Dirk Roßmann im Interview: "An Windeln verdienen wir nichts"

Dirk Roßmann im Interview: "An Windeln verdienen wir nichts"

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Dirk Roßmann

Drogerieunternehmer Dirk Roßmann über seinen Konkurrenzkampf mit Schlecker und dm, fallende Preise und seine Pläne für neue Filialen.

WirtschaftsWoche: Herr Roßmann, Sie werden am kommenden Mittwoch Ihre Bilanz für 2008 präsentieren. Mit welchen Produkten hat Ihr Unternehmen das meiste Geld verdient?

Roßmann: Jedenfalls nicht mit Drogerieartikeln.

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Das klingt bedrohlich für eine Drogeriemarktkette.

So schlimm ist es nicht, wir machen eine Umsatzrendite von 2,5 Prozent vor Steuern, was in der Branche eine sehr gute Quote ist. Und wir haben noch nie so viel verdient wie 2008. Nur den Profit macht Rossmann eben nicht mehr mit den klassischen Drogerieartikeln, sondern mit Randsortimenten von der Haarbürste bis zum Wein. An Markenprodukten wie Zahncreme, Seifen und Windeln verdienen wir nichts. Wenn sie heute eine Packung Pampers-Windeln verkaufen, ist Einkaufspreis gleich Verkaufspreis. Da bleibt für uns nichts übrig.

Setzen Sie deshalb verstärkt auf Eigenmarken?

Eigenmarken sind tatsächlich das Salz in der Suppe. Jeder dritte Artikel, den wir verkaufen, ist ein Rossmann-eigenes Produkt, und wir werden das weiter ausbauen.

Wie läuft es in anderen Bereichen? Seit einigen Monaten können Kunden in Ihren Filialen auch Medikamente bestellen oder gar den „Rossmann-Wunschkredit“ abschließen.

Wir sind in beiden Fällen nur Vertriebspartner. Die Angebote der Deutschen Internet Apotheke, mit der wir beim Medikamentenversand kooperieren, kommen sehr gut an. Die Kredite, die wir als Vermittler für die Deutsche Bank anbieten, sind dagegen kein großer Erfolg.

Lebensmittelhändler bauen ihr Drogerieangebot aus. Macht Ihnen das zu schaffen?

Mit den Discountern müssen wir uns schon seit Jahren herumschlagen – und die mit uns. Wir verkaufen ja auch ein paar Lebensmittel.

Der Wettbewerb treibt die Preise in den Keller.

Gut so! In Talkshows wird ja gern die Meinung vertreten, dass Preiswettbewerb ein Grundübel der Gesellschaft ist, verantwortlich für Ausbeutung und Elend von Angestellten im Einzelhandel. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben in Deutschland die niedrigsten Preise für Markenartikel in Europa, und die Bürger profitieren davon. Ich will die Dinge nicht schönreden, aber die Leute sollten auch mal relativieren lernen, bevor sie sich über angebliche Hungerlöhne und Ungerechtigkeit beschweren.

Das fällt schwer, wenn eine Tengelmann-Verkäuferin entlassen wird, weil sie Pfandbons für 1,30 Euro unterschlagen haben soll.

Das ist ein sehr unglücklicher Fall. Aber es steckt ein ernstes Problem dahinter. In einer unserer Filialen hatten wir Verluste von mehr als einer halben Million Euro. Erst bei einer verdeckten Videoüberwachung – in Absprache mit dem Betriebsrat – stellte sich heraus, dass sich 21 Mitarbeiter von der Putzfrau bis zur Filialleitung jeden Abend die Taschen vollgestopft haben. Und gegen solche Kriminalität müssen wir uns schützen. Deshalb kann ich solche Entscheidungen verstehen.

Sie sind seit 37 Jahren im Drogeriegeschäft tätig. Ist Ihnen nach all der Zeit der Kampfgeist abhandengekommen?

Ganz im Gegenteil. Wie kommen Sie darauf?

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