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E.On: Abschied vom deutschen Netz

von Friedrich Thelen

So richtig Freude will auch bei den überzeugtesten Marktwirtschaftlern nicht aufkommen, wenn sie hören, dass E.On sein Stromnetz an den holländischen Netzbetreiber Tennet zu veräußert. Ein Gastkommentar von Friedrich Thelen.

Dr. Friedrich Thelen
Dr. Friedrich Thelen
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An sich erfüllt der deutsche Stromgigant E.On damit Auflagen, die ihm die EU-Kommission gemacht hatte. Sie hatte gar schon mit Kartellstrafen gedroht. Und der andere große Stromerzeuger Vattenfall wird es in Kürze gleichtun und sein deutsches Stromnetz ebenfalls veräußern, um den EU-Auflagen zu entsprechen.

Indes fragt sich selbst der überzeugteste deutsche Marktwirtschaftler besorgt, ob es sich sein Land leisten kann, solche, insbesondere für die Infrastruktur einer Dienstleistungsgesellschaft wie die der Deutschen, hoch wichtigen Netze ins Ausland zu verkaufen. Sicher ist, dass die Franzosen ein solches Begehren weit von sich weisen würden - selbst wenn die EU-Kommission entsprechende Auflagen machen würde.

Aber sei es drum! Die Deutschen sind eben Super-Europäer und nicht zuletzt zum eigenen Nutzen, wie man an den Erfolgen des Europäischen Exportmeisters Jahr für Jahr ablesen kann.

E.On und Vattenfall durchkreuzen Pläne der Politik

Allerdings durchkreuzen die beiden Stromgiganten E.On und Vattenfall mit ihren Verkäufen auch noch die politischen Pläne der Bundesregierung. Hatte doch schon der vorherige Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) im Wahlkampf verkündet, er wolle alle vier deutschen Hochspannungsnetze in der von der Bundesregierung geplanten Netz-AG bündeln. Daraus wird wohl nichts werden. Denn die Stromunternehmen können mit ruhigem Gewissen und im Brustton richtiger Überzeugungen erklären: „Wir tun ja nur das, was uns die EU-Kommission zwingend aufgetragen hat.“

Der Politik bleibt nun nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass unser europäisches Handeln beispielgebend für die Mit-Europäer ist. Spannend wird es allerdings, wenn ein internationales Konsortium, das weltweit operiert, und damit nicht unter die Bewertungsmaßstäbe des EU-Kartellrechts fällt, plötzlich den holländischen Käufer Tennet übernimmt und zugleich auch noch andere Europäische Netze aufkauft. Und dann vielleicht auch noch den Europäern nicht genehme Preispolitik betreibt. Das könnte sich noch zu einem richtigen Problem ausweiten.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.11.2009, 11:38 UhrAnonymer Benutzer: oli73

    Was hier nicht steht ist, dass sich Tennet zu 100% im besitz der Niederländischen Regierung befindet, und diese sicher nicht so einfach verkaufen werden. Von daher ist eine Sicherheit auf jeden Fall vorhanden. Vattenfall ist ja auch ein schwedischer Konzern, oder?

  • 11.11.2009, 10:47 UhrAnonymer Benutzer: Vielen Dank Herr Thelen

    für ihren Mut das auszusprechen was aufgezeigt werden muss.
    ihre bemerkungen tragen dazu bei, dass der bürger in
    in Deutschland ahnen und abwägen kann was auf ihn im Hinblick auf eine sichere, ökologisch und wirtschaftlich
    vernünftige Stromversorgung in Deutschland zukünftig zukommen kann, im positiven und im negativen Sinne,
    Dank der europäisch deutschen Energie- und Wirtschafts-
    politik.

  • 11.11.2009, 00:33 UhrAnonymer Benutzer: Jens

    Nein, das ist für die Holländer ein gutes Geschäft. Das marode Netz wird dann durch den Steuerzahler modernisiert. Es will ja keiner im Dunkeln sitzen. Der Verbraucher wird hier doppelt zahlen. Schaut Euch mal das englische bahn-Netz an. Zur Not kann man das Netz auch wieder verstaatlichen.

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