Digitale Bücher: Google und Verlage kämpfen um den Buchmarkt der Zukunft

Digitale Bücher: Google und Verlage kämpfen um den Buchmarkt der Zukunft

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Gary Reback Ende der 90er Jahre: Microsoft das Fürchten gelehrt

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert Google offen für die Pläne, Millionen Bücher zu scannen. Mit der Frankfurter Buchmesse geht in der Branche der Streit ums Existentielle weiter. Soll der Internet-Gigant künftig über das gebundende und gedruckte Wort herrschen dürfen?

Gary Reback gilt als beherzter Jurist, der, wenn es sein muss, auch mal auf die Tränendrüsen drückt: „Das hier endet doch damit“, sagt der US-Anwalt mit dem stets korrekt gekämmten Seitenscheitel, „dass arme Kinder Geld an die Milliardäre von Google zahlen müssen, nur um Bücher online anschauen zu dürfen – das ist doch Wahnsinn.“

Reback ist ein ebenso angesehener wie gefürchteter Mann – als Feind von Monopolisten bekannt. International machte sich der Brillenträger einen Namen, als er Mitte der Neunzigerjahre verhinderte, dass Microsoft den Markt für Finanzsoftware beherrschte. Anschließend sorgte er dafür, dass der US-Softwareriese wegen Machtmissbrauchs und dubioser Geschäftsmethoden vor Gericht unterlag.

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Mächtige Allianz will Googles Buchgeschäft verhindern

Für seinen jüngsten Feldzug hat sich der smarte 60-Jährige wieder einen Giganten als Gegner ausgesucht – Google, größter Suchmaschinenbetreiber im Internet und unerreichter Star im weltweiten Web. Doch diesmal zielt Reback nur mittelbar auf Bits und Bytes. Sein Einsatz gilt Waren zum Anfassen – den Büchern.

„Es ist beängstigend, wie viel Macht Google auch hier schon angehäuft hat“, warnt Reback landauf, landab und entwirft ein Horrorszenario: „Stellen Sie sich vor, Sie suchen einen Buchtitel im Internet – und alles was dann auftaucht, kommt von Google.“

Den Anlass für die Sorge bietet die mittlerweile rund zehn Millionen Titel umfassende digitale Bibliothek, die Google in den vergangenen fünf Jahren erstellt hat. In ihr sind Bücher aus aller Welt versammelt. Der Streit entzündet sich nun daran, was Google mit diesen digitalisierten Büchern anstellen darf – und vor allem: was nicht. Rebacks Mission ist klar: Im Auftrag der Interessengemeinschaft Open Book Alliance, der neben Microsoft auch Internetgigant Yahoo und Online-Händler Amazon angehören, kämpft der 60-jährige Anwalt dagegen, „dass Google bald das weltweite Buchgeschäft kontrolliert“.

Countdown bis zum 9. November

Wenn daher am Mittwoch in Frankfurt die weltgrößte Buchmesse ihre Pforten öffnet, werden nicht nur hehre Prosa und Lyrik und die frisch gebackene deutsche Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller im Mittelpunkt stehen. Über dem Branchentreff liegt auch die Agenda, die Reback mit Verve seit Monaten 6200 Kilometer weiter westlich betreibt. Dort, in New York, werden entscheidend die Weichen dafür gestellt,

wo im Internet auch Leser in Deutschland künftig Bücher finden werden,mit welchen Geschäftsmodellen und welchen Partnern die hiesigen Verlage auf die Herausforderungen der digitalen Medienwelt reagieren undob Autoren, Dichter und Schriftsteller bald nur noch Lieferanten für die gewaltigen Rechenzentren von Google werden.

Denn während am Main bis zu 300.000 Fachbesucher und Hobbyleser durch die riesigen Messehallen flanieren, arbeiten in den USA Kohorten von Anwälten daran, Googles Riesenbibliothek in Einklang zu bringen mit geltendem Recht und den grassierenden Monopolsorgen aufseiten von Verlagen und der Google-Konkurrenz.

Die Zeit dafür läuft: Bis zum 9. November sollen Google und fünf große US-Verlage und Buchhandelsketten noch Zeit haben, ihr bereits vor einem Jahr getroffenes und heftig kritisiertes Abkommen nachzubessern. Noch ist alles in der Schwebe – Anwalt Reback und seine Klienten jedenfalls setzen alles daran, zu verhindern, dass Google einen regelrechten Persilschein ausgestellt bekommt.

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