Discounter: Aldi plant Billighotels aus Schiffcontainern am Dach seiner Läden

Discounter: Aldi plant Billighotels aus Schiffcontainern am Dach seiner Läden

Bild vergrößern

Containerterminal in Hamburg: Der Export macht 85 Prozent des Unternehmens Achenbach aus

Discount-Riese Aldi lässt demnächst auf seinen Dächern Hotelgäste in alten Schiffscontainern übernachten – ein möglicher Testlauf für Deutschland.

Das Areal an der Münchner Lindwurmstraße 117 wäre der Traum eines jeden Hoteliers: Reichlich Platz, Parkgelegenheiten en masse und preiswerte Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Tür. Das Paradies ist nicht irgendwo am Stadtrand, sondern fünf Minuten von der Theresienwiese entfernt, wo jedes Jahr Millionen Menschen das Oktoberfest feiern. Einziges Problem: Der Standort ist seit Jahren vergeben. Hinter der Adresse verbirgt sich eine schlichte Aldi-Filiale, wie es sie rund 1700-mal in der Republik gibt.

Dennoch stehen die Chancen nicht schlecht, dass sich hier eines Tages Touristen tummeln. Denn Discount-Primus Aldi hat eine neue Geschäftsidee und einen neuen Partner: Der britische Billighotel-Betreiber Travelodge will auf Dächern, Parkplätzen und umliegenden Brachflächen von Aldi-Filialen Hotels bauen. Kommendes Jahr sollen erste Hotels in England eröffnen.

Anzeige

Greift das Konzept auf der Insel, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann auch über Aldi-Läden in Deutschland Menschen nächtigen. Der Discounter hält sich zwar wie gewohnt bedeckt. Doch Travelodge-Manager Nick Dines sagte der WirtschaftsWoche, dass die Idee „im Prinzip auch in Deutschland funktioniert“. Auch Thomas Roeb, Handelsexperte an der FH Bonn-Rhein-Sieg sieht in dem Test auf britischem Boden „eine Option für Deutschland“.

Aldi kassiert Miete, Travelodge übernimmt das Geschäftsrisiko

Bevor es so weit ist, muss sich das Alditel aber erst bewähren. In der Surfer-Metropole Newquay an der Südküste Englands entsteht bis Herbst 2009 ein 74-Betten-Hotel – direkt auf einem Aldi-Markt. Travelodge bietet Zimmer für umgerechnet 37 Euro pro Nacht an. In Middlesbrough, einer 150.000-Einwohner-Stadt in Nordengland, eröffnet wenig später ein Hotel mit 55 Zimmern — ganz in der Nähe eines Aldi-Marktes.

Die Zusammenarbeit des deutschen und des britischen Billigheimers folgt einem einfachen Schema: Aldi stellt die Flächen zur Verfügung und kassiert Miete, das Geschäftsrisiko liegt bei Travelodge. So investieren die Briten allein in die beiden Pilot-Gebäude rund 6,2 Millionen Euro. Die Hotelkette ist mit rund 350 Budget-Hotels die zweitgrößte Billigmarke auf der Insel und bekannt für Originalität. So plante das Unternehmen Ende Juli, leer stehende Eigentumswohnungen in London in Hotelzimmer umzuwandeln. Zudem vertreibt Travelodge den mobilen „Travelpod“: eine Plastikbox samt Teppich, Klimaanlage, Heizung, Flachbildschirm-TV und Mini-Bad für umgerechnet 33 Euro pro Nacht.

In England wächst Travelodge aggressiv. In diesem Jahr eröffnet die Gruppe 22 Hotels — bis 2020 sollen es 1000 sein. „Wir suchen aktiv nach Entwicklungsmöglichkeiten und Wachstumsperspektiven“, sagt Paul Harvey, der den Ausbau verantwortet.

Aldi ist dafür der perfekte Partner. Größtes Problem bei Hotel-Neubauten in Deutschland ist „die Suche nach geeigneten Standorten“, sagt Stephan Gerhard, Chef der Beratung Treugast Solutions Group in München. Allein die Dachflächen, über die Aldi verfügt, summieren sich auf mehrere Hunderttausend Quadratmeter. Experte Roeb sieht zwar „maximal auf jedem zehnten Markt“ Potenzial. Das wären aber immerhin bis zu 170 mögliche Standorte – weit mehr als führende Billigketten wie B&B mit rund 30 Häusern.

Die Anbauten wären bautechnisch kein Problem, denn Travelodge mag es schlicht: Das Unternehmen kauft ausrangierte Schiffscontainer in China, stattet sie mit Fenstern und Interieur aus und stapelt sie aufeinander. Auf diese Weise eröffneten die Briten im Juli ein Hotel in London mit 86 Zimmern. Das Hotel, dessen Container-stapel von einer Fassade verdeckt wird, ist mit 50.000 Euro Baukosten pro Zimmer vergleichsweise billig – und passt auf jedes Aldi-Dach. Auch das Geld für die Expansion ist wohl kein Problem. Seit 2006 gehört Travelodge komplett zu Dubai International Capital, dem Investment-Arm des Staatsfonds des Ölstaates Dubai, der bereits beim Kauf für umgerechnet 830 Millionen Euro eine Wachstumsoffensive ankündigte.

Nehmen die Gäste die kargen Testhotels an, könnte Aldi die flächendeckende Verbreitung in Deutschland „innerhalb von sechs Monaten starten“, glaubt Berater Gerhard. Ex-Aldi-Manager Dieter Brandes ist skeptischer. Aldi Süd sei zwar experimentierfreudig. Bevor ein Konzept aber im großen Stil auf die Fläche gebracht werde, können Jahre vergehen. Dass der Discounter aber nach Ideen fahndet, mit seinen Dächern Geld zu verdienen, ist offensichtlich: Aldi Nord und Süd verpachten die Dächer ihrer Logistikzentren bereits an Solarfirmen.

Eine gewisse Erfahrung im Hotelgeschäft bringt zumindest Aldi-Süd-Inhaber Karl Albrecht mit: Der 88-jährige Multi-milliardär baute sich vor mehr als 30 Jahren den Öschberghof. In dem Vier-Sterne-Haus bei Donaueschingen tagen heute Führungskräfte des Discounters. Auch Albrecht selbst logierte bei Reisen mit seinem Essener Golfclub früher regelmäßig im Bungalow auf dem Hotelgelände.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%