Dietrich Neumann im Interview: A.T. Kearney-Deutschland-Chef: "Auch Berater können irren"

Dietrich Neumann im Interview: A.T. Kearney-Deutschland-Chef: "Auch Berater können irren"

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A.T. Kearney-Deutrschland-Chef Dietrich Neumann

A.T. Kearney-Deutschland-Chef Dietrich Neumann über die Wirtschaftskrise und wie sie das Geschäft der Unternehmensberater verändert hat.

WirtschaftsWoche: Herr Neumann, Ihre Branche hat Landesbanken empfohlen, das USA-Geschäft auszubauen – das Ergebnis ist bekannt. Berater haben sich an mittelständischen Unternehmen wie Märklin eine goldene Nase verdient – heute ist der Laden insolvent: Für eine Branche, deren Geschäftsmodell darin besteht, anderen zu sagen, wo es langgeht, machen Sie ziemlich viele Fehler.

Neumann: Natürlich hat es einige spektakuläre Fälle gegeben, bei denen unsere Branche im Nachhinein nicht besonders gut aussah, weil die Konzepte sich als nicht tragfähig erwiesen haben. Diese Negativbeispiele zu verallgemeinern wäre jedoch falsch. Bei der überwiegenden Mehrzahl aller Beratungsprojekte sind die Kunden zufrieden. Über die von Ihnen genannten Fälle reden viele, über zufriedene Kunden kaum einer. Hinzu kommt: Erfolge sind in der öffentlichen Wahrnehmung das Verdienst des Managements – wenn etwas schiefgeht, sind häufig die Berater Schuld.

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Branchenexperten behaupten, viele Unternehmen gäben zu viel für Beratung aus, weil Aufträge schlecht vorbereitet sind oder falsche Berater ausgewählt werden: Alte Seilschaften und große Namen zählten mehr als Kompetenz.

Das passiert nur sehr selten, die meisten Unternehmen vergeben ihre Beratungsaufträge heute anhand strukturierter Auswahlverfahren, viele haben Rahmenverträge mit ihren Beratern abgeschlossen. Entscheidend ist die Performance – wenn die nicht stimmt, kann der Berater einpacken. Wer ein schlechtes Projekt abgeliefert hat, ist erst einmal verbrannt und braucht Jahre, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Und auch die Rolle von persönlichen Netzwerken hat nicht mehr ihren einstigen Stellenwert.

Ihr Kollege Roland Berger ist der Gegenbeweis – ganz abgesehen von seiner problematischen Doppelrolle bei der Opel-Rettungsaktion...

...zu der ich nichts sagen möchte. Wenn bei unseren Beratungsmandaten Zielkonflikte drohen – etwa, weil zwischen Klienten eine Kunden-Lieferanten- oder eine Konkurrenz-Beziehung besteht –, sprechen wir das offen an und lassen den Klienten entscheiden. Wenn er keine Bedenken hat – was meistens der Fall ist –, arbeiten die Beraterteams völlig unabhängig nebeneinander. Außerdem gibt es Sperrfristen bei Neuaufträgen für solche Berater, die früher für konkurrierende Unternehmen gearbeitet haben.

Das Wohlwollendste, was man über die Rolle der Berater in der Krise sagen kann, ist, dass sie davon genauso überrascht wurden wie Top-Manager, Politiker oder Ein-Euro-Jobber.

Das Ausmaß der Krise hat keiner vorausgesehen, wir haben allerdings schon früh davor gewarnt, dass eine Rezession bevorsteht. Intensität und Geschwindigkeit konnte jedoch niemand ahnen. Abgesehen davon: Auch Berater können irren.

Sie haben die Krise nicht vorhergesehen – warum sollten wir Ihnen glauben, wenn Sie jetzt behaupten, Sie könnten die Unternehmen aus der Krise herausführen?

Mangelnde Prognosefähigkeit und die Fähigkeit zur Restrukturierung in einen kausalen Zusammenhang zu bringen ist logisch unzulässig. Die Krise ist für uns Ansporn, unser Instrumentarium zu verbessern. Wir haben vielfach bewiesen, dass wir in der Lage sind, Unternehmen aus der Krise zu helfen.

Wirklich? Tatsache ist, dass Berater viele Unternehmen so schlank gespart haben, dass die jetzt in kürzester Zeit verhungern.

Gegenfrage: Wer hat in schweren Zeiten die besseren Überlebenschancen – ein übergewichtiger Raucher oder jemand, der schlank und schnell ist? Wer erst jetzt seine Hausaufgaben macht, hat es schwerer als die, die das schon in guten Zeiten erledigt haben.

Wie sieht es in Ihrer eigenen Branche aus?

Wir selbst können nicht klagen, wir haben in Deutschland im vergangenen Jahr beim Umsatz um 13 Prozent auf 209 Millionen Euro zugelegt und gehören nach der neuen Lünendonk-Liste...

...einer jährlich veröffentlichten Aufstellung der 25 umsatzstärksten Management-Beratungsunternehmen in Deutschland...

...zu den Top-Ten-Strategieberatungen im Lande. Und auch global konnte A.T. Kearney den Umsatz um mehr als 14 Prozent steigern.

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