Dioxin-Skandal: Verbraucherkampagne soll um Vertrauen werben

Dioxin-Skandal: Verbraucherkampagne soll um Vertrauen werben

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Helmut Born

von Christian Ramthun

Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, fordert eine Positiv- und eine Negativliste für Zutaten in Futtermitteln.

WirtschaftsWoche: Herr Born, schmeckt Ihnen das Frühstücksei noch?

Born: Ja, aber es ist eine große Portion Wut dabei. Wut auf kriminelle Machenschaften, die einem ganzen Berufsstand schweren Schaden zufügen.

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Jetzt entdeckten Prüfer auch in Schweinefleisch Dioxin.

Das ist richtig. Leider entsteht nun aber der Eindruck, als weite sich der Skandal aus. Tatsächlich haben wir es jedoch mit einer Eingrenzung zu tun.

Wie das?

Das Dioxin stammt immer aus der einen gleichen Quelle, die nach Bekanntwerden gestoppt wurde. Sofort wurden 4700 landwirtschaftliche Betriebe vorsorglich gesperrt. Durch Tests konnte die Zahl der möglicherweise betroffenen Höfe inzwischen auf unter 500 eingeengt werden. Bei einem dieser rot markierten Betriebe sind nun zwei Schweine mit erhöhten Werten ermittelt worden. Unser Rückverfolgungssystem funktioniert.

Reicht das?

Dieser Fall zeigt leider, dass wir uns noch besser absichern müssen. Die Politik muss der Futtermittelwirtschaft genau vorschreiben, was künftig noch in die Mischungen hinein darf. Wir brauchen eine klare Positivliste plus eine Negativliste. Altes Frittenöl gehört definitiv nicht ins Futter. Außerdem muss hier die Kontrolldichte erhöht werden. Es kann nicht sein, dass ein Milchviehbetrieb mit 50 Kühen fünfmal im Jahr kontrolliert wird, aber ein Futtermittelhersteller mit einem enormen Multiplikatorrisiko nur einmal. Da stimmen die Relationen nicht.

Ist das Krisenmanagement von Verbraucherministerin Ilse Aigner richtig?

Frau Aigner zieht die Speere auf sich. Aber hier handelt es sich um Länder-, nicht Bundesbefugnisse.

Hat Frau Aigner zu lange darauf vertraut, dass die Futtermittelindustrie selbst vorsorgt?

Man hätte vielleicht stärker aufs Tempo drücken können. Ich bin aber gewiss, dass nun in aller Gründlichkeit die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, um deutsche Nahrungsmittel sicherer zu machen.

Erst einmal ist den Verbrauchern der Appetit vergangen. Wie wollen Sie das Vertrauen zurückgewinnen?

Wenn alle Lehren aus diesem Skandal gezogen sind, dann müssen wir uns an die Verbraucher wenden. Die Botschaft ist: Unsere Landwirtschaft produziert umweltverträglich und gesunde Lebensmittel. Der Bauernverband ist mit Bund, Ländern und der Wirtschaft im Gespräch, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen. Ich bin mir sicher, dass auch die Futtermittelindustrie jetzt ihren Beitrag leisten wird.

Müssen sich die Verbraucher auf steigende Preise einstellen?

Das wird das nächste große Thema sein. An den Weltmärkten ziehen die Preise für Getreide, Ölsaaten und Fleisch kräftig an. Damit geht auch die Zeit der Niedrigpreisstrategie der Discounter zu Ende.

Wie stark steigen die Verbraucherpreise?

Schweinefleisch, Butter und Eier werden definitiv keine Inflationsbremsen mehr sein wie in den vergangenen Jahrzehnten, aber auch keine Inflationstreiber. Ich rechne damit, dass sich die Lebensmittelpreise im Rahmen der allgemeinen Teuerungsrate entwickeln.

Wie reagieren Sie auf die starken Schwankungen an den Agrarbörsen?

Zu den natürlich bedingten Schwankungen auf unseren Märkten kommen inzwischen Spekulationsgeschäfte von Finanzinvestoren, die wir bisher nicht kannten. Das führt zu heftigeren Volatilitäten. Deshalb bin ich dafür, dass Warentermingeschäfte weltweit mit mindestens 10 bis 20 Prozent Eigenkapital während der gesamten Laufzeit unterlegt werden, um Spekulation zu erschweren.

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