Discounter: Aldi expandiert in den USA

Discounter: Aldi expandiert in den USA

Bild vergrößern

Aldi expandiert in den USA - trotz schlechter Wirtschaftslage

Die amerikanische Wirtschaft steckt in der Krise, doch Aldi expandiert. Die US-Tochter des deutschen Discounterriesen verzeichnet steigende Kundenzahlen und eröffnet so viele neue Filialen wie noch nie.

Die Konkurrenz hat derweil das Nachsehen: Gegen das deutsche Geschäftsmodell kommt selbst Marktführer Wal-Mart im Preiskampf nicht an.

"Früher habe ich mehr Geld verdient", erzählt Paula Palencia, während sie ihren Einkaufswagen aus der Aldi-Filiale in der Kleinstadt Roselle, im US-Bundesstaat New Jersey, schiebt. "Aber jetzt muss ich sparen.”

Anzeige

Käse, Milch, Wurst, Kekse und Toastbrot hat sie eingekauft. “So günstig bekomme ich das sonst nirgends in der Gegend”, sagt sie. Um 3,1 Prozent drosselten die amerikanischen Verbraucher im dritten Quartal dieses Jahres ihre Konsumausgaben – der erste Rückgang seit 17 Jahren. Einige Einzelhandelsketten haben bereits angekündigt, Filialen schließen zu müssen – nicht so Aldi.

“Wir eröffnen in diesem Jahr hundert neue Filialen”, teilt Unternehmenssprecherin Martha Swaney auf Anfrage mit. “Sonst haben wir lediglich 50 Geschäfte pro Jahr eröffnet.”

Ende des Jahres soll es insgesamt 1000 Läden in 29 US-Bundesstaaten geben – für 2009 sind bereits 75 weitere Neueröffnungen geplant.

Zwar gewährt Aldi USA keinen Einblick in die Firmenfinanzen, die Sprecherin verrät aber, “dass wir dieses Jahr steigende Kundenzahlen verbuchen können”. Im Niedrig-Preis Lebensmittelsektor ist die Firma laut eigenen Angaben das “am schnellsten wachsende Unternehmen Amerikas”. 

Nach Schätzungen der Fachzeitschrift "Supermarket News" hat Aldi 2007 einen Umsatz von 5,8 Milliarden Dollar in den USA erwirtschaftet, ein Plus von 500 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Im amerikanischen Lebensmittelhandel landet der Discounter damit auf Platz 25. “Aldi ist erfolgreich, weil den Kunden nichts vorgemacht wird”, sagt David Livingston,  der den amerikanischen Lebensmittelhandel seit über 20 Jahren als Analyst beobachtet. “Zu den niedrigsten Preisen bieten die Läden hohe Qualität an und es gibt keine irreführende Werbung oder undurchschaubare Coupon-Aktionen.”

Aldi gilt als Exot in den USA

Anders als die US-Konkurrenz versucht Aldi nicht, mit Rabattaktionen neue Käufer anzulocken.

Die meisten Läden akzeptieren noch nicht einmal Kreditkarten, da die Gebühren die Preise nach oben treiben würden – in einem Land, in dem jeder Haushalt über ein Dutzend Kreditkarten verfügt.

Um in den Genuss der Niedrigpreise zu kommen, müssen sich die Kunden außerdem daran gewöhnen, ihre eigenen Plastiktüten mitzubringen – oder zehn Cent für eine neue zu zahlen. 25 Cent Pfand für einen Einkaufswagen? Auch das ist unüblich. Doch die Mitarbeiter sollen keine Zeit damit verschwenden, die Wagen einzusammeln.

Und das ist noch nicht alles, was die Läden des Discounters in den USA zu Exoten macht. Mit einer Verkaufsfläche von gut 950 Quadratmetern sind sie zehnmal kleiner als der durchschnittliche amerikanische Supermarkt – und benötigen wesentlich weniger Mitarbeiter.

Statt 45.000 verschiedenen Produkten gibt es 1.400, darunter kaum Markenprodukte. “Natürlich habe ich im normalen Supermarkt eine grössere Auswahl und mehr Service”, findet Kundin Paula Palencia. “Aber für einen Lebensmittelladen mitten im Ort ist es ziemlich gut.”

Obwohl die erste amerikanische Filiale bereits 1976 eröffnet wurde, veröffentlichten die New York Times und das Time Magazine erst kürzlich Artikel, um Aldis ungewöhnliches Geschäftsmodell zu erklären – ein Indiz für das Schattendasein, welches die Ladenkette bisher führte. “Knapp 1000 Geschäfte in 32 Jahren ist auch nicht gerade eine Erfolgsgeschichte”, erklärt der amerikanische Marktanalyst Matthias Queck.

Da die Kette aber – nach eigenen Angaben – 16 bis 24 Prozent günstiger als konkurrierende Lebensmitteldiscounter und 40 Prozent günstiger als traditionelle Supermärkte ist, sagen ihr Queck und Livingston nun eine erfolgreichere Zukunft vorher.

Immerhin gingen bereits im Frühling 20 Prozent der Amerikaner angesichts der schlechten Wirtschaftslage in günstigeren Läden einkaufen als zuvor, was eine Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Retail Forward ergab. Verstärkt sich dieser Trend durch die beginnende Rezession, dürfte Aldi davon profitieren, meinen die Analysten. “Aldis Marktanteil wird sicher noch deutlich steigen”, sagt Livingston.

“Aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Kette jemals zu den ganz Großen im US-Lebensmittelhandel gehören wird.” Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Marktführer Wal-Mart über 40 mal mehr Umsatz als Aldi USA – trotz höherer Preise.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%