
FRANKFURT. Große Krankenkassen wie die fusionierte Barmer GEK, bei der knapp 15 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten Mitglied sind, DAK (zehn Prozent Marktanteil) und viele BKKs kommen mit umfangreichen neuen Wirkstoffverträgen; auch die AOK mit rund einem Drittel Marktanteil startet nach ihrer großen Ausschreibung im vergangenen Jahr im April eine weitere Tranche.
Bei den neuen Wirkstoffverträgen sind nach Angaben von Kassenvertretern Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent realisiert worden. Offizielle Angaben gibt es selten, der Markt ist nicht transparent.
Preise für Nachahmermedikamente fallen deutlich
Während sich die Krankenkassen über die Einsparungen freuen, fürchten die Generikahersteller um ihre Margen. "Der durch den Rabattvertrag verursachte Wettbewerb fokussiert allein auf den Preis. Mittelfristig zerstören ruinöse Preise die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Generikaindustrie", sagt Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbandes Pro Generika.
Die neuesten Daten des Marktforschungsinstituts IMS Health zeigen, dass die Rabattverträge massive Marktveränderungen nach sich ziehen. Bei der seit Juni 2009 geltenden dritten AOK-Tranche über 63 verschreibungspflichtige Wirkstoffe haben die 22 Vertragspartner der Krankenkasse ihren Umsatz bis zum Jahresende um 62 Prozent auf 47,4 Mio. Euro steigern können. Der Absatz erhöhte sich sogar um 78 Prozent auf 6,6 Millionen Packungen.
Generikafirmen wie Aliud (Stada), 1aPharma (Hexal/Sandoz) sowie Mylan Dura und Betapharm (Dr. Reddy?s) machen nach den Daten vom IMS mittlerweile mehr als 80 Prozent des Umsatzes mit Rabattverträgen. Dabei werden frühere Sortimentverträge mit vergleichsweise geringen Rabatten sukzessive von den Wirkstoffverträgen mit höherer Rabattquote abgelöst.
Das hat Folgen, wie die jüngsten Zahlen der Betapharm-Mutter Dr. Reddy?s zeigen. Der indische Generikahersteller musste auf den 2006 getätigten Kauf von Betapharm eine weitere deutliche Wertberichtigung vornehmen und begründet das mit dem "signifikanten Preisverfall" in Deutschland. Aktuelle Gewinnzahlen für den deutschen Markt veröffentlichen viele der deutschen Generikafirmen nicht, unter anderem weil sie zu internationalen Konzernen gehören. Die Jahreszahlen der börsennotierten Stada AG, die im kommenden Monat veröffentlicht werden, dürften weiteren Aufschluss geben.
Krankenkassen warten ab, wie es mit Rabattverträgen weitergeht
Ungewiss ist derzeit allerdings, welche Rolle Rabattverträge unter der neuen Bundesregierung künftig einnehmen. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP hat eine Überprüfung der bestehenden Rabattvertragspraxis vorgesehen. Die jüngsten Äußerungen von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) deuten aber darauf hin, dass er den Rabattverträgen durchaus positive Seiten abgewinnen kann, weil sie die Preise deutlich gesenkt und Ausgabenzuwächse reduziert hätten.
Die Barmer GEK will deshalb erst einmal die weitere politische Entwicklung abwarten, wie die Konditionen für Rabattverträge künftig aussehen sollen. Die ursprünglich für Ende Januar startende Ausschreibung bleibe erst einmal in der Schublade, wie Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, am Mittwoch auf der Handelsblatt Pharmatagung in Wiesbaden sagte. Man wolle nicht riskieren, eine laufende Ausschreibung wieder zurückziehen zu müssen. Die Barmer GEK hält aber grundsätzlich an der geplanten Ausschreibung über mehr als 300 Wirkstoffe fest.









