Diskussion: Drohen der Wirtschaft Energieengpässe?

Diskussion: Drohen der Wirtschaft Energieengpässe?

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Eine brennende Kerze

von Henning Krumrey, Andreas Wildhagen und Cordula Tutt

Der Atomausstieg ist schwieriger als gedacht, einige Unternehmer bereiten sich bereits auf Engpässe vor. Welche Befürchtungen und Erfahrungen haben Sie? Diskutieren Sie mit.

Fast im Handstreich wurde der Atomausstieg beschlossen und allüberall wird das Hohelied vom grünen Strom aus Wind und Sonne gesungen. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Tatsächlich vertrauen wir darauf, dass 187 Kernkraftwerke in Europa weiterhin zuverlässig unser Stromdefizit auffüllen, weil der Ausbau von Windparks stagniert und die Sonne – welche Erkenntnis – hierzulande wenig wärmt. Verlässliche Rahmenbedingungen und Versorgungssicherheit für die Industrie fehlen und so bereiten sich manche Unternehmer auf mögliche Engpässe vor.

August Wagner, Chef der Firma J. G. Knopf’s Sohn im oberfränkischen Helmbrechts, lässt Stoffe veredeln. Seine Anlagen schmirgeln, waschen, färben, sengen und trocknen Textilien, bis sie für Arbeitskleidung oder Autositzbezüge taugen. Wenn eine Maschine etwa beim Trocknen stehen bleibt, weil kurz der Strom ausfällt, „ist die ganze Ware kaputt“, sagt Wagner. Deshalb hat die 200-Mitarbeiter-Firma in ein kleines Blockheizkraftwerk, in Notstromaggregate und in Batterien investiert, damit sie jede Sekunde über Elektrizität verfügt. „Wir könnten gänzlich unabhängig vom öffentlichen Netz produzieren“, sagt Wagner und freut sich. Für ihn stehe fest, dass mit dem forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien die Versorgung instabiler werde und es im Winter Stromausfälle geben könne. 

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Auch Bernd Drouven hat in die Unternehmenskasse gegriffen. Der Chef der größten europäischen Kupferhütte, Aurubis in Hamburg, mietete für ein paar Millionen Euro im Jahr Notstromanlagen an. Die sollen helfen, die Schmelzen wenigstens kontrolliert herunterzufahren, wenn der Strom länger ausfällt. Würden sich die Anlagen in solchen Fällen automatisch abschalten, wären die Kosten fürs Wiederhochfahren viel höher.

Ähnliche Sorgen macht sich Claus Heubeck, Umweltschutzbeauftragter bei der Autozuliefertochter des Nürnberger Rüstungskonzerns Diehl im mittelfränkischen Röthenbach. An drei Wochenenden im September spielte Heubeck mit einer Gruppe von Mitarbeitern durch, was passieren würde, wenn es keinen Strom gäbe. Zwar verfügt das Unternehmen über einen Dieselgenerator und zwei Gasblockheizkraftwerke. Doch „nach zwei Stunden ohne Strom wird es kritisch“, fand Heubeck heraus. Diehl überlegt deshalb, die Notstromleistung zu verdoppeln – Kosten: rund eine Million Euro. „Zunächst aber müssen wir mit dem Restrisiko leben“, sagt Heubeck.

Fürchten Sie auch eine Stromlücke? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht und welche Vorkehrungen treffen Sie?

Schreiben Sie uns in den Kommentaren oder per Mail an aktion@wiwo.de (Betreff: Stromlücke).

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