
Für Alfons Frenk erfüllt sich ein echtes Horrorszenario. Nur einen Monat, bevor sich der Edeka-Chef in den Ruhestand verabschiedet und den Posten des Vorstandschefs an seinen Nachfolger Markus Mosa abtritt, stehen die ehrgeizigen Expansionspläne des Handelsmanagers vor dem Scheitern. Das Bundeskartellamt will die Übernahme der Discountkette Plus durch Edeka untersagen. "Nach derzeitiger Auffassung des Bundeskartellamtes wird Edeka nach dem Zusammenschluss über eine überragende Marktstellung verfügen“, teilte die Behörde heute mit.
Tatsächlich hat Edeka in den vergangenen Jahren massiv an Marktmacht gewonnen. Frenk verleibte dem Edeka-Reich Handelsketten wie Spar, Netto und AVA ein. Im November 2007 schockte er dann die kostenbewussten Edeka-Händler mit seinem größten - und letzen - Coup: Er verkündete die Übernahme des ertragsschwachen Tengelmann-Discounters Plus, dessen 2900 Filialen mit Edekas Billigkette Netto fusionieren sollen.
Doch nicht nur im eigenen Lager wurde der Vorstoß kritisiert. Vor allem die Lebensmittel-Industrie murrte vernehmlich und torpedierte den Plus-Deal indirekt. 80 Edeka-Lieferanten hatten Anfang des Jahres Post vom Kartellamt bekommen, im Februar wurden weitere 50 Unternehmen angeschrieben. Die Behörde wollte von den Herstellern per „Auskunftsbeschluss“ wissen, wie sich die geballte Einkaufsmacht der Tengelmann-Edeka-Connection in 29 Produktgruppen - von Wurst bis Käse - auswirkt. Im fünfzehnseitigen Katalog des Kartellamtes wurden konkrete Lieferbedingungen abgefragt.
Das Resultat hat die Kartellwächter darin bestärkt, die Übernahme zu untersagen. Der Zusammenschluss würde die ohnehin schon bestehende hohe Marktkonzentration beim Einkauf verschärfen und zu noch größeren Abhängigkeiten der Lieferanten führen, heißt es in der Stellungnahme des Kartellamtes.
Kein Wunder: Einzelne Hersteller machen mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit dem Verkauf ihrer Ware bei Edeka. Durch die Plus-Übernahme hätten die Einkaufsmanager noch mehr Druck auf die Hersteller ausüben können, ihre Preise und Lieferbedingungen den Wünschen des Discount-Giganten anzupassen - oder ihre Existenz aufs Spiel zu setzen und ausgemustert zu werden.
Auch für die Kunden befürchtet das Kartellamt Nachteile im Fall einer Fusion. So betonte die Behörde, der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland sei bereits in den vergangenen Jahren einem radikalen Konzentrationsprozess unterworfen gewesen. Heute entfallen der Behörde zufolge rund 90 Prozent des inländischen Marktvolumens auf nur noch sechs Anbieter: Edeka, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Aldi, Rewe, Metro und Tengelmann. Marktführer sei Edeka mit einem Marktanteil von 25 Prozent.
Edeka will in den kommenden Tagen zur der Abmahnung Stellung nehmen. Eine endgültige Entscheidung wird das Kartellamt nach Anhörung der Firmen fällen.













