_

Druck auf Rivalen steigt: Fiat setzt Rivalen unter Druck

von Carsten Herz Quelle: Handelsblatt Online

Die Autoindustrie steuert unter dem Druck der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auf eine grundlegende Neuordnung zu. Der italienische Autobauer Fiat plant ein strategisches Bündnis mit dem Hersteller Chrysler und steigt in einem ersten Schritt mit 35 Prozent beim angeschlagenen US-Autobauer ein.

Der Einstieg von Fiat bei Chrysler sorgte an der Börse für Fantasie. Quelle: dpa
Der Einstieg von Fiat bei Chrysler sorgte an der Börse für Fantasie. Quelle: dpa

FRANKFURT. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung hätten beide Seiten unterzeichnet, teilten die Unternehmen gestern mit. Fiat schloss einen späteren Ausbau des Anteils an Chrysler nicht aus - Berichten zufolge auf bis zu 55 Prozent.

Anzeige

Die Italiener zahlen dafür jedoch nicht mit Geld, sondern mit Technik. Chrysler soll künftig spritsparende Autos auf der Basis von Fiat-Modellen und mit Fiat-Motorentechnik bauen. Beide Unternehmen unterzeichneten den Angaben zufolge eine Absichtserklärung über die Bildung einer "globalen strategischen Allianz". Das Zusammengehen muss noch unter anderem von den Kartellbehörden und vom US-Finanzministerium gebilligt werden.

Der transatlantische Schulterschluss der beiden Volumenhersteller beflügelte unter Investoren und Experten die Erwartungen, dass der Schritt Nachahmer finden könnte. "Das ist der Start für eine größere Konsolidierung", sagte Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst der Credit Suisse in London. "Insbesondere die französischen Hersteller müssen sich nun etwas überlegen. Ich erwarte außerdem, dass auch Daimler und BMW näher zusammenrücken müssen", sagte der Experte. Daimler und der BMW-Großaktionär, die Familie Quandt, hatten allerdings noch jüngst entsprechende Spekulationen zurückgewiesen.

An der Börse legten praktisch alle Autowerte dank der neu aufkeimenden Konsolidierungsfantasien zu. Der Markt habe den Eindruck, dass Bewegung in den Autosektor komme, sagte ein Händler. Auch Topmanager der Autoindustrie rechnen angesichts der heftigen Absatzeinbrüche weltweit inzwischen mit einer drastischen Konsolidierung in der Branche. Nach einer aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG von Anfang des Monats erwarten die Führungskräfte in den nächsten fünf Jahren geringere Umsätze und Gewinne, mehr Insolvenzen sowie eine daraus resultierende Zunahme von Fusionen und Übernahmen. 72 Prozent gehen demnach davon aus, dass es unter den Herstellern bis 2013 zu Fusionen, Übernahmen oder Allianzen kommt - vor einem Jahr war es nur die Hälfte.

Unter Druck setzt das Bündnis nach Meinung von Experten vor allem Fiats Erzrivalen Peugeot-Citroën (PSA), der momentan ebenfalls mit massiven Problemen kämpft. "Dass eine Konsolidierung in der Branche kommen wird, ist völlig klar", sagt Götz Klink, Autoexperte der Beratungsgesellschaft AT Kearney. "Ich könnte mit vorstellen, dass nun Peugeot und BMW ihre Kooperation ausbauen werden." PSA warnte gestern wegen der Wirtschaftskrise vor einem "schrecklich schwierigen" Geschäftsjahr. Ob der französische Hersteller 2009 einen Gewinn verzeichnen werde, sei nicht abzusehen, sagte Peugeot-Chef Christian Streiff der Zeitung "Le Figaro".

Kaum eine andere Branche bekommt derzeit die Folgen der Wirtschaftskrise so schnell und so heftig zu spüren wie die Autoindustrie. So waren die Verkaufszahlen auf allen großen Märkten zum Jahresende teilweise auf historische Tiefstände gesunken. Die Nachfrage auf dem größten Automarkt der Welt, den USA, stürzte 2008 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren, Japan markierte ein 34-Jahres-Tief, in Deutschland wurden 2008 so wenig Autos wie seit 18 Jahren nicht mehr verkauft.

Nach dem Stuttgarter Hersteller Daimler kündigte gestern auch der bayerische Autobauer BMW an, zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Rund 26 000 Beschäftigte und damit jeder dritte Mitarbeiter werde von den Maßnahmen betroffen sein, sagte ein Sprecher. BMW und Daimler sprechen bereits seit mehr als einem Jahr über eine engere Partnerschaft und arbeiten beim Einkauf bereits zusammen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte jüngst die Ansicht geäußert, dass nur sechs Autokonzerne weltweit die Wirtschaftskrise überleben werden. "Der einzige Weg für Unternehmen, sich zu behaupten, ist, mehr als 5,5 Mio. Fahrzeuge pro Jahr zu bauen", sagte er. Im Moment erreichen nur fünf Hersteller - General Motors, Toyota, Volkswagen, Ford und Renault-Nissan - diese kritische Marke. Fiat hat 2007 weltweit gut 2,7 Mio. Fahrzeuge verkauft, zusammen mit Chrysler kämen die Italiener jetzt auf 5,1 Mio. Autos.

Unter den Analysten stieß der Vorstoß der Italiener dennoch auf ein geteiltes Echo. "Uns gefällt der Deal zwischen Fiat und Chrysler unter der Bedingung, dass keine Barmittel abfließen", sagte Commerzbank-Analyst Gregor Claussen. Beim Bankhaus Nomura senkten die Experten dagegen den Daumen und warnten vor "beträchtlichen Umsetzungsrisiken".

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.01.2009, 01:08 UhrSven B.

    Welch ein geschickter Schachzug von den Fiat Managern!
    Fiat macht mit Chrylser genau das wozu Daimler nicht in der Lage war/ist! Sie geben Chrylser die entsprechende Technik, um konkurenzfähige Fahrzeuge zu produzieren. Amerikaner sind wahre Patrioten und kaufen doch lieber ein Auto eines US-Herstellers. Das Ganze quasi ohne jegliches Risiko. Geht Chrysler um war es den Versuch wert, kriegt Chrysler die Kurve ist man mit dabei.
    GM + Ford könnten das auch machen, die Technik haben sie mit Opel und Ford-Deutschland schon im Haus. Sie sind nur zu arrogant sie zu nutzen....was auch etwas mit der Arroganz der Amerikaner zu tun hat. :-)

  • 20.01.2009, 19:37 UhrBlutige Nase

    Es steht wohl immer einer auf, der aus den Fehlern andere keine Konsequenzen zieht und es stets besser weiss. Man muss kein Analyst sein, um darauf zu wetten, dass sich FiAT (Fehler in Allen Teilen; Für italiener Ausreichende Technik) eine weitere blutige Nase holt. Um einen Fiat/Lancia/Alfa Romeo zu fahren, braucht man eine grosse Portion Leidensfähigkeit. Und zwei lahme Esel ergeben noch lange kein schnelles Pferd. So setzt Fiat wohl kaum Rivalen unter Druck: Wer heute noch Geld in ein Kfz investiert, ist bei Toyota, Volkswagen und Renault besser aufgehoben.

  • 20.01.2009, 18:42 UhrHenne

    ich wäre mir nicht so sicher, ob Fiat damit irgendjemanden unter Druck setzt. Daimler ist gerade noch rechtzeitig aus diesem bündnis rausgekommen, wieso soll es Fiat da besser gehen?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20

Die zwei zurückliegenden Wochen haben gezeigt: Billigstrategien im Fernverkehr gehen auf. Auf der Straße feiert...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.