
Drei Servicetechniker waren zum Sondereinsatz in die Berliner Hauptstadtrepräsentanz abkommandiert. Oliver Alexander Jörns und sein Team stellten ihren nagelneuen Opel Comba ins Foyer der Deutschen Telekom, öffneten die Hecktür und klappten ihren Laptop auf. Zwei Tage lang erklärten die drei Techniker im Licht mehrerer greller Scheinwerfer der Öffentlichkeit, wie schnell und komfortabel die Telekom künftig auf Kundenbeschwerden eingehen kann. Per neuer Software. Wenn ein Kunde demnächst eine Störung meldet, füllt die Callcenter-Mitarbeiterin an ihrem PC nur noch ein Formular aus und sendet es direkt per Funk an die Servicetrupps vor Ort. Im Idealfall vergehen dann zwischen Störungsannahme und der Ankunft der Techniker nur noch wenige Stunden. Was im Augenblick als Live-Demonstration funktioniert, soll bald den in Verruf geratenen Telekom-Service revolutionieren: Ein Anruf soll dann reichen, niemand soll länger als zwei Minuten in der Warteschleife hängen, Probleme sollen schnell und pünktlich gelöst werden. Irgendwann in zwei Jahren, deutet Konzernchef René Obermann an, werde die Deutsche Telekom wieder ihre Kunden begeistern und zum bestangesehenen Dienstleister des Landes aufsteigen. In den kommenden Monaten allerdings solle bitte niemand zu viel erwarten. Gut Ding will Weile haben. Die Weile hat Obermann eigentlich nicht. Nicht mal 100 Tage ist der neue Telekom-Chef im Amt, da bläst ihm der Wind frontal ins Gesicht. Vor gut einer Woche alarmierte er seine Aktionäre mit einer Korrektur der Gewinnprognose und löste damit einen Kursrutsch aus. Hauptgrund für die schwache Ertragslage ist der fortwährende Kundenschwund, dem Obermann mit seiner Service-Offensive begegnen will. Die Lösung dieses Problem ist schon eine abendfüllende Aufgabe. Doch es kommt für Obermann und seinen Konzern noch schlimmer: Einer internen Studie zufolge könnten binnen weniger Jahre die Geschäftsgrundlagen der Telekom in sich zusammenbrechen. Die konzerneigene Unternehmensberatung Detecon kommt zu dem Ergebnis, dass Drittanbieter ohne eigenes Telekomnetz schon bald alle Produkte mit derselben Qualität anbieten können wie Infrastrukturbetreiber vom Schlage der Deutschen Telekom. Mit der Übertragung von Sportveranstaltungen lässt sich dann kräftig Geld verdienen – auch ohne ein aufwendiges Netz zu betreiben. „Ist dies das Ende der klassischen Telco-Industrie?“ fragt Detecon und schließt das nicht mehr ausdrücklich aus. Der frisch gebackene Telekom-Chef weiß: eine weitere schlechte Nachricht wie die Gewinnwarnung der vergangenen Woche kann er sich nicht leisten. Dann wäre der Vertrauensvorschuss der Investoren und Analysten vollends aufgebraucht. Die von den beiden Großaktionären, dem Bund und dem US-Investor Blackstone, geforderte Wiederauferstehung der T-Aktie fiele aus. Lange hatte der Telekom-Vorstand intern diskutiert, die Ertragsprognose für das laufende Geschäftsjahr noch stärker nach unten zu korrigieren. Viel sprach dafür, die Planungsziele drastischer abzusenken, damit sie am Jahresende auf jeden Fall übertroffen werden. Am Ende entschied sich Obermann für den kleinen Schnitt und senkte das Gewinnziel um eine Milliarde Euro auf 19 Milliarden Euro ab. „Das ist etwas, was wir packen können“, legte er fest.













