Drogenaffäre vor Gericht: Was macht der Dealer auf der Vorstandsetage der Helaba?

Drogenaffäre vor Gericht: Was macht der Dealer auf der Vorstandsetage der Helaba?

Bild vergrößern

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Frankfurt am Main

Angestellte, die im Vorstandsbereich einer Landesbank arbeiten, müssen in der Regel hohen Ansprüchen genügen – und werden entsprechend durchleuchtet. Pikant, wenn dann ausgerechnet die Empfangsdame die Kollegen mit Kokain versorgt. Im Fall der hessischen Helaba sorgt genau dieser Vorfall für eine ganze Reihe unschöner Verwicklungen.

Eine Ordentliche war die Nadja A. Pünktlich, hilfsbereit, zeitlich immer flexibel. Wenn die verantwortlichen Gebäudemanager der Helaba vor Gericht über ihre ehemalige Empfangsdame sprechen, loben sie diese noch heute in den höchsten Tönen. Der Kühlschrank in der Vorstandsetage sei immer schön mit Getränken gefüllt gewesen und Papier habe auch immer im Kopierer gelegen. Klar. Dort im Vorstandsbereich, darf nicht jede Rezeptionistin arbeiten. „Da erwarten wir Umgangsformen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter der Landesbank.

Die Umgangsformen - sie haben gestimmt. Anderes nicht. Hätten die Landesbank oder die für die Empfangsdamen zuständige Sicherheitsfirma bei Nadja A. etwas genauer hingesehen, wäre der Landesbank wohl einiges erspart geblieben. Zum Beispiel eine umfängliche Hausdurchsuchung wegen des Verdachts des Drogenhandels, ein verlorener Arbeitsgerichtsprozess gegen einen ehemaligen Finanzvorstand und die peinliche Frage, wieso ein bekannter Straßendealer in der 47. Etage, dem Vorstandsbereich, herumspazieren konnte.

Anzeige

Die Helaba oder die Sicherheitsfirma, bei der A. angestellt war, hätten sich ebenfalls die Frage stellen können, warum A. sich so standhaft weigerte, ihr Führungszeugnis pünktlich vorzulegen. Zwar fiel im April 2008 der Sicherheitsfirma das fehlende Zeugnis auf. Nadja A. wollte es aber erst im August nachliefern. Angeblich, weil dann ein Eintrag über Fahren ohne Führerschein gelöscht würde. Tatsächlich gelöscht werden sollte aber eine Haftstrafe für schweren Raub und Körperverletzung, begangen 1996. Sie wollte sogar eher kündigen, als das Zeugnis früher vorzulegen.

So viel Theater wegen eines Verkehrsdelikts, hätte das nicht stutzig machen müssen, fragt der Richter zurecht. Nein. „Es klang plausibel“, sagen die geladenen Helaba-Vertreter. Warum? Sonst bekommen in der Bank nicht einmal Spülkräfte ohne Führungszeugnis einen Job. Doch die beliebte, fähige Nadja A. wollte niemand wegen einer Formalie verlieren, sie hatte sich bewährt.

Dass Nadja A. Kontakt zur Drogenszene hat, gelegentlich auch mal den Arbeitsplatz verlässt, um einen Joint zu rauchen, das fällt vorerst nur ihren Kollegen auf. Zwei von ihnen drängen Nadja A., ihnen Kokain zu besorgen - bitte. Sie lässt sich überreden, ihr Ex-Freund ist Dealer. Sie versorgt ihre Kollegen zum Selbstkostenpreis. Dumm nur, dass die Polizei da schon Gerüchten nachgeht, in und um der Helaba werde gedealt. Nadja A. gerät schnell ins Visier der Fahnder, denn ihr Ex-Freund und Drogenlieferant ist der Polizei ein Begriff.

Zum Showdown kommt es am 5. Februar 2009. Da wird Nadja A. vor der Bank festgenommen, ein paar Stunden später die Helaba durchsucht. Die Bank ist da schon vorbereitet. Die Verhaftung von A. blieb nicht unbeobachtet. „Ich habe noch nie so viele Visitenkarten gesammelt“, erinnert sich der leitende Polizeibeamte. Sechs oder sieben Landesbanker blieben ihm von Etage zu Etage auf den Fersen. „Der größte Zeugenstab, den ich je bei einer Durchsuchung erlebt habe.“

Nadja A. selbst verhielt sich nach der Verhaftung übrigens so mustergültig wie als Empfangsdame. Sie gestand alles, inklusive Dealer und Abnehmer. Am nächsten Mittwoch wird sie wohl mit einer Bewährungsstrafe davon kommen.

Für die Helaba hat die Sache dagegen ein Nachspiel: Sie feuerte seinerzeit einen ihrer Vorstände, der vor seiner Vorstandsbestellung mit A. ein Verhältnis gehabt hatte und daher zeitweise zu Unrecht verdächtigt wurde, in die Sache verwickelt zu sein. Er klagte in erster Instanz erfolgreich gegen den Rauswurf. Die Helaba geht wohl in Berufung.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%