Digitale Medien: Post will mit Apps bei Verlagen punkten

Digitale Medien: Post will mit Apps bei Verlagen punkten

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Zentrale der Deutschen Post

von Christian Schlesiger

Neugeschäft im Internet soll den Rückgang im Briefgeschäft wettmachen — ein riskantes Unterfangen.

Eigentlich war eine App, also ein Miniprogramm, um das eigene Blatt auf Handys und Tablet-Computer zu präsentieren, für die Fußballzeitung „Reviersport“ noch kein Thema. Die Berichte über Amateurfußball in der Region, die montags und donnerstags mit einer Auflage von 25.000 Stück im Ruhrgebiet verbreitet werden, sollten weiterhin auf Papier oder als Web-Site im Internet erscheinen.

Doch dann meldete sich Anfang des Jahres die Deutsche Post bei Online-Verlagsleiter Thomas Wein in Essen. Der Konzern bot dem Kleinverlag an, „Reviersport“ als App auf deutsche Tablet-Computer und Smartphones zu bringen. Weil dies ein Pilotprojekt sei, übernehme die Post die Entwicklungskosten. „Das kam uns strategisch sehr gelegen“, sagt Wein.

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Noch dieses Jahr soll die „Reviersport“-App fertig sein. Die Inhalte speisen sich zu je einem Drittel aus der Printausgabe, dem Online-Angebot und zusätzlichen Exklusivinformationen. „Wichtig ist, dass unser 30-Mann-Verlag die App ohne zusätzlichen redaktionellen Aufwand produzieren kann“, sagt Verlagsmanager Wein. Genau das soll die Post-App leisten.

Umsätze der Deutschen Post in der Briefsparte

Umsätze der Deutschen Post in der Briefsparte

Der Einstieg ins digitale Verlagsgeschäft ist die jüngste von inzwischen mehreren Aktivitäten, mit denen die Deutsche Post einen bisher kaum merkbaren Schwenk in Richtung IT-Konzern begonnen hat. Nach dem E-Postbrief, einem rechtsverbindlichen elektronischen Brief, und nach Zukäufen im Online-Marketing soll nun der Ausbau des digitalen Mediengeschäfts neue Einnahmequellen erschließen. Die Strategie ist gewagt. Der Konzern kapriziert sich statt auf die Großen der Branche eher auf Kleinunternehmen und Selbstständige. Ob das Neugeschäft wirklich hohe Einnahmen generiert, ist vage.

Die Post hat sich mit ihren IT-Ideen viel vorgenommen. Konzernchef Frank Appel geht es um nicht weniger, als die Rückgänge im Briefgeschäft, das jahrelang für dicke Monopolgewinne sorgte, zu kompensieren. Denn so erfolgreich die Post ihre marktbeherrschende Stellung auf diesem Feld bisher verteidigte, so unaufhaltsam sinkt das Aufkommen an Briefen. Im vergangenen Jahr verlor der Konzern in den drei wichtigen Teilsparten – der Zustellung von Briefen, von Werbesendungen sowie von Zeitungen und Zeitschriften – jeweils um rund drei Prozent. Nur das Paketgeschäft, das durch den boomenden Online-Handel profitierte, verhinderte ein Desaster. Insgesamt sank der Umsatz in der Konzernsparte Brief 2010 um ein Prozent auf 13,8 Milliarden Euro (siehe Grafik). Der operative Gewinn sank um fast 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

In dieser Situation versucht der noch zu 30 Prozent staatliche Konzern nun, Umsatz zu generieren, indem er auf die Internet-Schiene springt: „Wir gehen den Weg unserer Geschäftskunden mit“, sagt Lutz Glandt, der als Vorstand in der Konzernsparte Brief den Presseservice verantwortet, zu dem auch die Apps gehören. Das Geschäftsfeld setzte 2010 knapp eine Milliarde Euro um. „So, wie wir Zeitungen und Zeitschriften beim Endverbraucher physisch zustellen“, sagt Glandt, „werden wir künftig die Inhalte auch digital zustellen.“

Den offiziellen Einstand will Glandt im Oktober dieses Jahres geben. Bis dahin soll die Post in der Lage sein, kleineren und mittelgroßen Verlagen Standard-Apps für ihre Medieninhalte anbieten zu können. Im Visier hat Glandt Fachmedien und Mitgliederzeitungen. „Die Redaktionen sollen sich weiter um ihre Inhalte kümmern“, sagt Glandt. „Die technische Übertragung der Inhalte aus dem Redaktionssystem in die App übernehmen wir.“

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