Discountkette: Neue Details zum Aldi Nord/AUB-Deal

Discountkette: Neue Details zum Aldi Nord/AUB-Deal

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Der Eingang der Bundeszentrale der "Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger" (AUB)

Die Discountkette Aldi Nord hat jetzt Recherchen der WirtschaftsWoche bestätigt, dass der Handelsbeauftragte der Betriebsräte-Organisation AUB Mike Bubner nicht wusste, dass Aldi jahrelang sein AUB-Gehalt bezahlte.

In einem zweieinhalbseitigen Fax an die „WirtschaftsWoche“ heißt es, es sei „in der Tat zutreffend, dass Herr B. bis zum 08.04.2008 nur wusste, dass er vom 01.06.2001 bis zur Insolvenz der Schelsky Unternehmensberatung deren Angestellter war“. Auch kenne Bubner „bis heute nicht“ den Rechtsberater, der die Zahlungen abwickelte. Als Argument für die verdeckte Honorierung führt der Essener Discount-Konzern an: „Wir wussten ja, dass Herr B. nur bei Unkenntnis dieses Umstands in der Lage war, sich (von uns) ‚frei‘ zu fühlen.“

Die Initiative für den Deal sei, so Aldi Nord, von dem ehemaligen AUB-Bundesvorsitzenden Wilhelm Schelsky ausgegangen: „Er war es, der Herrn B. von uns abgeworben hat, um ihn für die AUB tätig werden zu lassen.“ Mike Bubner selbst betonte gegenüber der „WirtschaftsWoche“, er habe „keinen Schimmer“ gehabt, was hinter den Kulissen abgelaufen sei. Den Wechsel Bubners hatte Schelsky mit Aldi-Verantwortlichen in Essen abgesprochen. Das heimliche Agreement bestätigt Aldi Nord. „Ich wurde sieben Jahre lang getäuscht“, sagt Bubner heute.

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Seine Arbeit sei „im Nachhinein diskreditiert“, weil es so aussehe, als habe er die Interessen der Kollegen verraten. Aldi Nord sieht „insgesamt keinen Ansatz für irgendwelche Beanstandungen unseres Handelns, weder moralisch noch rechtlich“. Die AUB ist jene Organisation, die Siemens heimlich zur Gegengewerkschaft wider IG-Metall-Betriebsräte aufbauen wollte und gegen deren Ex-Chef Wilhelm Schelsky die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Untreue ermittelt und der seit 15 Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Schelsky soll über sein als Unternehmensberatung firmierendes Unternehmen über Jahre hinweg Millionenhonorare von Siemens kassiert haben, so die Anklagebehörde.

Alles in allem geht es um rund 50 Millionen Euro – Geld, das nach den Ermittlungen der Staatsanwälte nicht Bezahlung für guten Rat war, sondern der AUB zugute kommen sollte, deren Vorsitzender er 23 Jahre lang war. In den nächsten Wochen will die Staatsanwaltschaft Anklage erheben gegen Schelsky und Ex-Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer, der die Verträge mit Schelskys Unternehmensberatung unterschrieb.

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