
Dieser Einkaufswagen ist den New Yorkern suspekt. Wer ihn nutzen will, steckt ein 25-Cent-Stück als Pfand in den Schlitz, erst dann löst sich die dicke Metallkette. "Viele Kunden glauben zunächst, dass sie den Einkaufswagen bezahlen müssen", sagt Matthias Queck vom Marktforschungsbüro Planet Retail.
Das System, ohne das in Deutschland kaum ein Supermarkt arbeitet, ist in den USA weitgehend unbekannt. Doch der 25-Cent-Schlitz gehört dazu, zur "Aldi difference" - dem Aldi-Unterschied, den die New Yorker seit wenigen Wochen erleben können.
Der deutsche Discount-Riese Aldi Süd hat seine erste Filiale in New York eröffnet und damit das geschafft, woran der große US-Konkurrent Wal-Mart seit Jahren arbeitet: ein Standbein in Amerikas größter Metropole. Zwei weitere Aldi-Filialen in New York sollen folgen, eine noch in diesem Jahr.
David und Golliath
Der Wettkampf gegen die einheimischen Konkurrenten gleicht allerdings immer noch dem zwischen David und Goliath.
Obwohl Deutschlands Discountkönig schon seit 1976 in den USA expandiert, blieb er verglichen mit Großflächenbetreibern wie Wal-Mart oder Target ein Zwerg. Rund 8,3 Milliarden Dollar, schätzt Planet Retail, setzte Aldi Süd 2010 in den USA um, Wal-Mart schaffte 258 Milliarden. Und dennoch: Die Deutschen wachsen langsam, aber stetig. Seit dem US-Einstieg vor 35 Jahren, als die deutschen Billigheimer die Benner Tea-Supermärkte im US-Staat Idaho erwarben, hat Aldi mittlerweile 1135 Filialen im Land eröffnet.
In 31 Bundesstaaten findet man inzwischen das blau-orangefarbene Aldi-"A" , vorwiegend im mittleren Westen und an der dicht besiedelten Ostküste.
Keine Konkurrenz durch Lidl
"Die Zukunft von Aldi liegt in den USA", glaubt Planet-Retail-Experte Matthias Queck. Dort gebe es nicht nur weitaus mehr Wachstumsspielräume als in Europa. In den USA muss Aldi auch nicht seinen ärgsten Widersacher fürchten: die Neckarsulmer Billigkette Lidl. Deutschlands Nummer zwei ließ den Erfinder des Discounts in den vergangenen Jahren auf vielen europäischen Auslandsmärkten hinter sich, darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien.
Entsprechend beschleunigte Aldi Süd sein Wachstum in den USA zuletzt deutlich. Eröffnete der Discounter in den ersten Jahren nur durchschnittlich 25 neue Filialen pro Jahr, sind es inzwischen jährlich fast viermal so viel. 80 weitere könnten in 2011 und 2012 dazukommen.
Lokalmatador Wal-Mart dagegen kämpft auf dem wichtigen Heimatmarkt mit rückläufigen Umsätzen. Mitten in der Wirtschaftskrise kündigte er deshalb an, mehrere Hundert kleinere Varianten der Super-Center in die Städte zu bringen. Die erste Ausgabe soll im US-Bundesstaat Arkansas eröffnet werden, dort, wo Wal-Mart seinen Konzernsitz hat. Die gleiche Strategie verfolgt auch der britische Einzelhändler Tesco in den USA, vorwiegend an der Westküste.













