E.On: Sorgenkind Gasgeschäft

E.On: Sorgenkind Gasgeschäft

Bild vergrößern

E.On soll E.On Ruhrgas und zwei weitere Tochterunternehmen auflösen. Das Gasgeschäft ist das Sorgenkind des Düsseldorfer Energiekonzerns.

Verhandlungen zwischen E.On und Gazprom stehen kurz vorm Scheitern. E.On fordert günstigere Gaspreise, da sein Gasgeschäft schlecht läuft. Die Tochter E.On Ruhrgas soll mit zwei weiteren Subunternehmen aufgelöst werden.

Der Gaspreis sinkt – E.On hat wenig davon. Der Düsseldorfer Energiekonzern zahlt an seine Gaslieferanten nämlich größtenteils noch hohe Preise aus langfristigen Verträgen. Deshalb versucht das Unternehmen seit längerem seine Vertragspartner zu günstigeren Preisen zu bewegen. Wichtigstes Bezugsland für E.On ist Russland, woher der Energieriese 29 Prozent seines Gases erhält.  Das Nachrichtenmagazin Focus berichtet heute, dass die Verhandlungen zwischen Gazprom und E.On kurz vor dem Scheitern stünden.

Gleichzeitig berichtet der Spiegel, dass der Düsseldorfer Mutterkonzern drei seiner Tochtergesellschaften schließen möchte – dazu gehört E.On Ruhrgas, das einstige Aushängeschild des Konzerns mit Sitz in Essen. Hinzu kommen sollen nach einem aktuellen Vorstandsbeschluss die E.On-Energie-Sparte in München und die E.On-Kraftwerkstochter in Hannover. Weiter benötigte Geschäftsbereiche der Töchter sollen dann auf bestehende oder neu zu schaffende Gesellschaften in der Düsseldorfer Konzernzentrale übertragen werden. Ähnliche Modelle seien auch für ausländische E.On-Unternehmen geplant. Unternehmenschef Johannes Teyssen muss dem Bericht zufolge seine vorläufigen Pläne noch durch den Aufsichtsrat bringen. Geplant sei dazu eine Klausursitzung der Kontrolleure nächste Woche in Hamburg.

Anzeige

Arbeitsplätze bedroht

Laut E.On sei allerdings noch alles offen. "In Folge der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüft E.On derzeit mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens. Entscheidungen hierzu sind noch nicht gefallen", erklärte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Von der Entscheidung wären laut "Spiegel" mehrere Hundert Arbeitsplätze betroffen. Die Gewerkschaft Ver.di kündigte bereits Widerstand gegen eine mögliche Ruhrgas-Schließung an. "Wir kennen keine konkreten Pläne. Aber es ist schwer vorstellbar, dass ein solches Konzept eins zu eins den Aufsichtsrat passieren kann", sagte ein Gewerkschaftssprecher den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. Schon bei der Sparrunde im Jahr 2009 hatte E.On in Deutschland 2.000 und weltweit weitere 4.000 Arbeitsplätze gestrichen.

Das Unternehmen ist in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Im ersten Quartal 2011 sank der Gewinn vor Zinsen und Steuern („adjusted EBIT“) verglichen zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Bauchschmerzen bereiten dem Energiekonzern unter anderem der Atomausstieg, die Vollauktionierung von CO2-Zertifikaten ab 2013 – aber auch das veränderte Marktumfeld im Gasgeschäft. Gerade die Geschäftseinheit „Global Gas“, zu der außer E.On Ruhrgas auch Ferngas Nordbayern und die ungarische E.On Földgáz Trade gehören, leiden besonders. Dort sank Gewinn vor Zinsen und Steuern von 683 Millionen auf gerade mal eine Million Euro.

E.On droht mit Schiedsverfahren

Die Verhandlungen zwischen E.On und Gazprom, die nun laut Focus kurz vor dem Scheitern stehen sollen, drehen sich vor allem darum den Gas- vom Ölpreis zu entkoppeln. Laut der staatlichen russsichen Nachrichtenagentur RIA Novosti hatte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew gegen Ende Juni erklärt, dass alle Vertragsparteien das Recht besitzen, die Vertragsbedingungen zu revidieren, wenn die Marktbedingungen dies rechtfertigen. Sollte es zum Scheitern der Verhandlungen kommen, wie es sich derzeit abzeichnet, dann wird E.On laut Focus ein internationales Schiedsverfahren anrufen. Ein Konzernsprecher bezeichnete den Bericht als Spekulation. Er verwies auf die Pressekonferenz des Konzerns zu den Ergebnissen des zweiten Quartals am 10. August.

Anfang des Jahres hatte E.On seine letzten Beteiligungen an Gazprom verkauft. Der russische Konzern versucht indes stärker Fuß im deutschen Markt zu fassen. Er möchte nicht mehr nur Gaszulieferer sein, sondern die gesamte Lieferkette zwischen Russland und Deutschland kontrollieren. Deshalb verhandelt der Gaskonzern mit deutschen Energieunternehmen, wie RWE und EnBW über Beteiligungen. International verhandelt Gazprom unter anderem mit dem italienischen Energiekonzern Eni und dem französischen Unternehmen GdF Suez.

Das Gasgeschäft war auch Thema bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen während des Petersburger Dialogs Mitte Juli in Hannover. Auf die Fragen einer russischen Journalistin, ob Deutschland angesichts des Atomausstiegs mehr russisches Gas kaufen werde, antwortete Bundeskanzlerin Angela Merkel reserviert: „Hier entscheiden die Märkte.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%