branchenjargon „Self Storage“ (Selbstlagern) genannt, wächst gewaltig. Rund ein Dutzend Anbieter tummeln sich auf dem deutschen Markt und bieten Unterbringungsmöglichkeiten an 60 Standorten. Die 90-prozentige Auslastung stimuliert die Branche. In diesem Jahr sollen zwölf weitere Lager hinzukommen.

Marktführer im deutschsprachigen Raum ist der österreichische Anbieter MyPlace. Allein in Deutschland gehört dem Wiener Familienunternehmen mit über 22 Standorten jedes dritte Lagerhaus. Zwei weitere sollen in diesem Jahr folgen. Den Umsatz steigerte MyPlace 2010 um 20 Prozent auf 21 Millionen Euro. „Wir registrieren eine deutlich gestiegene Nachfrage bei Geschäftskunden“, sagt Firmenchef Martin Gerhardus. So will er künftig auch die Annahme und Einlagerungen von Lieferungen anbieten, auch ohne dass der Mieter dazu anwesend sein muss.

Lagerhausdichte in ausgewählten Ländern

Lagerhausdichte in ausgewählten Ländern

Die wichtigsten Kunden des Staugewerbes leben in größeren Städten. 70 Prozent des Umsatzes von 100 Millionen Euro gehen auf ihr Konto. Die Urbanen wechseln überdurchschnittlich häufig Jobs, Wohnort oder Partner. „Doch bei aller Mobilität möchte man sich nicht von seinem gesamten Leben trennen“, erklärt Trendforscher Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut in Kelkheim im Taunus den Run auf die Lager. Sei alles im Fluss, würden lieb gewordene Dinge zum Identitätsanker, der Sicherheit und Stabilität garantiere. In den Self-Storage-Hallen lagerten die Betroffenen „letztlich ihre Identität ein, ohne die Vergangenheit komplett auszulöschen“.

Die Motive der Kundschaft sind unterschiedlich. „Mal praktisch und ökono-misch, mal emotional bis skurril“, sagt Martin Brunkhorst vom Verband deutscher Selfstorage Unternehmen. Da wandere der halbe Haushalt ins Lager, weil sich ein Ehepaar trenne oder ein Manager oder Student ins Ausland wechsle. Da sterbe die Oma und hinterlasse eine wertvolle Chippendale-Kommode, die nicht in die kleine Dachwohnung des Erben passe. Ein Wirtschaftsprüfer habe unlängst seine Harley-Davidson mitsamt Lederklamotten untergebracht, damit seine Frau das teure Motorrad nicht sehe. „Die will sonst eine neue Küche“, habe der Mann sein Doppelleben begründet.

Viel Luft nach oben

Auch der Hausbewohner, dem das Dach weggeflogen oder die Wasserleitung geplatzt ist, gehört zu den Nutzern. Zudem beanspruchen immer mehr Unternehmer den Abstellservice. Kleinere Gewerbetreibende und Online-Händler lagern zum Beispiel ihre Aktenberge aus oder nutzen den angemieteten Lagerraum als Puffer.

Luft nach oben gibt es für die Branche, die vor 30 Jahren in den USA entstand, genug. In England kommt ein Self-Storage-Lager auf 93 000 Einwohner, in Deutschland sind es erst 1,3 Millionen. Branchenfremde Neueinsteiger starten jetzt: mit neuen Angeboten in mittelgroßen Städten wie Bielefeld, Gießen und Lübeck.

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