E.On: Leichter Abschied vom Stromnetz

E.On: Leichter Abschied vom Stromnetz

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E.On-Chef Wulf Bernotat - Das ungeliebte Stromnetz soll verkauft werden.

Wulf Bernotat, Chef des Energiekonzerns E.On, will seine Strom- leitungen sowie Kraftwerke verkaufen. Öffnet ihm das die Tür zum spanischen Strommarkt?

An einem Sonntag war es, an einem Novembertag, als plötzlich in weiten Teilen Westeuropas der Strom ausfiel. Die Kritik an dem dafür verantwortlichen Düsseldorfer Energiekonzern E.On kam postwendend – am Montag, gnadenlos wie ein Blitzschlag.

„Inakzeptabel“ sei das gewesen, schimpfte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warf der gesamten Energiewirtschaft vor, ihre „Leitungen zu vernachlässigen“. Die Versorger würden zu wenig in die Netze investieren. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Energieverbraucher, Aribert Peters, forderte gar: „Die Netze müssen E.On weggenommen werden.“

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Nicht nötig: E.On-Chef Wulf Bernotat will seine 10 000 Kilometer Überlandleitungen plötzlich selber nicht mehr haben und stellte sein ganzes Netz zum Verkauf – Preis unbekannt. Entsetzt reagierten die Konkurrenz-Konzerne RWE und EnBW. Sie wollten ihr Netz „auf jeden Fall behalten“, ließen sie mitteilen. Einzig Vattenfall – nach E.On und RWE drittgrößter Versorger in Deutschland – zeigte Sympathie für Bernotats Vorstoß. Der schwedische Konzern legt ebenfalls keinen Wert auf sein Netz, das so häufig Ziel der Kritik von Politikern aus Berlin und Brüssel gewesen ist.

Wer glaubt, Bernotat handle aus Frust oder kapituliere vor den Regierenden, irrt gewaltig. Hinter dem überraschenden Verkaufsangebot steckt nach Meinung von Experten in Wirklichkeit das Kalkül, nach mehreren Niederlagen endlich groß ins Ausland expandieren zu können – Zielland: Spanien. Im Gegenzug könnte er mit dem Stromnetz einen Anbieter von dort ins Land lassen.

Brancheninsider glauben an einen solchen Schachzug, weil Bernotat nicht nur sein Stromnetz, sondern auch Kraftwerke mit einer Leistung von 4800 Megawatt verkaufen will. Das Paket wäre hochinteressant für Investoren, die bisher nicht in der Stromerzeugung oder in der Stromversorgung tätig sind und auf den lukrativen deutschen Markt wollen. „Für den Kauf des deutschen Stromnetzes von E.On steht ein Spanier auf der Matte“, sagt ein Lobbyist des Düsseldorfer Energieriesen. „Besonders interessiert“ sei der iberische Baukonzern ACS. Der könnte Bernotat die Tür zum spanischen Strommarkt öffnen, wenn ACS-Chef Florentino Pérez Rodriguez den Deutschen dafür seine 13-prozentige Beteiligung am größten Versorger des Landes, Iberdrola, überließe.

Gelänge Bernotat ein solcher Deal, käme dies einem Durchbruch in Europa gleich. E.On würde dadurch den französische Erzrivalen EdF ausstechen, der gegenwärtig um Iberdrola wirbt. Zugleich hätte Deutschlands größter Energiekonzern auch beim spanischen Versorger Union Fenosa das Sagen, an dem ACS gut 45 Prozent hält. Fenosa könnte als Beipack zum Deal E.On zusätzlich zufallen. Fenosa ist aktiv bei Solarkollektoren und Windrädern, dem Zukunftsmarkt in Europa schlechthin.

Eigentlich wollte ACS-Chef Rodriguez seine Beteiligung Iberdrola mit EdF teilen. Eine Übernahme des E.On-Stromnetzes und einiger Kraftwerke kämen den Spaniern aber mindestens ebenso gelegen. Denn der Madrider Bauriese ist bereits in Deutschland aktiv, weil er seit März 2007 am größten Baukonzern Deutschlands, der Hochtief AG, beteiligt ist – jetzt mit 30 Prozent. Hochtief ist führend bei Public-Private-Partnership-Projekten (PPP) in Deutschland, bei denen Konzerne zusammen mit dem Staat Infrastrukturprojekte realisieren.

Dazu, so die Überlegungen führender Industriemanager, dürften in Zukunft auch Investitionen in das deutsche Stromnetz zählen. Denn dessen Ausbau wird für die Konzerne durch wachsenden Widerstand in Politik und Bevölkerung immer schwieriger. „Stromnetze in Deutschland zu betreiben, wird in Zukunft richtig ärgerlich und sehr teuer“, sagt ein Energiemanager. Dabei ist der Bedarf gewaltig. Allein wenn demnächst, wie von Versorgern geplant und von Politikern gewünscht, Strom aus erneuerbaren Quellen eingespeist werden, drohen die Netze zusammenzubrechen.

Noch enger wird es, wenn die Atommeiler nach bisherigen Plänen der Regierung 2020 abgeschaltet werden. Dann fließt Ersatzstrom kreuz und quer durch Europa nach Deutschland – eine ständige Stoßzeit, die das bestehende Netz zu überfordern droht. Das lässt sich nur mit Milliardeninvestitionen in neue Leitungen verhindern. Weil dies auf zunehmenden Widerstand stößt, wird sich nach internen Analysen von E.On in Zukunft verstärkt der Staat um den Erhalt der Netze kümmern müssen. Und das in enger Kooperation mit privaten Firmen wie Hochtief – oder direkt mit ACS? Auch der spanische Baukonzern Acciona wäre an einem Einstieg ins deutsche Netzgeschäft interessiert.

E.On jedenfalls würde, wenn der Deal mit ACS klappt, auf einen Schlag zum größten Energieunternehmen in Spanien aufsteigen. Denn Bernotat erhielte nicht nur Teile von Iberdrola, sondern auch Töchter und Beteiligungen von Endesa, um die E.On vor über einem Jahr ohne Erfolg geboten hat. Der italienische Konkurrent Enel und Acciona kamen ihm in die Quere. Würde auch Acciona mit an dem deutschen Netzdeal beteiligt, würde E.On zu einem deutsch-spanischen Konzern mit Einfluss in ganz Europa mutieren.

E.On-Chef Bernotat Das ungeliebte Stromnetz ist noch für andere Deals gut.

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