E.On: Teyssen baut den Vorstand um

E.On: Teyssen baut den Vorstand um

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Regine Stachelhaus wird im E.On Vorstand für Personal, Einkauf und IT zuständig sein.

von Michael Kroker und Andreas Wildhagen

Bei E.On rückt eine Frau in das oberste Gremium des Konzerns auf: Regine Stachelhaus wird im E.On-Vorstand für Personal, Einkauf und auch IT verantwortlich sein. Sie machte als erste Frau auf oberster Führungsebene in der IT-Branche Furore.

Johannes Teyssen ist erst zwölf Tage im Amt - und schon packt der Hildesheimer an wie ein norddeutscher Rinderzüchter.

Er baut den Vorstand um. Vorab: Es bleibt der Finanzvorstand Marcus Schenck, ein Mann, der einst für Goldman-Sachs gearbeitet hat und die 44 Milliarden Euro teure Mega-Übernahme von Endesa durchfinanzieren wollte.

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Doch das steckt tief in der Geschichte der Ära des Wulf Bernotat, der sieben Jahre die Geschicke des Konzerns führte, am Ende Endesa doch nicht bekam und das Zepter nun an seinen Nachfolger abgab.

Der sich bodenständig gebende Teyssen harmoniert also vorerst mit Schenck, dem Sproß aus der Finanzwelt, die nicht mehr so recht in die etwas kleinere Brötchen backende Welt von E.On zu passen scheint.

Strategiechef Lutz Feldmann uund Personalvorstand Christoph Dänzer-Vanotti verlassen den Vorstand.

Der agil wirkende frühere BP-Manager Feldmann lieferte für Bernotat Analyse, Vorstandsvorlage und Langfristgedanken für den Erwerb des sibirschen Stromversorgers OGK-4.

Es ist ein milliardenschweres Investment, das in schwieriges Gewässer geraten ist, seitdem klar ist, dass Wladimir Putin sein Versprechen gegenüber Bernotat nicht wahrmacht, die Strompreise in Russland zu liberalisieren.

Für diese Fehleinschätzung wird intern auch Feldmann verantwortlich gemacht. Es war auch ein wenig naiv zu glauben, dass sich Putin an Äußerungen, die er gegenüber dem E.On-Management in der Duma machte, absolut gebunden fühlte. In Russland sind höhere Strompreise keineswegs durchsetzbar. Putin ist Mütterchen Russland da näher als Brüderchen Feldmann.

Sein Nachfolger markiert bereits den persönlichen Stil Teyssens: Klaus-Dieter Maubach ist stets in die Fußstapfen von Teyssen getreten.

Maubach war zuvor Chef der E.On-Energie in München, das war Teyssen auch. Und beide Männer verbindet der frühere Vorstandsvorsitz der niedersächsischen E.On-Tochter Avacon, die mal Hastra hieß. Helmstedt und Hannover sind die Zentren dieses Regionalversorgers, eine berufliche Urheimat, die Teyssen wie Maubach - und übrigens auch der E.On-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann aus Vor-vorgeschichtlichen Zeiten kennengelernt und als Sprungbrett in die Spitzen der Energiewirtschaft genutzt haben.

Erste Frau auf oberster Führungsebene der IT-Branche

Eine positive Überraschung bildet die Berufung der 55-jährigen Regine Stachelhaus, die von Heide Simonis die vor achtzehn Monaten die Geschäftführung von Unicef übernommen hatte.

Die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin und Unicef-Chefin Simonis war durch Unregelmäßigkeiten bei Unicef und durch Skandälchen als TV-Tänzerin ("Hoppel-Heide") als nicht mehr tragbar erschienen. Stachelhaus ersetzte sie. Aber nicht dieser Noteinsatz ist der Grund für ihre Berufung in den E.On-Vorstand.

Jahrelang war sie Mitglied der Geschäftsführung von Hewlett-Packard in Deutschland. Die IT-Spezialistin - sie wird im E.On-Vorstand für Personal, Einkauf und auch IT verantwortlich sein - machte als erste Frau auf oberster Führungsebene in der IT-Branche Furore.

Die WirtschaftsWoche schrieb vor ein paar Jahren über sie: "Neben ihrer Leistungsbereitschaft ist die Lust am Experiment ihr Antriebsmotor. Sie passt zu dem, was der US-Konzern den HP-Way nennt: Flache Hierarchie, keine Pedanterie, Orientierung am Ergebnis. Das System soll ungewöhnliche Wege belohnen." Ihre Berufskarriere startete die Juristin in der Rechtsabteilung von Hewlett-Packard.

Frau Stachelhaus zeichnet sich durch ihr Management-Selbstverständnis aus: Sie will in ihren Topjobs nicht einsame Alibifrau bleiben, sondern zieht konsequent andere Frauen in Management-Positionen auf mittlerer und auch unterer Ebene.

So sorgte sie dafür, dass der Frauenanteil im Management bei HP innerhalb von vier Jahren von 13 auf 17 Prozent stieg. Bei E.On beträgt der Frauenanteil elf Prozent. E.On-Insider erwarten, dass Stachelhaus diesen Anteil "in den nächsten fünf Jahren auf 15 Prozent erhöht", sagt ein Arbeitnehmervertreter.

Ungewöhnliche Wege gehen?

Das ist Neuland in dem trotz der Bernotat-Rosskur stark verschlankten und effizienter gewordenen Konzern.

Bernotat hat quasi amerikanische Verhältnisse in die E.On-Hierarchie gebracht. Zuvor war das Untermehmen unter seinem Patriarchen Ulrich Hartmann zwar objektiv erfolgreicher als heute, aber auch in den inneren Strukturen sehr viel traditioneller, konservativer, mehr auf Formen als auf Geschwindigkeit bedacht.

Man liebte früher die großen Worte. Und die wehen noch immer aus der früheren Ära herbei, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende Hartmann anlässlich der Neubesetzungen im Vorstand wortgewaltig kommentiert: "Unter der Leitung von Teyssen kann nun nach Abschluss der gewaltigen Akquisitionsphase das nächste Kapitel der E.On-Konzerngeschichte angegangen werden."

Das Pathos lässt vermuten, dass zu diesem nächsten Kapitel auch die Ablösung des hochgeehrten Aufsichtsratsvorsitzenden aus Altersgründen gehört.

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